American Horror Story: Freak Show

Fauler Zauber

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Twisty (John Carroll) der Clown fällt in "Freak Show" etwas aus der Reihe, sorgt aber für einige der schaurigsten Momente in der vierten Staffel von "American Horror Story".

Nicht gerade geschmackvoll, aber stylisch wie eh und je: In "Freak Show" spielen die Macher von "American Horror Story" mit der Faszination des Abstoßenden.

Siamesische Zwillinge, eine Frau ohne Arme, ein "Vogelmädchen" und ein Mann ohne Unterleib: Mit "Freaks", einer grausigen Hommage an das düsterste Kapitel der amerikanischen Schaustellergeschichte, brachte Regie-Legende Tod Browning ("Dracula") 1932 einen echten Schocker auf die Leinwand. Eine solche Ansammlung von Missbildungen und entstellten Menschen konnten große Teile des Publikums schlicht nicht ertragen. Die vierte Staffel der populären Grusel-Anthologie "American Horror Story", nun auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich, möchte denselben faulen Zauber erwecken wie einst Browning. Vorhang auf für die "Freak Show"!

Tatsächlich scheinen Brownings "Freaks" eine der Hauptinspirationen für die "AHS"-Schöpfer Ryan Murphy und Brad Falchuk gewesen zu sein. Einige ihrer Figuren wurden quasi eins zu eins aus dem fast in Vergessenheit geratenen Kultstreifen aus den 30-ern übernommen. Da sind etwa die beiden degenerierten "Pinheads", es gibt eine bärtige Frau und auch hier einen "lebenden Torso". Kleinwüchsige sowieso. Diese und andere "Kuriositäten" finden sich 1952 in einer der letzten amerikanischen Freak-Shows wieder, die gerade in Jupiter, Florida, gastiert und ums Überleben kämpft.

Murphy und Falchuk haben für ihre Serie einige Darsteller rekrutiert, die wirklich unter schweren Fehlbildungen leiden - wie damals schon Browning. Das erzeugt Authentizität, darf aber auch als geschmacklos empfunden werden. Denn selbst wenn man die "Freaks" immer wieder Sätze aufsagen lässt wie "Wir sind ganz normale Menschen": Sie werden eben doch erstmal vor den "AHS"-Karren gespannt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Was im Übrigen vorzüglich geklappt hat - die 15 Episoden fuhren beim US-Sender Fox eine Traumquote nach der anderen ein.

Dass man - Moral hin oder her - von der "Freak Show" gut unterhalten wird, lässt sich auch nicht bestreiten. So richtig schaurig wie in den ersten drei Staffeln, als es um ein Horrorhaus, ein Sanatorium und einen Hexenzirkel ging, ist die vierte Staffel allerdings nicht. Eher sehr schräg. Aber natürlich wieder höchst stylisch und blutig in Szene gesetzt. Die prominente Besetzung macht dann endgültig wieder ein Fest für "AHS"-Fans draus. Die stärkste Leistung liefert dabei Jessica Lange ab, der auch die interessanteste Rolle zufällt: Als undurchsichtige "Freak Show"-Mama Elsa Mars hält sie die faszinierend abstoßende Truppe zusammen. Sie gibt ihren "Monstern" ein Zuhause und bietet ihnen Schutz. Auch dann noch, als es in Jupiter zu einigen grausamen Morden kommt ...

Für Lange, bis dahin eines der Aushängeschilder der Serie, ist "Freak Show" übrigens der vorerst letzte "AHS"-Auftritt. Dafür trumpft die fünfte Staffel mit einem anderen namhaften Star auf, der sich womöglich auch schon im Kreise der Freaks gut gemacht hätte: Lady Gaga spielt in "Hotel" (verfügbar als Video-on-Demand) mit, erhielt dafür zuletzt sogar einen Golden Globe als beste Schauspielerin in einer Serie.

"American Horror Story: Freak Show" ist auch als Video-on-Demand erhältlich.

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