Für immer der Mann mit der Gitarre

Zum Tode von Gunter Gabriel

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Gunter Gabriel ist tot.

Schlagersänger Gunter Gabriel ist tot. „Heute Vormittag hat das Herz eines großen Musikers aufgehört zu schlagen“, so seine Agentur gegenüber „Bild.“

Wo und wann immer man ihn auch antraf, Gunter Gabriel hatte seine Gitarre am Mann und war nie um ein kleines Liedchen und eine lustige Anekdote verlegen. Der Mann mit der Klampfe und der rauen Stimme, der so gerne der „deutsche Johnny Cash“ sein wollte, wurde auf seine eigene Weise zur Legende: als Original mit Haltung, Eiern und jeder Menge Leben im Kreuz. Der Country- und Schlagersänger Gunter Gabriel, der so viele Stürme und Tiefen überstand, ist am Donnerstag im Alter von 75 Jahren in Hannover verstorben.

Der Grund für sein Ableben sei ein Treppensturz am 10. Juni, dem Vorabend seines Geburtstags, gewesen. Das bestätigte die Agentur des Sängers gegenüber „Bild“. „Auf einen diagnostizierten dreifachen Bruch des ersten Halswirbels folgten in den vergangenen Tagen drei Operationen in einem Hannoveraner Krankenhaus.“ Die Eingriffe waren zu viel für die Schlagerlegende. „Heute Vormittag hat das Herz eines großen Musikers aufgehört zu schlagen“, so die Agentur weiter. Gabriel - der eigentlich Gunter Caspelherr hieß - war viermal verheiratet. Er hinterlässt vier Kinder und drei Enkelkinder.

Letztes Jahr machte Gunter Gabriel noch mit seiner Teilnahme beim „Dschungelcamp“ auf sich aufmerksam. Im Interview gab er sich danach sehr nachdenklich und sprach auch über das Ende. „Im Camp musste ich ganz tief in mich reingehen, und plötzlich fragte ich mich 'Was war der Sinn deines Lebens, was hast du falsch, was richtig gemacht? Was bleibt übrig, wenn ich mal abkratze?' So weit habe ich bisher nie gedacht.“

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Gunter Gabriel wohl vor allem eines war: authentisch. Ein echter Kerl, ein kultiger Typ! Sah er sich selbst gerne als der deutsche Johnny Cash, wird er wohl hierzulande vor allem als kantiger Star mit klarer Haltung und eigener Meinung in Erinnerung bleiben. Indes: Eine respektable Musikkarriere hatte Gabriel natürlich schon vorzuweisen.

Aufgewachsen in Bünde und Kirchlengern lernte er schon früh, was es heißt, zäh sein zu müssen. Mit vier Jahren starb die Mutter, der Vater kümmerte sich von da an alleine um seine zwei Kinder. Um Geld zu verdienen, brach Gabriel - der durch den Namen von seiner Exfrau Gabriele zu seinem Künstlernamen kam - die Schule ab und schlug sich mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten durch. Als DJ kam er schließlich in Kontakt mit verschiedenen Künstlern und begann, für sie Songs zu schreiben - sein erstes Lied komponierte er für Rex Gildo, sein erster Hit war der Fernfahrersong „Er ist ein Kerl (Er fährt 'nen 30-Tonner Diesel)“. Mit dem unvergessenen Gassenhauer „Hey Boss, ich brauch' mehr Geld“ folgte dann der Durchbruch.

Doch auch der Absturz lauerte hinter der nächsten Biegung. Denn die Hits blieben aus, seine Ehen scheiterten, Gabriel suchte wie so viele die Erlösung im Alkohol. Mit Eskapaden, Schulden und diversen Pöbeleien lieferte Gabriel mehr als genug Stoff für die Boulevardblätter der Republik. Doch trotz allem: Gunter Gabriel und sein gerne eingesetzter Mittelfinger kehrten ins Rampenlicht zurück. 2009 brachte er das Album „Sohn aus dem Volk“ heraus - eine Hommage an sein großes Vorbild Johnny Cash, auf das er auch oft in Interviews zu sprechen kam: „Der Stinkefinger ist ja gar kein Machofinger. Der Mittelfinger war, wie bei meinem Vorbild Johnny Cash auch, das Zeichen, gegen etwas zu sein.“ Ja, mit den Obrigkeiten hatte der Musiker immer schon so seine Probleme, er sei dagegen, dass man diese konsequent anerkennen muss, wie er freimütig gestand. „Deswegen bin ich auch ein paarmal vorbestraft, weil ich mich gegen die Polizei wehrte, als ich mich ungerecht behandelt fühlte.“

Zuletzt war es wieder etwas ruhiger um den Rebell geworden. Er akzeptierte augenscheinlich die öffentliche Meinung über sich: „Ob und wie sich mein Image bei anderen Leuten ändert, habe ich nicht in der Hand“, bemerkte der Sänger letztes Jahr gleichmütig im Gespräch. Vor drei Jahren war Gabriel schon einmal mit dem Tode in Berührung gekommen. Im Herbst 2014 erlitt er einen Schlaganfall. „Das war eine Warnung vom lieben Gott“, sagte er damals.

Trotzdem nahm er zwei Jahre später bei „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ teil. Bei RTL hatte man, wie Gabriel schilderte, „lange gebaggert“, dass er fürs Dschungelcamp 2016 zusagte. Am fünften Dschungeltag allerdings zog er bereits wieder aus. Im Camp sprach der Musiker davon, dass morgens die „dunklen Gedanken“ kämen. Am letzten Tag im Dschungel war da vor allem ein Gefühl, wie er bekannte: die Angst davor, die nächste Nacht nicht zu überleben. Der ärgste Feind schlummert eben oft in einem selbst. „Am meisten habe ich mich selbst genervt. Das ist ganz klar. Erst die Psyche, dann der Körper.“

Einen seiner letzten TV-Auftritte hatte Gunter Gabriel beim Pay-Sender History. Zum Gedenken an den charismatischen Musiker ändert dieser nun kurzfristig sein Programm und zeigt am Freitag, 23. Juni, um 15.30 Uhr, das Finale der History-Serie „Käpt'n Kasi - Auf hoher Spree“ vom Sommer 2015, in dem der Sänger auf den Überlebenskünstler Kasi traf, den der Sender auf seinen Abenteuern in seinem Berliner Hausboot begleitete. In der Folge sprachen der Musiker und Kasi während einer Spritztour auf der Spree über das Leben und die Stadt. Gunter Gabriel griff dabei auch zur Gitarre.

tsch

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