Wenn Träume als Wahnsinn gelten

Die Frau im Mond - Erinnerung an die Liebe

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In Büchern findet Gabrielle (Marion Cotillard) die Leidenschaft, die sie im Leben schmerzlich vermisst.

Marion Cotillard sucht in „Die Frau im Mond - Erinnerung an die Liebe“ nach selbstbestimmter Erfüllung ihrer brennenden Liebesleidenschaft.

Offen und intensiv möchte Gabrielle ihre sexuelle Lust und Liebesleidenschaft leben. Doch damit stößt die Hauptfigur des Dramas „Die Frau im Mond - Erinnerung an die Liebe“ (2016) Anfang der 40er-Jahre auf Unverständnis. Mit ihrer brennenden Sehnsucht wird sie sogar für verrückt erklärt. Die Regisseurin Nicole Garcia greift in ihrer freien Adaption des Bestellers von Milena Agus den Kern der Geschichte heraus und erzählt nun auch auf DVD, Blu-ray Disc und als VoD von einer nicht alltäglichen Frau - gespielt von Marion Cotillard.

Was sie vom Leben erwartet, das wusste die junge Gabrielle schon ganz früh. Sie spürte ein Feuer in sich, eine intensive Sexualität, die zu leben sie als „die Hauptsache“ für sich definierte. Was andere davon halten, kümmerte sie nicht. Auf der Suche nach Erfüllung deutet Gabrielle allerdings Zeichen falsch und wirft sich einem Mann an den Hals, der kein Interesse hat. Ihre Familie droht mit Psychiatrie, sollte sie nicht eine Ehe mit dem Saisonarbeiter José (Alex Brendemühl) eingehen. Gabrielle macht diesem nach dem Jawort aber deutlich klar, dass er keinen Beischlaf und keine Liebe erwarten dürfe, nicht jetzt und in Zukunft.

Wie betäubt lebt sie dahin. Die schönsten Landschaften der Provence, die Nicole Garcia hier stimmungsvoll in Szene setzt, und auch das Zusammensein mit ihrem rücksichtsvollen Gatten, geben ihr nichts. Erst als sie zur Behandlung wegen ihrer Nierensteine in ein Sanatorium in eine raue Berglandschaft geschickt wird, scheint ihr das Leben noch mal eine Chance auf das erhoffte Glück zu geben. Ein im Indochina-Krieg verwunderter Leutnant mit dem romantischen Namen André Sauvage (Louis Garrel) kann und will ihr das geben, nach dem sie sich seit Jahren verzehrt.

Gabrielle bleibt bis zum Ende des Films eine sperrige Person, die wenig Mitgefühl im Zuschauer weckt. So zentriert in ihrem eigenen Verlangen, scheint sie für die Welt und andere Menschen um sie herum keine Gefühle übrig zu haben. Sie lebt „ver-rückt“ - wie weit entfernt wie auf dem Mond. Ohne es zu merken wird das Publikum dennoch in diese Welt hineingezogen, und genau das macht den letztjährigen Cannes-Wettbewerber so interessant. Auch wenn die sonst so brillante Marion Cotillard die besondere Persönlichkeit ihrer Figur zwischen Naivität, wilder Lust und romanhafter Leidenschaft nicht so recht vermitteln kann, lohnt sich die bewegende Geschichte aufgrund eines raffinierten Twists allemal.

tsch

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