Der Zürich-Krimi: Borcherts Fall (Neue Reihe:) - Do. 28.04 - ARD: 20.15 Uhr

Endlich, die Schwermut

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Endlich "hard boiled": Christian Kohlund im ersten Fall des um ihn gestrickten "Zürich-Krimis".

Routinierte Krimikost mit reifem, gebrochenen Helden über den Nebeln des Zürichsees. Christian Kohlund gibt eine Eidgenossen-Variante von Philip Marlowe.

Image-Relaunch für Christian Kohlund: In "Der Zürich-Krimi: Borcherts Fall" darf der ehemalige "Schwarzwaldklinik"-Recke und "Traumhotel"-Vorsteher endlich mal so schwermütig aus der Wäsche schauen, wie sich der 65 Jahre alte Schauspieler im Innern seines Herzens wohl schon ewig fühlt. In der neuen ARD-Reihe spielt Kohlund den Anwalt Thomas Borchert. Nach privaten Katastrophen und dunklen beruflichen Verfehlungen ist er in seine Heimatstadt Zürich zurückkehrt. Dort gilt es, die eigene Vergangenheit aufzuräumen, aber auch bei der Lösung plötzlich auftretender Kriminalfälle zu helfen. Einsatz Nummer zwei, "Der Zürich Krimi: Borcherts Abrechnung", folgt eine Woche später: am Donnerstag, 05.05., um 20.15 Uhr, im Ersten.

Der groß gewachsene, ältere Mann, der da mit grimmiger Miene durch die Schweizer Metropole stapft, ist ein gebrochener. Lange Jahre lebte er im Ausland. Eine Familie hat er nicht (mehr) an seiner Seite, dafür aber einen Prozess und zerstörten Ruf an den müden Hacken. Borcherts alter Arbeitgeber, der FonSonic-Konzern, "outete" Borchert als Sündenbock eines Bestechungsskandals in Südamerika. Die Entlassung ist längst ausgesprochen, doch der Jurist soll auch rechtlich in Deutschland belangt werden. Sich in die alte Heimat abzusetzen, war deshalb auch eine Art Flucht. Orte und Weggefährten der eigenen Jugend sind Borchert allerdings fremd geworden. Freunde, wie Starjurist Reto Zanger (Robert Hunger-Bühler), veränderten sich nicht gerade zu ihrem Vorteil. Viele Etablierte in dieser Stadt des Geldes und der Saturiertheit opferten ihre Ideale einem gut gefüllten Konto, wie es scheint. Konten, die ihnen schöne Wohnstätten und teure Designermöbel bescherten.

Nur Borchert hat sich von derlei Objekten des Mammons zurückgezogen, lebt in einem Wohnwagen und hilft - wenn er nicht gerade in einer Bar trinkt - hilflosen, jungen Frauen mit Migrationshintergrund. Zum Beispiel einer, die beim Klauen auf dem Markt erwischt wurde. Hinter dem Fall der philippinischen Hausangestellten Amihan Singh (Kotti Yun) offenbart sich bald ein größeres Geheimnis. Die Frau entführte den kleinen Adoptivsohn ihres Arbeitsgebers, eines wohlhabenden Ehepaares (Michael Lott, Valentina Sauca). Borchert und Dominique Kuster (Katrin Bauerfeind), idealistische Junganwältin und Tochter Reto Zangers, sind entschlossen, der verzweifelten Frau helfen. Doch was hatte es mit ihrer seltsamen Entführung auf sich? Und warum scheinen viele alte Freunde Borcherts und deren Bekannte aus der feinen Züricher Gesellschaft eigene Interessen in diesem Fall zu verfolgen?

Die österreichische Autorin Verena Kurth schrieb in den letzten Jahren zwei Episoden des Wiener "Tatorts" ("Gier" und "Zwischen den Fronten"). Davor war sie jedoch auch schon für die Schmonzetten-Reihe "Lilly Schönauer" aktiv. Etwa in der Mitte liegt nun diese Arbeit. Kurths detektivischer Anwalt ist eine Art Philipp Marlowe von Zürich: gebrochen und verbraucht, desillusioniert und einsam - aber mit einem kämpferischen Gerechtigkeitssinn ausgestattet.

Die Bilder des Regisseurs Matthias Steurer ("Immer wieder anders", "Kleine Schiffe") schwanken zwischen dunklen Zürich-Postkarten und Krimiroutine. Dazu heften sie sich stets an den breiten Rücken ihres schwermütigen Helden, der diese neue Reihe gekonnt trägt. Während der Fall etwas zäh abgewickelt wird, würde man vom gealterten, ehemaligen Frauenschwarm Kohlund gern noch mehr sehen. Bereits eine Woche später hat man mit "Borcherts Abrechnung" Gelegenheit dazu. Katrin Bauerfeind spielte die Rolle der idealistischen Anwältin Dominique Kuster nur im ersten Film, danach wird sie durch Ina Paule Klink ersetzt, die dieselbe Figur verkörpert.

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