Gastgeberin Thea Dorn steht für Neuausrichtung des ZDF-Klassikers

Frischzellenkur für die Kultur-Instanz: So funktioniert das neue „Literarische Quartett“

Als neue Gastgeberin des „Literarischen Quartetts“ steht Thea Dorn auch für eine Neuausrichtung des Formats. Weg von der Kritikerrunde und hin zum literarischen Salon.
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Als neue Gastgeberin des „Literarischen Quartetts“ steht Thea Dorn auch für eine Neuausrichtung des Formats. Weg von der Kritikerrunde und hin zum literarischen Salon.

„Das Literarische Quartett“ erhält mit Thea Dorn nicht nur eine neue Moderatorin, sondern möchte sich durch Änderungen im Sendungs-Format auch von der Idee der Kritikerrunde verabschieden. Stattdessen soll nach Vorbild eines Salons debattiert werden.

„Ich denke beim neu justierten 'Quartett' an einen Salon, an einen Ort also, an dem sich markante, geistreiche Zeitgenossen treffen, um über Kunst, Gesellschaft und Politik zu diskutieren“: So zeichnet Thea Dorn das Idealbild der Sendung nach ihren Vorstellungen. Die 49-Jährige moderiert am Freitag, 6. März, das erste Mal „Das Literarische Quartett“ (23.00 Uhr, ZDF) und soll frischen Wind in das etwas angestaubte Traditionsformat bringen. Allerdings wechselt nicht nur der Kopf der Literatursendung, auch die Gesprächskultur ändert sich.

„Das Ausscheiden von Christine Westermann und Volker Weidermann am Ende des vergangenen Jahres haben wir zum Anlass genommen, noch einmal grundsätzlich über die Frage nachzudenken, wie eine Quartettrunde beschaffen sein muss, mit der man regelmäßig und in gleichbleibend hoher Qualität über Literatur sprechen kann“, sagt der ZDF-Redaktionsleiter „Kultur Berlin“, Daniel Fiedler, über die Hintergründe der Umstrukturierung. Von den ehemals drei ständigen Kritikern, Christine Westermann, Volker Weidermann und Thea Dorn, ist nur letztgenannte als neue Gastgeberin übriggeblieben und übernimmt ein modernisiertes Konzept.

Willkommen im Literatur-Salon

Laut Dorn würde sich die Sendung vom „Prinzip des Großkritiker-Terzetts verabschieden und es durch das Prinzip ersetzen, jeweils ein spannend komponiertes Trio aus klugen, leselustigen, meinungs- und diskutierfreudigen Gästen einzuladen“. Der Weg führt also weg von der klassischen Kritikerrunde der Vergangenheit, hin zu einem Lesezirkel beziehungsweise Salon, in dem diverse Gäste nicht nur über Literatur, sondern auch über die Gesellschaft, der diese entstammt, lebhaft diskutieren sollen. Deshalb weicht das ehemalige Drei-Plus-Eins-Modell mit drei festen Kritikern und einem Gast, einem umgedrehten Eins-Plus-Drei-Modell, welches die diversen Lesererwartungen und Lesehaltungen der heutigen Zeit spiegeln soll. „Die Auswahl der Bücher wird stärker einer Dramaturgie folgen als bislang, dennoch wollen wir an dem bewährten Prinzip festhalten, dass jedes Buch, das im 'Quartett' besprochen wird, einen Paten hat, der bereit ist, für 'sein' Buch mit Verve in den Ring zu steigen“, unterstreicht Dorn. Dabei soll es sich ausdrücklich nicht nur um Autoren oder Publizisten handeln, sondern auch um Künstler, Schauspieler oder Politiker, die bestmöglich zu den vorgestellten Büchern passen.

Am grundlegenden Erfolgsrezept der Literatursendung wird hingegen nicht gerüttelt, stellt Fiedler klar: „Wir bleiben bei dem bewährten Modell, vier Bücher, vier Gesprächsteilnehmer, keine Einspielfilme, in der Regel auch keine Einigkeit.“ Wie viel Einigkeit unter den Gästen der ersten Sendung, der Radiojournalistin und Autorin Marion Brasch, dem Publizisten und Verleger Jakob Augstein und der österreichischen Bestsellerautorin Vea Kaiser herrscht, wird sich zeigen.

Extrakoffer voller Bücher

Und, nur weil sich vieles ändert, heißt das ja nicht, dass man sich nicht an Altbewährtem orientieren kann. In seinen Lebenserinnerungen beschrieb Altmeister Marcel Reich-Ranicki, der die Literatursendung von 1988 bis 2001 moderierte, seine Funktion im „Literarischen Quartett folgendermaßen: “Gesprächsleiter sein und zugleich einer der vier Diskutanten". Nach dieser Maxime möchte auch Thea Dorn ihre neue Aufgabe angehen.

Dabei will die Schriftstellerin ihre Begeisterung für die Literatur sowohl auf Bücherwürmer, als auch auf Lesemuffel übertragen. „Schon als ich auf die Grundschule ging, hatte ich in jedem Urlaub einen Extrakoffer dabei, in den durften nur Bücher gepackt werden“, verrät Thea Dorn. Die Literatur, ja sogar das Bücherlesen insgesamt hat schon bessere Zeiten erlebt. Für sie ist das jedoch mehr Herausforderung als Grund zur Resignation: „Ich werde die Literatur als Quelle für Inspiration, Erkenntnis, Trost und Vergnügen niemals abschreiben.“

teleschau

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