„Deutschland sucht den Superstar“

DSDS-Aus: RTL-Abschied von Dieter Bohlen längst überfällig

Juror Dieter Bohlen verlässt seinen Jury-Thron bei DSDS. Was das für RTL und „Deutschland sucht den Superstar“ bedeutet – ein Kommentar von nordbuzz.de.

Köln – Erst Angel Merkel, die schon vor der berühmten halben Ewigkeit ankündigte, nicht erneut für das Kanzleramt zu kandidieren. Dann Joachim Löw, der nach der Europameisterschaft 2022 als Bundestrainer aufhört. Und jetzt Dieter Bohlen als nächster, der quasi aus einem „Bundes“-Amt ausscheidet. Es fühlt sich zumindest so an.

Denn DSDS ohne den Pop-Titan – das kann man sich eigentlich nicht vorstellen. Hat‘s ja so auch noch nie gegeben. Aber RTL will es so. Oder doch nicht? War‘s ein Rauswurf? Oder doch eher ein Rückzug? Hat‘s gekracht oder ist es ein Ende im Frieden?

Fernsehsendung:Deutschland sucht den Superstar
Ausstrahlung:seit 2002
Länge:ca. 45 bis 220 Minuten
Aktueller Moderator:Alexander Klaws
Sender:RTL

DSDS: Fiese Bohlen-Sprüche nur der Unterhaltung wegen – das ist längst out

Dieter Bohlen jedenfalls macht derzeit das, was er eigentlich gar nicht kann: die Klappe halten. Vom Ex-Modern Talking-Sänger, der fast zwei Jahrzehnte in der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ saß und an seiner Seite diverse, fast schon nicht mehr zählbare Mit-Juroren erlebte, gibt es bislang keinen Kommentar zu seinem Aus, das RTL überraschend vermeldet hat. Nicht nur überraschend für die Zuschauer, auch überraschend für Bohlen, der Kritik von seinem Sohn Maurice einstecken muss. Wenn man in Sachen Überraschung denn dem glaubt, was ein Insider der Bild-Zeitung sagte.

Exit: Dieter Bohlen hört bei DSDS nach der laufenden Staffel auf. (nordbuzz.de-Montage)

Dort heißt es Bohlens Vertrag sei bislang jedes Jahr verlängert worden, darüber habe es nie Diskussionen gegeben. Inzwischen aber hat RTL einen neuen Geschäftsführer: Henning Tewes. Er ist seit dem 1. März 2021 im Amt. Und er hält offenbar nicht viel vom Pop-Titan. Oder zumindest von dessen Art, wie die Bild-Zeitung berichtet. Nachvollziehbar. Immer nur draufhauen, Leute fertig machen und fiese Sprüche nur der Unterhaltung wegen – das ist längst out. Dieter Bohlen, dessen „Ex“ Estefania zuletzt ein Foto mit dem gemeinsamen Sohn Maurice veröffentlichte, hat so vielleicht in den ersten fünf oder zehn der fast 20 DSDS-Jahre funktioniert. Inzwischen aber nicht mehr.

DSDS: Einfach rausgekickt? Dieter Bohlen ergeht‘s genauso wie den Kandidaten

Für die Show hat es einfach null Weiterentwicklung, wenn Dieter Bohlen quasi der Alleinherrscher am Jury-Pult ist und neben ihm – überspitzt formuliert – immer andere Marionetten sitzen. Nur Dieter Bohlen, der gern mit Freundin Carina peinlich tanzt, darf richtig fies raushauen. Nur Dieter Bohlen hat das Recht, Auftritte einfach abzubrechen.

Immer nur Bohlen, Bohlen, Bohlen.

Kurz gesagt: DSDS war – und wird noch bis zum letzten Auftritt Bohlens sein – eine One-Man Show. Eine, in der es eigentlich nicht um die Kandidatinnen und Kandidaten geht, sondern nur um Dieter Bohlen.

Und darum, wie despektierlich er mit Menschen umgeht. Sängerin Marianne Rosenberg hat die Art und Weise der RTL-Show einmal als „Menschenverwertungsmaschine“ bezeichnet. So falsch liegt sie damit nicht. „Diese Entscheidung und Verkündung war definitiv nicht in Dieters Sinne. Jemanden, der 18 Jahre lang Quote für den Sender gemacht hat, so lapidar abzukanzeln, wird ihm nicht gerecht“, zitiert die Bild-Zeitung eine enge Freundin von Dieter Bohlen nach dessen Aus.

Wieso gerecht?

Es ergeht Bohlen jetzt genauso, wie er in all den Jahren mit den DSDS-Kandidaten umgesprungen ist.

DSDS: Im Quotentief – auch Skandale um Xavier Naidoo und Michael Wendler sorgen für Schaden

Dass die Entscheidung nicht im Sinne von Dieter Bohlen, der zuletzt einen schweren Unfall hatte, gefallen ist – das ist eine Aussage, die verständlich ist. Aber anders betrachtet: Es ist eine Entscheidung, die im Sinne von RTL gefallen ist. Die DSDS-Quoten sind merklich zurückgegangen. Die Show-Highlights mit Dieter Bohlen wurden seltener. Zuletzt schalteten nur noch 3,5 Millionen Zuschauer pro Folge ein.

Auch die Skandale um Bohlens Jury-Kollegen wie Xavier Naidoo und Michael Wendler, der nach seinem KZ-Vergleich im hohen Bogen rausflog, haben DSDS eher geschadet als genutzt. So gesehen ist jetzt der beste Zeitpunkt, um die alten Zöpfe abzuschneiden. Der Abschied des „Bundes-Bohlen“ ist dabei ein längst überfälliger Schritt, ob es auch der richtige ist, wird letztendlich die Zeit zeigen. Dennoch hat RTL es gewagt, ihn zu gehen.

Und dazu kann man nur gratulieren.

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