Am 22. Mai im ZDF

Fritzi Haberlandt im Interview zur Komödie „Der Chef ist tot“: „Diese Figur hat genau auf mich gewartet“

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Die Schauspielerin Fritzi Haberlandt versucht ihren Figuren immer etwas Besonderes zu geben. Das gilt auch für ihre Kommissarin in „Der Chef ist tot“.

Für ihre Nachbarn auf dem Land ist sie eine normale Einwohnerin, die mit ihnen im Kirchenchor singt. Für Kritiker und Zuschauer ist Fritzi Haberlandt eine der talentiertesten und interessantesten Schauspielerinnen Deutschlands.

Im Fernsehen oder auf der Bühne fällt Fritzi Haberlandt immer auf, egal, wen sie spielt. Das hängt mit ihrem Talent zusammen, aber auch mit der Art und Weise, wie sie ihre Rollen interpretiert. Sie versuche immer, ihren Figuren etwas Besonderes mitzugeben, sagt sie selbst. In der ZDF-Krimi-Komödie „Der Chef ist tot“ (Montag, 22. Mai, 20.15 Uhr) spielt sie eine Kommissarin der etwas anderen Art, wieder so eine Figur, wie sie nicht jeden Tag im Fernsehen zu sehen ist. Im Interview spricht die Schauspielerin nicht nur über ihre Arbeit, sondern auch über ihren privaten Rückzugsort auf dem Land, und die 41-Jährige verrät einiges über das große TV-Projekt „Babylon Berlin“, in dem sie ebenfalls zu sehen sein wird.

nordbuzz: In der ZDF-Krimikomödie „Der Chef ist tot“ spielen Sie eine der ungewöhnlichsten Kommissarinnen aller Zeiten. Würden Sie dem zustimmen?

Fritzi Haberlandt: Auf jeden Fall. Sonst hätte ich auch nicht zugesagt. Die Welt braucht nicht noch eine der üblichen TV-Ermittlerinnen. Am Anfang war ich daher auch eher skeptisch. Als ich dann aber das Buch gelesen habe, war ich begeistert.

nordbuzz: Was hat Ihnen an der Rolle genau gefallen?

Fritzi Haberlandt: Maxi Schweiger ist eine Frau, die es beruflich erst mal nicht so draufhat, aber sehr von sich überzeugt ist. Diesen Ansatz fand ich schon mal lustig. Diese Figur hat genau auf mich gewartet.

nordbuzz: Müssen die Figuren, die Sie spielen, etwas Besonderes haben, damit Sie sich darauf einlassen?

Fritzi Haberlandt: In diesem Fall kannte ich den Regisseur Markus Sehr schon von einem früheren Film, und das ist schon mal viel wert für mich. Aber ich suche mir die Figuren schon danach aus, ob ich das Gefühl habe, dass ich ihr etwas Besonderes verleihen kann. Es soll nicht egal sein, wer die Figur spielt. In diesem Fall haben mich das leicht Schräge und die ungewöhnliche Erzählung der Geschichte angezogen.

nordbuzz: Ist dieses Schräge so etwas wie ein Charakterzug von Ihnen? Zumindest sind viele Ihrer Figuren im Fernsehen so angelegt.

Fritzi Haberlandt: Ich bereue schon wieder, dass ich dieses Wort benutzt habe. Das ist so etwas wie ein Stempel für mich. Dabei fühle ich mich ganz normal. Ich weiß nur, dass andere mich gern so beschreiben.

„Jede Rolle ist erst mal eine Interpretation“

nordbuzz: Woher kommt diese Vorliebe für Figuren, die etwas abseits des Mainstreams liegen?

Fritzi Haberlandt: Wohl vor allem daher, dass ich vom Theater komme. Jede Rolle ist erst mal eine Interpretation. Es ist gut, wenn sie vom Buch her schon besondere Eigenschaften mitbringt, aber ich würde sie wahrscheinlich auch immer mit meinen Eigenheiten füllen. Ich bringe immer viel von mir selbst mit. Bei Maxi Schweiger musste ich mich wenig kontrollieren und wenig nachdenken. Ich konnte einfach so spielen, wie es mir gerade zumute war, und das macht natürlich großen Spaß.

nordbuzz: Das sieht man dem Film auch an!

Fritzi Haberlandt: Dieser Widerspruch war einfach schön zu spielen: Jemand glaubt die ganze Zeit, dass er das Richtige tut, und ist ganz begeistert von sich und seiner Arbeit. Der Zuschauer weiß aber genau, dass es total falsch ist. Ich fand das einen originellen Ansatz, dass jemand mit solch einer Inbrunst und Naivität an die Sache herangeht und die anderen damit komplett überrumpelt.

nordbuzz: Werden Ihnen viele solcher Rollen angeboten?

Fritzi Haberlandt: Ach, wie das nun mal so ist: Es kommen mal mehr, mal weniger Angebote. Mein Vorteil ist aber, dass ich nicht nur fürs Fernsehen arbeite, sondern auch fürs Theater und aktuell auch mit Lesungen viel unterwegs bin. Ich bin nicht darauf angewiesen, dass in der Woche vier Drehbücher reinflattern. Ich kann das frei entscheiden. Das empfinde ich als totalen Luxus: Diese Freiheit zu behalten und nicht gezwungen zu sein, etwas zu machen, das mir nicht gefällt.

nordbuzz: Mit welchen Stücken gehen Sie auf Lesereise?

Fritzi Haberlandt: Das ist ganz unterschiedlich. Aktuell bin ich mit „Das kunstseidene Mädchen“ unterwegs, das ich mit dem Musiker Jens Thomas aufführe. Wir touren regelmäßig, und das ist so ein Herzensprojekt, das mich glücklich macht. Ich liebe diesen Text so sehr, dass sich die Begeisterung oft aufs Publikum überträgt.

nordbuzz: Sie waren früher festes Ensemblemitglied am Berliner Maxim Gorki Theater. Könnten Sie sich so etwas heute noch vorstellen?

Fritzi Haberlandt: Es ist toll, Teil eines solchen Ensembles zu sein. Aber man ist dann auch sehr unflexibel, sehr ans Theater gebunden und eigentlich rund um die Uhr dort. Das war mir irgendwann ein bisschen zu viel.

„Wenn ich von dem einen zu viel habe, mache ich eben das andere“ 

nordbuzz: Macht das den Reiz dieses Berufs aus - so viele Möglichkeiten zu haben?

Fritzi Haberland: Ja! Film und Fernsehen ist so anders als Theater oder eine Lesung. Mich bereichert das total. Wenn ich von dem einen zu viel habe, mache ich eben das andere. Ich fühle mich da sehr beschenkt, dass ich diese Möglichkeiten habe.

nordbuzz: Ganz nebenbei haben Sie noch in einem der spannendsten Projekte mitgewirkt, dass das deutsche Fernsehen zurzeit zu bieten hat: Die 20er-Jahre-Serie „Babylon Berlin“ von Tom Tykwer, die wohl im Herbst bei Sky und ein Jahr später in der ARD zu sehen sein wird.

Fritzi Haberland: Da bin ich auch ganz stolz und glücklich darüber, dass ich da dabei bin.

nordbuzz: Hat Ihre Mitwirkung auch damit zu tun, dass Ihr Lebensgefährte Hendrik Handloegten am Drehbuch mitgeschrieben hat?

Fritzi Haberland: Ich würde sagen: Er hat damit wirklich rein gar nichts zu tun (lacht). Ich kenne dieses spannende Projekt von der Wiege an und habe es jahrelang als Partnerin begleitet. Daher war ich natürlich sehr froh, dass ich da auch mitspielen durfte. Und da mich die 20er-Jahre in Berlin immer schon sehr beschäftigt haben, finde ich es besonders interessant, dass diese Geschichte im Rahmen einer groß angelegten Serie erzählt wird.

nordbuzz: Leben Sie noch in dem kleinen Dorf in Brandenburg?

Fritzi Haberlandt: Natürlich. Ich pendele immer zwischen dem Land und Berlin hin und her. Wenn ich frei habe, bin ich eher dort draußen. Mein Beruf bringt mit sich, dass ich viel unterwegs bin und mit vielen Leuten zu tun habe, viel kommuniziere. Wenn ich draußen bin, ist dort wirklich nichts. Dieser Gegensatz tut mir gut.

nordbuzz: Das stellt man sich ungewöhnlich vor: eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen inmitten der 100 Dorfbewohner.

Fritzi Haberlandt: Für die Menschen dort bin ich eine ganz normale Einwohnerin. Ich mache mich ganz gut auf dem Land und bin dort voll integriert. Gestern Abend hatte ich beispielsweise wieder Probe im Kirchenchor. Ich finde es toll, dass ich auch ein ganz normales Leben haben darf.

tsch

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