Verbote statt Gage

DSDS 2021: Knebel-Verträge – RTL zieht Kandidaten über den Tisch

Für viele Nachwuchs-Musiker ist der DSDS-Sieg ein Traum. Dafür nehmen die Kandidaten einiges in Kauf, denn die RTL-Verträge lassen kaum oder gar keinen Spielraum.

KölnDSDS ist in seine 18. Staffel gestartet. Die populäre RTL-Castingshow wird bereits seit dem Jahr2002 ausgestrahlt und hat schon so manche Sängerinnen und Sänger hervorgebracht, die zumindest zeitweise in den Charts mitgemischt haben. Bis jedoch der „Deutschland sucht den Superstar“-Sieg errungen ist, müssen die Teilnehmer viel Hohn und Spott über sich ergehen lassen. Finanziellen „Schadensersatz“ gibt es nicht.

Castingshow:Deutschland sucht den Superstar
Jahr(e):seit 2002
Länge:ca. 45 bis 220 Minuten
Moderation:Aktuelle Moderatoren: Alexander Klaws
Produktionsunternehmen:UFA Show GmbH, ITV Studios Germany
Sender:RTL Television

DSDS 2021 (RTL): Harte Regeln für Castingshow-Teilnehmer

Alljährlich bewerben sich tausende Hobby-Musiker bei „Deutschland sucht den Superstar“, der größten Castingshow in hiesigen Gefilden. Immer wieder sieht sich die RTL-Jury um DSDS-Urgestein Dieter Bohlen mit vielen kuriosen Auftritten konfrontiert. Und nicht selten bekommen die Teilnehmer, die nur schiefe Töne hervorbringen, einen deftigen Spruch von Bohlen mit auf den Weg gegeben.

Kann gut lachen: DSDS-Juror Dieter Bohlen verdient sich mit der RTL-Castingshow dumm und dämlich. Das trifft auf die „Deutschland sucht den Superstar“-Kandidaten nicht zu. (nordbuzz.de-Montage)

Dies macht DSDS aus und beschert dem RTL-Dauerbrenner nach wie vor große Popularität. Schmerzensgeld gibt es für die zur Schau gestellten Männer und Frauen aber nicht. Das wird durch die Regeln und den entsprechenden „Deutschland sucht den Superstar“-Verträgen deutlich. Denn die Produktionsfirma „UFA Show & Factual“ zeigt sich knallhart und kommt den Kandidaten nur wenig bis gar nicht entgegen.

DSDS 2021 (RTL): Nur der Sieger bekommt 100.000 Euro ausgezahlt – langer Weg durch die Castingshow

So heißt es, dass ein DSDS-Kandidat sämtliche „Urheber- und Vergütungsrechte“ an die Produktion überträgt. Im Klartext: Die Teilnehmer der RTL-Castingshow sehen erstmal keinen müden Cent. Nur der Sieger kann sich über etwas Moneten freuen, es werden 100.000 Euro ausgezahlt. Bis dahin ist es bekanntlich ein weiter Weg und ein Kandidat ist im Rahmen seiner „Deutschland sucht den Superstar“-Teilnahme etliche Male vor der Kamera zu sehen. Die Voraussetzung dafür ist, dass Castings, Recalls und diverse Live-Shows immer wieder erfolgreich überstanden werden.

Doch auch für die bloße DSDS-Teilnahme und die Rechteübertragung an die Produktion erhält ein Kandidat weder Vergütung noch werden Reisekosten erstattet. Zudem besteht kein Anspruch auf Arbeitsausfallgelder. Dies muss ein „Deutschland sucht den Superstar“-Teilnehmer dementsprechend aus eigener Tasche zahlen. Besteht bereits ein Künstlervertrag mit Dritten oder liegt die Absicht vor, solch einen abzuschließen, muss der Vertrag umgehend beendet beziehungsweise das Vorhaben ad acta gelegt werden.

DSDS 2021 (RTL): Vertragsbrüche werden hart geahndet – Kriminelle fliegen raus

Wer bis hierhin dachte, es könnte nicht noch extremer kommen, der irrt sich gewaltig. Denn die DSDS-Verträge erweisen sich als Auflistung beinharter Verbote, die den Kandidaten vieles untersagen. Bis zu einem Monat nach Ausstrahlung der opulenten Final-Show dürfen die Castingshow-Teilnehmer weder Cover- noch eigene Songs veröffentlichen. Andernfalls droht eine knackige Vertragsstrafe, die in Verhältnis zum jeweiligen Einkommen steht.

All die Kandidaten, die der DSDS-Top-10 angehören, unterschreiben in der Regel einen Künstlervertrag mit einer zusätzlichen Künstleragentur. Auch hier sind weitere Auflagen festgelegt. Zudem möchten RTL und die Castingshow-Produktionsfirma „UFA Show & Factual“ quasi eine weiße Weste behalten und fordern Kandidaten dazu auf, offenzulegen, ob strafrechtliche Verfahren oder Verurteilungen vorliegen.

DSDS 2021 (RTL): Ski-Verbot für Kandidaten – Jury-Boss Dieter Bohlen sahnt ab

An dieser Stelle sei an Menowin Fröhlich erinnert. Der Cousin von Rapper Sido nahm im Jahr 2005 an „Deutschland sucht den Superstar“ teil und konnte sich sogar für die Runde der letzten 20 Kandidaten qualifizieren. Dann erfolgte jedoch sein abruptes DSDS-Ende, Fröhlich wurde aufgrund von Betrug und Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von ursprünglich zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Immerhin: Im Jahr 2010 lief es deutlich besser für ihn, der Münchener beendete die RTL-Castingshow als Zweitplatzierter.

Wohl auch, weil Fröhlich keinen Vertragsbruch beging und sich auf die Piste wagte. Denn DSDS-Kandidaten verpflichten sich auch dazu, während der Live-Shows nicht Ski zu fahren oder Motorsport zu betreiben. Das Risiko einer Gesundheitsgefährdung sei schlichtweg zu groß. Über all das wird DSDS-Jury-Boss Dieter Bohlen nur lachen können. Nach dem Rauswurf von Michael Wendler besteht die aktuelle Jury neben dem Poptitan noch aus Maite Kelly und Mike Singer. Der große Zampano bleibt aber Bohlen, der laut Vermögensmagazin stolze 1,2 Millionen Euro pro Staffel verdient. Davon träumt jeder DSDS-Teilnehmer.

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa & imago stock/people & Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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