„Explosiv - Das Magazin“ feiert Geburtstag

Ein schwangerer Mann, wütende Gamer und der Papst

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Nazan Eckes moderiert seit 2005 „RTL Explosiv“.

Deutschlands erstes Boulevardmagazin feiert Geburtstag: In 25 Jahren gab es für „Explosiv - das Magazin“ aber natürlich Höhen und Tiefen - unter anderem drohte das Hackerkollektiv Anonymous der Sendung 2011 mit „Konsequenzen“.

„Guten Abend, mein Name ist Barbara Eligmann“, hieß es am 11. Mai 1992 zum ersten Mal auf RTL. Deutschlands erstes Boulevardmagazin war geboren. Über 6.000 Beiträge später feiert „Explosiv - das Magazin“ nun seinen 25. Geburtstag. Um das Jubiläum am Donnerstag, 11. Mai, 18 Uhr, gebührend zu würdigen, kehrt Hauptmoderatorin Nazan Eckes an diesem Tag sogar kurzzeitig aus ihrer halbjährigen Babypause zurück: „Ich habe die Zeit zu Hause sehr genossen. Aber da ich meinen Job sehr liebe und meine Arbeitskollegen auch vermisse, freue ich mich auch sehr darauf, dann bald wieder bei 'Explosiv' am Start zu sein.“ Ab 22. Mai moderiert die 40-Jährige wieder regulär. Außerdem beim Jubiläum mit dabei: Moderatorin Barbara Eligmann und Frauke Ludowig, die als Reporterin bei „Explosiv“ startete, bevor sich 1994 daraus das Starmagazin „Exclusiv“ entwickelte.

Ein Besuch beim einzigen Nasenleser der Welt, eine Audienz des damaligen Moderators Markus Lanz bei Papst Johannes Paul II., ein Interview mit Thomas Beatie, dem ersten schwangeren Mann, ein Bericht aus der geschlossenen Psychiatrie sowie der ganz und gar ungeschminkte Auftritt einer Moderatorin: so sehen sie aus, die Highlights in der Historie von „Explosiv - das Magazin“. Man kann wohl sagen, dass es in 25 Jahren so gut wie nichts gab, was es nicht gab. Die Themen und auch die Erzählweise haben sich in den letzten Jahrzehnten aber weiterentwickelt. „RTL Explosiv“, wie das Programm meist genannt wird, ist inzwischen auf Facebook vertreten und im ständigen Dialog mit den Usern, Nazan Eckes ist längst nicht mehr nur Moderatorin, sondern selbst ein VIP mit erfolgreichem Instagram-Account - die 40-Jährige hat über 75.000 Follower.

Die Grundzüge des Formats aber sind gleichgeblieben: „Die rund 34 Reporter und Redakteure von 'Explosiv' bieten täglich eine halbe Stunde und am Wochenende eine Stunde lang spannende Reportagen, bewegende Schicksale und ungewöhnliche Einblicke. Tag für Tag treten sie für die Live-Sendung gemeinsam den Wettlauf gegen die Zeit an“, so schön beschreibt RTL, worum es bei der Sendung bis heute gehen soll. Moderatorin Nazan Eckes, setzt noch einen drauf: „Wir fragen uns nach wie vor täglich: Welche Themen bewegen die Zuschauer und wie können wir diese Themen einzigartig präsentieren? Wir wollen ihnen immer wieder diesen 'Ahhh'-Effekt bieten und außergewöhnliche Menschen und ihre Schicksale nicht nur aus der Ferne darstellen, sondern aus nächster Nähe.“ Sie betont, die Sendung sei dabei immer mit der Zeit gegangen: „Sie hat sich immer wieder neu erfunden, formal wie inhaltlich.“

Das ging wohl auch deshalb so gut, weil beim Privatfernsehen - vor allem in der Anfangszeit - viele der Akteure wesentlich freier agieren konnten als bei den Öffentlich-Rechtlichen. Es herrschte eine ganz besondere Aufbruchstimmung seinerzeit. Daran erinnerte sich auch „Extra“-Moderatorin Birgit Schrowange in einem Interview. Über ihre Anfangstage bei RTL 1994 sagte sie der Agentur nordbuzz: „Beim ZDF waren die Damen hochgeschlossen, die Herren grau meliert, und alles war so distinguiert auf den langen Gängen in Mainz. Auf einmal landete ich in diesem jungen, verrückten Haufen bei RTL, überall hippe, motivierte Leute, alle Türen standen offen.“

Doch es braucht mehr als ein gutes Gefühl. Gefragt sind Fakten, Fakten, Fakten, und eine Boulevard-Sendung kommt in so einer langen Zeit selbstverständlich nicht ohne mindestens einen handfesten Skandal aus. 2011 berichtete das Magazin über die „Gamescom“, die weltgrößte Messe für Computerspiele. Im Beitrag wurden die Besucher der Videospielmesse wie folgt beschrieben: „Wenn sie nicht abstrus verkleidet sind, tragen sie Schlabber-Look, stinken und haben keine Freundin ...“ - Was von den Machern „lustig gemeint“ war, sorgte bei Gamern im Lande für Empörung. Sie ließen ihrer Wut über die platte Berichterstattung in sozialen Netzwerken, in Internetforen und auf Programmbeschwerde.de freien Lauf. Beim offiziellen Bürgerportal der Landesmedienanstalten gingen über 8.000 Beschwerden ein und überforderten das Personal. Anonymous drohte mit „Konsequenzen“ und rief zu einem Boykott von RTL auf. „Ihre Darstellung der Gamer-Community ist eine bodenlose Frechheit“, so ein Sprecher des Hackerkollektivs. Die Kölner zeigten sich reumütig und entschuldigten sich in einer offenen Stellungnahme: „Die Verallgemeinerung und Überzeichnung des Beitrags war ein Fehler. Wenn wir damit Gefühle verletzt haben sollten, entschuldigen wir uns ausdrücklich dafür.“

Geschadet hat es der Sendung wohl nicht, die Zuschauer schalten immer noch ein, obwohl die Zahlen heutzutage durchaus besser sein könnten. Maue acht Prozent Marktanteil erreichte das Programm im Schnitt die letzte April-Woche. Doch Trübsal blasen will man beim Sender nicht. Nazan Eckes, die seit 2005 dabei ist, und im Wechsel mit Elena Bruhn (seit 2013), Miriam Lange (seit 2015) und Sandra Kuhn (seit 2017) moderiert, betont: „Wir sind stolz, dass sich die Zuschauer in all den Jahren immer wieder für uns entschieden haben. Von daher lassen wir uns in der Jubiläumsausgabe auch etwas Besonderes einfallen.“

tsch

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