„Die Rückkehr der Autokinos“

„Ein kleines Gefühl von Musik und Freiheit“: Das große Comeback des Autokinos

Daniel van Haren (links) und Demian Homola besuchen seit vielen Jahren Autokinos, um ihre Oldtimer präsentieren zu können.
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Daniel van Haren (links) und Demian Homola besuchen seit vielen Jahren Autokinos, um ihre Oldtimer präsentieren zu können.

Die bundesweite Schließung von Kinos, Theatern und Freizeiteinrichtungen führte zu einem unerwarteten Comeback: Autokinos sind beliebter denn je. Eine Doku im WDR geht dem Phänomen am Beispiel Nordrhein-Westfalens auf den Grund.

Sie galten als ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit: Autokinos waren noch vor wenigen Monaten akut vom Aussterben bedroht. Doch in Zeiten von Corona und Social Distancing, erleben die verbliebenen Betreiber ein unverhofftes Comeback. „Die Rückkehr der Autokinos“ wird in der gleichnamigen WDR-Dokumentation am Freitag, 10. Juli, um 20.15 Uhr, beleuchtet.

Der Filmemacher Oliver Schwabe hat verschiedene Betreiber in Nordrhein-Westfalen besucht. Das Bundesland im Westen gilt als der Vorreiter der neuen Branche: Vor der Coronakrise gab es dort gerade mal noch zwei Autokinos, eines in Essen und eines in Köln-Porz. Mittlerweile ist die Konkurrenz rasant gewachsen: Binnen zwei Monaten seit der Wiedereröffnung wurden 100 Autokinos genehmigt, Tendenz steigend. Doch was führt zu dieser neuen Faszination? Und wie werden neue Standorte gefunden?

Auf der Suche nach Antworten tauchen Schwabe und sein Team tief in die Geschichte der Branche: Bereits 1933 wurde das erste Drive-In-Kino in der US-amerikanischen Stadt Camden im Bundesstaat New Jersey eröffnet. Knapp dreißig Jahre später schwappte das Phänomen nach Deutschland über. Anfangs skeptisch beäugt, gewann es zunehmend an Popularität, die erst Ende der 1970-er, nach Aufkommen der Heimvideos und dem Start privater Fernsehkanäle, wieder abflaute.

Kulturgenuss vor ungewohnter Kulisse

Nun ist es also zurück - und das in einer nie dagewesenen Form: Ob auf einem Schotterplatz vor einem alten Hochofen in Dortmund oder auf dem Parkplatz des Flughafens Paderborn-Lippstadt - auf jeder erdenklichen Fläche sind die riesigen Leinwände mittlerweile zu finden. Die einzelnen Schritte, vom Aufbau über die Vorstellung bis hin zur Heimfahrt werden in der Doku an verschiedenen Standorten gezeigt.

Doch nicht nur die Betreiber der Kinos sind mit der Entwicklung zufrieden. Auch Event-Manager und Musiker wittern eine unverhoffte Chance, die einmalig in Europa zu sein scheint: „Wir haben das nachher auch mitbekommen von Bekannten: Die haben uns geschrieben: Die haben das in Italien, Spanien und Frankreich in den Nachrichten gesehen“, schwärmt Peter Brings, der mit seiner Kölner Band Brings das allererste Konzert im Autokino spielte.

Inzwischen sind viele Musikerkollegen, ob aus Klassik oder Populärmusik, diesem Beispiel gefolgt, darunter der DJ Alle Farben: „Ich habe mir das anfangs ein bisschen problematischer vorgestellt und ich war auch sehr skeptisch.“ Inzwischen sieht er es anders: „Es ist eine tolle Möglichkeit, den Leuten zumindest ein kleines Gefühl von Musik und Freiheit zu geben.“ Ob und wie lange diese Freiheit nach Corona überlebt, bleibt abzuwarten. Die Betreiber zeigen sich vorsichtig optimistisch.

teleschau

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