„History Award“ geht ein weiteres Mal an Krefelder Gesamtschüler

Gleichberechtigung - auch ein Thema für Zweitklässler

+
Jury-Mitglied Sascha Priester, Schirmherrin Collien Ulmen-Fernandes, Jury-Mitglied Wigald Boning, Moderatorin Nina Eichinger und History-Geschäftsführer Dr. Andreas Weinek (von links) durften das goldene „H“ den Schülern der Krefelder Gesamtschule übergeben - zusammen mit einem Scheck über 2.000 Euro.

Seit 2005 verleiht der Pay-TV-Sender History den Jugendmedienpreis „History Award“. Auch dieses Jahr mussten sich die Schüler einem schwer zu fassenden Thema widmen: der Gleichberechtigung.

Eigentlich sei ja „Badewetter“, meinte Moderatorin Nina Eichinger am Dienstag bei etwa 30 Grad im gut gefüllten Ehrensaal des deutschen Museums in München. Aber man hatte nicht das Gefühl, dass jemand seinen Platz gegen das Handtuch am See eintauschen wollte - ganz im Gegenteil, es herrschte Vorfreude und Aufregung. Schüler aus allen Altersklassen haben sich mit ihren Lehrern und einigen Journalisten hier versammelt, denn zum elften Mal hat der Pay-TV-Sender History Channel zur Verleihung seines Jugendmedienpreises, dem History Award, geladen. Auch im Jahr 2017 ist das Thema relevant und breit gefächert: „Gleichberechtigung - Wie gleich ist gleich?“, mussten sich 242 teilnehmenden Schüler aus Deutschland und Österreich fragen.

Dass Gleichberechtigung auf viele Bereiche anzuwenden ist und man unterschiedlich damit in Berührung kommt, machte Andreas Weinek, Geschäftsführer von History und A&E Deutschland, in einer kurzen Anekdote klar. „Es ist etwa 40 Jahre her, dass ich auf das Thema aufmerksam geworden bin“, holte er aus und erklärte, dass es für ihn erst mal nur etwas zwischen Mann und Frau war. Eine Diskussion über Gleichberechtigung von Ethnien oder gar einem Thema wie die Gleichstellung der Homoehe, das sei damals noch fern gewesen. Zum Abschluss seiner Rede unterstrich er, wir seien noch nicht sehr weit gekommen, „in dem Kampf für Gleichberechtigung“.

Da konnte auch Collien Ulmen-Fernandes nur zustimmen. Seit sie Mutter geworden ist, erzählte die Moderatorin, werde sie immer wieder mit einem klassischen Rollenbild konfrontiert: „Viele erwarten eben doch noch, dass die Frau zu Hause bleibt.“ Doch auch über die kleinen Ungerechtigkeiten des Alltags ärgert sich die Mutter einer Tochter: „Warum gibt es in Männer WCs eigentlich kaum Wickeltische?“ - Gleichberechtigung sieht in ihren Augen anders aus.

Vielleicht wurde die Aufgabenstellung also deshalb so offen formuliert, um die unterschiedlichen Wege aufzuzeigen, wie noch etwas in diesem Bereich getan werden kann. Vor allem die Zweitplatzierten rührten das Publikum und erhielten Standing Ovations. Die zwei Mädchen der Ernst Bärlach Schule in München widmeten sich der Gleichbehandlung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, denn eine der beiden leidet an einer Muskelschwäche und sitzt im Rollstuhl. Als sie ihr gemeinsames Lied „Ich bin ich“, das sie auch im Video sangen, live auf der Bühne interpretierten, musste sogar Jury-Mitglied und Historiker Dr. Sascha Priester zugeben, er habe eine Träne verdrücken müssen. „Jetzt noch mal tief durchatmen“, riet er dem Publikum.

Über den ersten Platz, der mit 2.000 Euro dotiert ist, durften sich - genau wie bei der letzten Verleihung - die Schüler der Robert-Jungk-Gesamtschule aus Krefeld freuen. Sie hatten eine technisch aufwendige Produktion über Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Politik am Beispiel des Wahlrechts von Frauen gedreht.

Der TV-Sender zeigt mit seiner Ausschreibung, wie einfach es ist, Kinder spielerisch im Rahmen eines Wettbewerbs dazu aufzufordern, sich mit ernsten Themen auseinanderzusetzen. Plötzlich machen sich Zweitklässler gemeinsam mit ihren Eltern Gedanken über Gleichberechtigung. Zwar grübelte Jurymitglied Wigald Boning, ob die totale Chancengleichheit eine Utopie sei, „der man nur entgegenstreben kann“, doch die Schüler beweisen, dass es sich lohnt, die Herausforderung im Kampf für die Gleichberechtigung anzunehmen.

tsch

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare