AfD-Politiker Björn Höcke im ZDF

„Ein Stück jüngerer Fernsehgeschichte“: Heftige Kontroversen nach Interviewabbruch

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Der AfD-Politiker Björn Höcke und sein Sprecher brachen ein Interview für die ZDF-Sendung „Berlin direkt“ ab. Die Fragen hätten Höcke „stark emotionalisiert“.

Knapp zehn Minuten hatte das Gespräch vor laufender Kamera gedauert, dann kam es zu einem plötzlichen Ende: Der AfD-Spitzenpolitiker Björn Höcke und sein Sprecher Günther Lachmann brachen ein ZDF-Interview für die Sendung „Berlin direkt“ ab.

Das ZDF veröffentlichte im Nachhinein sowohl das knapp 17-minütige Original-Video in ganzer Länge als auch eine komplett verschriftete Version des Interviews. Die überaus kontroversen Reaktionen darauf überschlagen sich nun auch im Netz.

Der Journalist Simon Hurtz beispielsweise forderte auf Twitter: „Dieses ZDF-Interview mit Björn Höcke sollte ab morgen fester Bestandteil des Lehrplans in allen Journalistenschulen sein.“ Der SPD-Politiker Karl Lauterbach schrieb: „Jeder, der sich ein Bild machen möchte, wie gefährlich Höcke als Parteilenker der AfD ist, sollte sich dieses Interview ansehen. Er stilisiert sich als Medienopfer, seine Sprache spielt aber immer wieder gezielt mit der Rhetorik aus Hitlers 'Mein Kampf.“

Der „Tagesspiegel“ kommentiert den Interviewabbruch so: „Ein konfrontatives Interview im ZDF endet so, wie es Björn Höcke passen dürfte: mit dem, was man Eklat nennt. Er kann das Opfer geben, die Stimme der Vernunft - und unverhohlen einem Journalisten drohen.“ Und auch der Journalist Karsten Heyde äußerte amüsiert: „Wenn die Fragen nicht passen ... dann wird das Interview abgebrochen und massiv gedroht. Ein Stück jüngerer Fernsehgeschichte. Und Kompliment an das ZDF, dass das nicht im Giftschrank gelandet ist.“

Der ZDF-Journalist hatte den Politiker am Anfang des Interviews mit kurzen Videos konfrontiert, in denen er AfD-Abgeordneten Zitate aus Höckes Buch vorlegte und sie fragte, ob diese von Höcke seien oder aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ stammen. Im Anschluss drehte sich das Gespräch um Höckes Sprache und etwaige Parallelen zur NS-Zeit. Nach zehn Minuten mischte sich dann der Sprecher ein. „Das geht so nicht“, erläuterte Lachmann. „Sie haben jetzt Herrn Höcke mit Fragen konfrontiert, die ihn stark emotionalisiert haben, und diese Emotionen sollte man so nicht im Fernsehen bringen. Man sollte es noch mal von vorne machen. Er weiß dann ungefähr, zu welchen Fragen er sich äußern muss.“

„Dann haben wir ein manifestes Problem“

Diese Forderung wies der Interviewer allerdings ab: „Da kommen wir jetzt auch in den sensiblen Bereich der Pressefreiheit rein, in dem Moment, wo ich die Fragen so oft stellen soll, bis Sie mit den Antworten zufrieden sind.“ Es folgte eine Diskussion über die vorab angekündigten Themen des Interviews, die wohl nicht klar kommuniziert wurden. Auf den Vorschlag des Journalisten, das Gespräch zu beenden, antwortete Höcke: „Passen Sie auf, dann haben wir ein manifestes Problem, und dann wird das entsprechende Konsequenzen haben. Ich kann Ihnen sagen, dass das massive Konsequenzen hat.“

Weiter erklärte Lachmann: „Der Herr Höcke kommt gerade, wie gesagt, aus einer fünfstündigen Gerichtsverhandlung. Er ist auf diese Fragen, auf diese Form des Interviews nicht vorbereitet gewesen. Er weiß aber jetzt, was auf ihn zukommt. Lassen Sie uns das Ganze einfach noch mal starten.“ Da der Reporter dies jedoch ablehnte, kam es zum Ende des Wortwechsels. Zum Schluss betonte Höcke gegenüber dem ZDF-Mann, dass es „mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird.“ Allerdings sei dies keine Drohung: „Das ist nur eine Aussage, weil ich auch nur ein Mensch bin.“

teleschau

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