Am 4., 5. und 11. Juni im Ersten

„Sherlock“: Staffel vier riecht ein bisschen nach Abschied

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Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch, links) und Dr. Watson (Martin Freeman) sind zurück. Drei neue Fälle stehen auf dem Programm - sie haben es allesamt in sich.

Schneller, schlauer, Sherlock: Die Macher des BBC-Hits treiben es inhaltlich und stilistisch in Staffel vier auf die Spitze. Riecht ein bisschen nach Abschied.

Nur gut, dass der Brexit keine Auswirkungen auf den Festlandexport britischer Serienware hat. Nicht auszudenken, die deutschen „Sherlock“-Fans müssten nach drei Jahren Wartezeit ein weiteres Pfingstfest ohne neue Abenteuer des von der BBC in die Jetztzeit gebeamten Conan-Doyle-Detektivs verbringen. Die Wut der „Cumberbitches“, wie sich die Fans des Holmes-Darstellers Benedict Cumberbatch auch hierzulande titulieren, hätte man dem fragilen EU-Gebilde nicht zumuten mögen. Nun aber sind sie gottlob wieder da, der soziopathische Turbodenker und sein leidgeprüfter Adlatus, in drei neuen 90-Minütern, die das Erste am 4., 5. und 11. Juni jeweils um 21.45 Uhr zeigt. Stilistisch und visuell ist es einmal mehr eine eigene Liga. Aber wie alle, die der Konkurrenz enteilt sind, werden auch die Serien-Macher Mark Gatiss und Steven Moffat inzwischen ein bisschen übermütig.

Es ist anspruchsvoll nachzuvollziehen und beinahe unmöglich nachzuerzählen, was in den drei neuen, lose an Originalmotiven orientierten Geschichten im Stakkato auf den Zuschauer einprasselt. Vor- und Rückblenden, surreale Visionen, fatale Explosionen, und ständig kehrt irgendein Totgeglaubter wundersam auf die Bildfläche zurück. In imposanten Fantasiekulissen erlebt man Sherlock Holmes meistens im Drogenrausch und seinen loyalen Partner Dr. John Watson (Martin Freeman) als gramgebeugten, sorgenvollen Familienmenschen. Als hätten es junge Väter nicht eh schon schwer genug.

In „Sherlock - Die sechs Thatchers“ (Sonntag, 4. Juni, 21.45 Uhr), der achterbahngleichen Auftaktfolge der nunmehr vierten Serienstaffel, steht Watsons junges Familienglück sogleich auf dem Spiel. Während sich Holmes in den kuriosen Fall einer Serie zertrümmerter Margaret-Thatcher-Statuetten verbeißt, wird Watsons Gattin, die Ex-Agentin und frischgebackene Mutter Mary (Amanda Abbington), von ihrer gefahrvollen Vergangenheit eingeholt.

Das Mittelstück der neuen Staffel, „Der lügende Detektiv“ (Montag, 5. Juni, 21.45 Uhr), dominiert dann der Charakterkopf Toby Jones („Die Tribute von Panem“) als psychopathischer Geschäftsmann und Schein-Philanthrop Culverton Smith. Im furiosen Finale, „Das letzte Problem“ (Sonntag, 11. Juni, 21.45 Uhr), wartet schließlich ein noch genialerer und bösartigerer Gegenspieler auf den Londoner Meisterdetektiv. Zu viel darf man nicht verraten, dies aber doch: Holmes bekommt es mit Widerstand aus der eigenen Familie zu tun. Und damit ist nicht sein hassgeliebter Bruder Mycroft gemeint, dem Mark Gatiss als Autor, Serienproduzent und Darsteller in Personalunion rekordverdächtig viel Präsenz zugesteht.

Erzähltempo, Schnittfrequenz und Wendungsreichtum stehen bei all dem beständig auf Anschlag. „Mein Gehirn ist zu schnell, ich habe Probleme zu folgen“, stöhnt Sherlock einmal, und man möchte sofort mitstöhnen. Wenn schon das deduktive Genie seiner eigenen Kombinationsgabe nicht mehr folgen kann, wie sollen es erst wir Normalsterblichen vor dem Fernseher können?

In diesem Sinne erinnert der „Sherlock“ der vierten Staffelgeneration an eine Fußballmannschaft, die ihren Gegner mit Kurzpässen schwindelig spielt und auf der Torlinie noch mal keck zurücklegt, um den Ball anschließend mit der Hacke durch die Beine des Schlussmanns zu versenken. Es ist durchweg brillant. Und auch ein bisschen arrogant. So wie der Titelheld ja auch.

Was sich die Macher mit Personal wie diesem fraglos leisten können. Benedict Cumberbatch ist offenbar der erotischste Brite seit Jarvis Cocker und Martin Freeman der weltweit einzige Sidekick mit Superstarqualitäten. Drei Jahre Wartezeit zwischen der dritten und der vierten Staffel - überbrückt nur durch ein Intermezzo in historischem Gewand („Die Braut des Grauens“, 2016) - sprechen Bände darüber, wie schwer es inzwischen ist, die gut gebuchten Kinoschauspieler gemeinsam ans Serienset zu bekommen.

Ob es überhaupt noch mal eine weitere Staffel geben wird, da der neue Dreiakter in ein fast schon rührselig-melodramatisches Finale mündet, das schwer nach Abschied schmeckt? Mark Gatiss kommentiert es vage: „Vieles von dem, was wir seit langer Zeit geplant hatten, konnten wir hoffentlich sehr zufriedenstellend verwirklichen. Das heißt nicht, dass dies unbedingt der endgültige Höhepunkt ist, aber es könnte sein - wer weiß?“

tsch

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