Serien-Neuauflagen von „Krieg der Welten“

Die Endzeit - von 1898 bis heute

2005 verfilmte Steven Spielberg „Krieg der Welten“ mit Tom Cruise und der noch kindlichen Dakota Fanning in den Hauptrollen. Der sehr düstere Film des Blockbuster-Meisters gilt als Reaktion auf die Terror-Anschläge von 9/11.
+
2005 verfilmte Steven Spielberg „Krieg der Welten“ mit Tom Cruise und der noch kindlichen Dakota Fanning in den Hauptrollen. Der sehr düstere Film des Blockbuster-Meisters gilt als Reaktion auf die Terror-Anschläge von 9/11.

H.G. Wells' 1898 erschienener Roman „Der Krieg der Welten“ gilt als Mutter aller SciFi-Dystopien. Nun erscheinen gleich zwei europäische Serienadaptionen des Klassikers dessen filmische Bearbeitungen fast immer Ängste und Zeitgeist jener Jahre spiegelten, in denen sie entstanden.

Dass in der neuen Fox-Serie „Krieg der Welten“ (ab Mittwoch, ab 6. November, 21 Uhr, vier Doppelfolgen) ausgerechnet ein Flüchtling im Stahltank eines LKW den Angriff der Außerirdischen überlebt, weil metallene Hüllen den menschliche Zellen zerstörenden Angriff der bösartigen Fremden abblocken, ist wohl kein Zufall. Auch im weiteren Verlauf der Handlung spielt jener afrikanische Flüchtling, der sich aus dem Eurotunnel von Frankreich ins ebenso verwüstete, mit Leichen gespickte London rettet, eine Rolle als rastlos Herumirrender.

Auch die anderen Figuren, bei denen die Altstars Gabriel Byrne („In Treatment - Der Therapeut“) und Elisabeth McGovern aus dem Cast hervorstechen, suchen nach ihrer alten oder einer neuen Heimat. Die neue Serienbearbeitung des klassischen H.G. Wells-Stoffes, die Fox in Zusammenarbeit mit dem französischen Canal+ inszenierte, spielt in Europa und erzählt in ruhigen, klaustrophobischen Bilder von Verlustängsten, die man durchaus gesellschaftlich interpretieren kann: Wird das Morgen noch so wie heute sein? Die subtile Angst, dass es eher anders kommt, durchzieht das TV-Werk von BAFTA-Gewinner Howard Overman („Misfits“).

Derweil gibt sich die britische BBC, wohl der natürlichste Partner des altenglischen Stoffes, lieber dem Eskapismus hin. Als dreiteilige Miniserie „The War of The Worlds“ lief die tatsächlich erste britische TV-Adaption des Buches im Oktober bereits in Kanada. Ende des Jahres soll sie den Briten im BBC-Fernsehen selbst Angst und Schrecken einjagen. Einen deutschen Sender oder Ausstrahlungstermin gibt es allerdings noch nicht. Das Besondere an der BBC-Version: Sie spielt tatsächlich in der Zeit der Romanveröffentlichung, also um die vorletzte Jahrhundertwende. Mit Kanonen schießt das aufkommende Industriezeitalter dann auf jene dreibeinigen Monster, die unsere (alte) Welt in Schutt und Asche versetzen wollen.

Hilfreiche Bakterien und Country-Jodel-Songs

Am besten funktionierte der Klassiker allerdings immer dann, wenn sich aktuelle gesellschaftliche Ängste in der Handlung wiederfanden, die ja dadurch geprägt ist, dass die Außerirdischen keinerlei Kontakt oder Dialog, sondern eben nur das Ausrotten der Menschheit im Sinn haben. Berühmt ist Orson Welles Hörspiel-Version vom Halloween-Abend 1938, die - weil sie teils mit einer echten Reportage verwechselt wurde - zu einer Massenpanik geführt haben soll. Eine klassische Fake News-Anekdote, deren Wahrheitsgehalt oder besser Wirkungsmacht aber wohl nicht so gewaltig war, wie sie im Nachhinein gemacht wurde.

Als erste relevante Leinwandversion gilt die amerikanische Verfilmung von 1953 (Regie: Byron Haskin). In einem typischen 50er-Jahre B-Movie darf sich amerikanisches Heldentum und natürlich die damalige Angst vor einer kommunistischen Invasion breitmachen. Die bislang aufwendigste Umsetzung dürfte indes Steven Spielbergs Film „Krieg der Welten“ mit Tom Cruise aus dem Jahr 2005 darstellen. Auch hier - unabdingbar für die „American Angst“ des Publikums - werden selbstredend die USA angegriffen. Kritiker sehen Spielbergs vielleicht düsterstes Science Fiction-Werk als zum Film gewordenen Versuch, ein persönliches und nationales Trauma infolge der Anschläge vom 11. September 2001 zu bearbeiten.

Letztlich darf eine Satire in der Aufzählung wichtiger „War of the Worlds“-Bearbeitungen nicht fehlen. Tim Burtons „Mars Attacks!“ von 1996 entstand fünf Jahre vor 9/11 und ist immer noch eine lustige Parodie auf Politik, Katastrophenfilme und amerikanischen Patriotismus. Nicht uninteressant ist auch die Lösung, wie sich die technisch den Fremden hoffnungslos unterlegenen Menschen der Aliens entledigen. Die siegreiche „Waffen“ werden eher zufällig entdeckt und haben mit der geistigen Schaffenskraft der Menschheit nichts zu tun.

In H.G. Wells' Original sterben die Marsianer (die in den heutigen Serienadaptionen natürlich von weiter draußen aus dem All kommen) an primitiven Bakterien, gegen die ihr Immunsystem keine Abwehrkräfte besitzt. In Tim Burtons Satire bringt gar ein Country-Jodel-Song die Gehirne der fremden Aggressoren zum Platzen. Ob man sich - am Ende - immer auf solch simple Lösungen zur Rettung der Menschheit verlassen darf, werden die beiden neuen TV-Adaptionen zeigen.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare