Dreiteilige WDR-Dokumentation „Liebe inklusive“

„Händchen halten“ wäre schön, und „Küsschen geben“: Diese TV-Doku berührt die Herzen

Jill lernte über die Partnervermittlung „Schatzkiste“ Felix kennen. Beide haben das Down-Syndrom, und beide haben Schwierigkeiten, einen Partner zu finden. Die dreiteilige WDR-Dokumentation „Liebe inklusive“ begleitet die beiden bei ihrem ersten Date.
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Jill lernte über die Partnervermittlung „Schatzkiste“ Felix kennen. Beide haben das Down-Syndrom, und beide haben Schwierigkeiten, einen Partner zu finden. Die dreiteilige WDR-Dokumentation „Liebe inklusive“ begleitet die beiden bei ihrem ersten Date.

Es ist schwierig, einen Freund zu finden, wenn man Down-Syndrom hat. Die 22-jährige Jill musste diese Erfahrung machen. Die dreiteilige WDR-Dokumentation „Liebe inklusive“ begleitet sie und andere Menschen mit Einschränkungen bei der Suche nach einem Partner.

Wenn Jill strahlt, scheint die Sonne aufzugehen. Und sie lacht gerne, die 22-Jährige ist ein fröhlicher Mensch. Nur eines fehlt ihr zu ihrem Glück: ein fester Freund. Aber das ist leider nicht so einfach. Jill hat das Down-Syndrom - und Schwierigkeiten, einen Mann an ihrer Seite zu finden. Die dreiteilige WDR-Dokumentation „Liebe inklusive“ aus der Reihe „Menschen hautnah“ zeigt auf, wie kompliziert es ist, mit einer Einschränkung die große Liebe zu finden. Pro Folge werden drei Menschen auf ihrem Weg begleitet, per Online-Partnerbörse endlich den Richtigen oder die Richtige zu finden. Denn jeder Mensch sehnt sich nach der Liebe: Egal, ob der- oder diejenige Down-Syndrom oder Autismus hat, kleinwüchsig ist oder nicht lesen und schreiben kann. Die erste Folge wird am Donnerstag, 9. Januar, 22.40 Uhr, im WDR-Fernsehen, ausgestrahlt, die anderen Teile folgen jeweils donnerstags zur selben Zeit.

Seit Dezember sind die Folgen auf dem YouTube-Kanal „WDR Doku“ zu sehen. Die Resonanz ist überwältigend: Über 620.000 Zuschauer haben die erste Folge bereits angeklickt - ein großer Erfolg, findet die Autorin der Reihe, Nicole Rosenbach. Vor allem über die zahlreichen positiven Rückmeldungen freue sie sich sehr. „Es geht in den Kommentaren überhaupt nicht um die Behinderungen der Protagonisten. Die Zuschauer erkennen sofort, es geht um den Stoff, der uns alle zusammenhält“, stellt die Fernsehautorin fest. Die Date-Teilnehmer würden einen Blick auf ein Sozialgefüge öffnen, wie es sich jeder wünsche: „geprägt von Wärme, Offenheit und Menschlichkeit.“

Unterstützt werden die partnersuchenden Singles aus Rosenbachs Film von Online-Portalen wie „Schatzkiste“ oder „Herzenssache“. Dort läuft es etwas anders als bei Tinder und Co.: Durch lange, persönliche Gespräche werden die jeweiligen Vorstellungen von einer Partnerschaft besprochen, dann werden die Singles in eine Kartei aufgenommen, und es wird geprüft, ob es jemanden gibt, der zu ihnen passt. Aber solche Dating-Portale sind in Deutschland noch nicht flächendeckend verbreitet. Teilweise fahren die Leute 400 Kilometer, um in einer Kartei aufgenommen zu werden, weiß Nicole Rosenbach - ein großes Manko. „Es geht ja auch oft darum, relativ fix jemanden im realen Leben zu treffen, weil der Leidensdruck bei den Betroffenen oft schon groß ist. Dabei muss es ja nicht gleich die große Liebe sein“, erklärt sie. „Oft freuen sich die Singles schon über ein zustandekommendes Date, ohne gleich die große Perspektive im Kopf zu haben.“

„Das ist uns im Alltag verloren gegangen“

Nicole Rosenbach wurde durch die Netflix-Serie „Undateables“ auf das Thema aufmerksam. Dadurch erfuhr sie, dass es in Großbritannien eine Partnervermittlung für Menschen mit Beeinträchtigung gibt, und fand heraus, dass solche Initiativen auch in Deutschland agieren. „Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die seit Jahren jemanden suchen, und da dachte ich, es wäre toll, das auch für das deutsche Fernsehen zu machen“, so die Autorin. Neben Jill begleitete sie die kleinwüchsige Rafaella, den Autisten Robin oder die halbseitig gelähmte Tanja, die nach einem schweren Verkehrsunfall von ihrer Mutter gepflegt werden muss. Sie alle eint die Suche nach der Liebe.

Sie und noch andere begleitet Rosenbach vor und während ihrem ersten Date, bei ihren aufregendsten Stunden, wenn sie kurz davor sind, jemanden kennenzulernen. „Dieses tief Menschliche, nicht Verkopfte, die Freude an einem anderen Menschen, das ist uns im Alltag ein bisschen verloren gegangen“, stellt die Autorin fest. Und auch wenn die Dates für Außenstehende vielleicht nicht optimal verlaufen, sind die Protagonisten am Ende dennoch glücklich. „Wir würden vielleicht später bewerten, dass es kein 'perfektes' Date war. Aber was ist ein perfektes Date? Wie wohltuend, dass unsere Protagonisten diesen Perfektionismus nicht mit sich herumtragen“, beschreibt Rosenbach ihre Sicht der Dinge. Ihre Protagonisten, sagt sie, „stoßen uns auf das Wesentliche. Sie sind dankbar, weil sie jemanden kennenlernen, mit dem sie sich gut unterhalten können und eine schöne Zeit haben.“ Eine Einstellung, von der jeder lernen kann.

„Wir nehmen vieles für selbstverständlich“

Nicole Rosenbach betont, dass sie auch für sich selbst einiges aus dieser Arbeit mitgenommen habe. „Am meisten hat mich diese Klarheit berührt: Dieser Wunsch, jemanden zu treffen und jemanden für sich zu haben. Wir nehmen vieles für selbstverständlich“, so die Autorin. „Wir sind manchmal viel zu kompliziert.“ Aber worauf kommt es denn wirklich an in der Liebe? Darauf hat sie nun eine klare Antwort: „Es gibt nichts, was mehr verbindet als die Liebe. Das ist es im Kern. Wir sollten nicht ständig sortieren in Gruppen 'das sind wir und das sind die anderen'. Es ist die Freude darüber, einem Menschen erst einmal offen zu begegnen, egal wo er steht, egal, wo er herkommt. Es kursiert gerade zu viel Schlechtes, Spaltendes. Wir dürfen uns davon nicht anstecken lassen. Uns alle verbindet sehr viel mehr als uns trennt.“

So viel sei verraten: Die 22-jährige Jill, die sich vor allem jemanden zum „Händchen halten“ und „Küsschen geben“ gewünscht hat, ist am Ende glücklich: Mit Felix hat sie einen gefunden, mit dem sie gerne ihre Zeit verbringt. Die Autorin bekomme regelmäßig Fotos und Nachrichten von ihren Protagonisten, auch von dem Pärchen mit Down-Syndrom. „Vor ein paar Tagen habe ich von Jill und Felix ein tolles Foto bekommen, da waren sie zusammen im Theater, die sind glücklich. Sie treffen sich regelmäßig.“

Der warme, zutiefst empathische Ansatz berührt offenbar viele Menschen. Auf YouTube, wo die Klickzahlen weiter in die Höhe schnellen, fordern viele User bereits eine Fortsetzung der Reihe. Stoff gäbe es auf jeden Fall genug. Steht das im Raum? „Ich würde mich freuen! Bisher ist keine Fortsetzung geplant, aber ich bin mal gespannt, wie meine Redaktion auf die Sendung reagiert. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, lacht Nicole Rosenbach.

teleschau

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