Die römische Diva

Gina Lollobrigida: „Schönste Frau der Welt“ feiert 90. Geburtstag

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Gina Lollobrigida (hier als Bersagliera in „Liebe, Brot und Fantasie“) galt in den 50er-Jahren als „schönste Frau der Welt“. Das suggeriert zumindest der gleichnamige Titel eines Films mit „Gina Nazionale“ in der Hauptrolle.

„Gina Nazionale“ galt einmal als schönste Frau der Welt. Zweifellos war Gina Lollobrigida eine der größten Filmdiven aller Zeiten. Am 4. Juli vollendet die Römerin ihr 90. Lebensjahr.

Für weite Teile der Medien war es nur der „Krieg der Busen“. Bei einer Pressekonferenz in London Mitte der 50er-Jahre wagte sich ein vorwitziger Journalist sogar ganz weit vor: „Wer hat mehr, Sie oder Lollo?“, fragte er die damals international noch fast unbekannte Sophia Loren unverblümt. In puncto Brustumfang siegte die sieben Jahre jüngere Loren mit einem hauchdünnen Vorsprung vor „Gina Nazionale“, die dafür zu diesem Zeitpunkt gerade den Zenit ihres Filmruhms erreicht hatte. Die angebliche Konkurrenz der beiden kurvenreichen Schauspiel-Diven sorgte lange Zeit für ein beträchtliches Rauschen im Blätterwald der Boulevardpresse. Gina Lollobrigida, die am 4. Juli ihr 90. Lebensjahr vollendet, und Sophia Loren, die vermeintliche Rivalin in der Gunst des Filmpublikums, sahen den künstlich aufgebauschten Rummel allerdings seit jeher gelassen. Kein Wunder, haben sie doch sowohl beruflich als auch privat viel gemein.

Beide Diven beteiligten sich vor Beginn ihrer Schauspiel-Karriere erfolgreich an Schönheitswettbewerben, wurden als Sex-Symbole vergöttert, brachten es nicht nur in ihrem Heimatland zu Filmruhm und schafften sogar den Sprung nach Hollywood. Auch mit 82 und nunmehr 90 Jahren sind Sophia Loren und Gina Lollobrigida alles andere als in Ehren ergraute ältere Damen. Beide halten sich mit einer strengen Diät fit. „Ich esse kein Fleisch, nur Huhn und Salat, trinke keinen Alkohol und rauche nicht“, verrät Lollo, während ihre ebenso attraktive Kollegin auf literweise Mineralwasser und ausreichend Schlaf schwört.

Hier hören die Gemeinsamkeiten allerdings auf. Schlafen? Für eine viel beschäftigte Künstlerin wie Gina Lollobrigida, die die Angewohnheit hat, von sich selbst in der dritten Person zu reden, beinahe ein Unwort. Zum Ausruhen blieb der rassigen Italienerin auch im Alter wenig Zeit. „Am besten sehe ich aus, wenn ich nur zwei oder drei Stunden geschlafen habe“, bekannte die in Rom lebende Schauspielikone in einem Interview vor ihrem 80. Geburtstag.

Dabei hat Gina Lollobrigida dem Filmrummel schon lange abgeschworen. Als ihr Stern nach einigen missglückten Projekten langsam im Sinken war, sagte sie dem Business Anfang der 70er-Jahre Ade. Für die vielseitig begabte Schönheit war dieser Abschied aber beileibe kein Beinbruch. Schauspielerin wurde die Tochter eines Möbelfabrikanten aus Subiaco mehr durch Zufall. In Rom studierte die junge Gina kurz nach dem Krieg an der Kunstakademie und verdiente ihrer Familie durch Zeichnungen, die sie an diverse Zeitschriften verkaufte, ein kleines Zubrot. Nebenbei nahm sie Gesangsunterricht und träumte von einer Karriere als Opernsängerin an der Mailänder Scala. Für den Film wurde Lollo entdeckt, nachdem sie ein junger Mann - einer von vielen - auf der Straße angesprochen hatte. Mario Costa war allerdings mehr als nur einer ihrer zahlreichen Verehrer, sondern seines Zeichens Filmregisseur und Produzent. Eine rasante Karriere vor der Kamera nahm ihren Lauf.

Nach ersten nationalen Erfolgen klopfte bereits Ende der 40er-Jahre Hollywood in Gestalt des Film-Tycoons und notorischen Playboys Howard Hughes an die Tür. Doch Amerika musste noch ein paar Jährchen auf Gina Lollobrigida warten, da sie nicht bereit war, einen Langzeitvertrag mit Hughes abzuschließen. So blieb die Schönheit vom Lande ihrer Heimat noch eine Weile erhalten, wo sie nach mehreren volkstümlichen Rollen, etwa als Bersagliera in „Liebe, Brot und Fantasie“ (1953) sowie der Fortsetzung „Liebe, Brot und Eifersucht“ (1954) zur von ihren Landsleuten viel umjubelten „Gina Nazionale“ aufstieg.

International schaffte sie in der französischen Produktion „Fanfan, der Husar“ (1951) den Durchbruch. Ebenso wie in der erfolgreichen Hugo-Verfilmung „Der Glöckner von Notre Dame“ (1956) schlüpfte Lollo in die Rolle einer temperamentvollen wie mysteriösen Zigeunerin. Gerne erinnert sie sich an die Zusammenarbeit mit Anthony Quinn, der den buckligen Glöckner Quasimodo spielte. Er bleibt bis heute ihr liebster Filmpartner. „Er war fröhlich und professionell“, schwärmt Gina Lollobrigida, „und er war vor allem so männlich.“

„Die Männer gefallen mir immer noch“, ließ die Schauspielerin in einem Interview anlässlich ihres 70. Geburtstags verlauten. „In mein Bett kommt kein Kerl über 40“, schockte sie noch vor zehn Jahren die Öffentlichkeit. „Treue? Davon halte ich gar nichts. Wirkliche Treue existiert nicht. Die Untreue ist uns eingebaut.“ Tatsächlich? 2006 sorgte die damals 79-Jährige erneut für Wirbel und stellte der Presse ihren heimlichen Geliebten vor, mit dem sie schon seit 22 Jahren zusammen sei. Stolze 34 Jahre jünger als die Filmgöttin ist Javier Rigau, ein Immobilien-Unternehmer aus Spanien. Die Liaison soll aufgrund des Mediendrucks mittlerweile wieder zerbrochen sein. Vielleicht war er ihr aber auch einfach zu alt.

Gina Lollobrigidas Ehe mit dem jugoslawischen Arzt Milko Skofic hielt 22 Jahre. 1971 wurde das Paar geschieden. „Ich kann mich an keine einzige Nacht mehr erinnern“, fasst sie diese Episode ihres Lebens wenig schmeichelhaft zusammen. Ihr Sohn, Milko Skofic Jr., hat „Gina Nazionale“ mittlerweile zur Großmutter gemacht. Wenn man sie als Oma tituliert, reagiert sie allerdings ausgesprochen allergisch. Als sie etwa die Schauspielerin Francesca Dellera bei Dreharbeiten mit „Ciao Oma“ begrüßte, verlor die Grande Dame kurzzeitig ihre Contenance und verpasste der Kollegin eine schallende Ohrfeige. Ihre Begründung für die handfeste Entgleisung: „Großmütter stehen mit einem Bein im Jenseits. Ich aber stehe im Diesseits.“ Was sie erst vor fünf Jahren bei einem durchaus spektakulären Auftritt in München unter Beweis stellte: La Lollobrigida war Überraschungs- und Ehrengast beim 20-Jahre-Jubiläum des Fernsehsenders kabel eins und um kein gewitztes Bonmot verlegen.

Anlässlich dies 90. Geburtstags sind nun nicht mehr viele Wiederholungen mit dem Weltstar im deutschen TV-Programm zu finden. Immerhin wiederholt das RBB-Dritte am Donnerstag, 6. Juli, um 23.45 Uhr, den Klassiker „Die italienische Geliebte“ von 1968, in dem die Diva ganz dem Titel entsprechend an der Seite von Louis Jourdan und Philippe Noiret auftrumpft.

tsch

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