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Dschungelshow 2021: Mega peinlich - RTL vergrault IBES-Zuschauer

Das Trash-Format „Ich bin ein Star“ wird wegen der Corona-Pandemie in Deutschland gedreht. Doch RTL hat sich mit der Dschungelshow ein Ei ins Nest gelegt.

Hürth bei Köln ‒ Die Verwirrung rund um das Dschungelcamp war groß. Erst machten Gerüchte die Runde, „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus“ falle der Corona-Pandemie zum Opfer. Dann hieß es, dass in einem Spukschloss in Wales gedreht werden soll, letztendlich findet die große RTL-Dschungelshow in einem TV-Studio in Hürth bei Köln statt. Die Vorfreude unter IBES-Fans stieg an, die Gerüchteküche brodelte wie wild, bevor es am 15. Januar endlich losging. Mit dabei sind das altbewährte Moderatoren-Duo Sonja Zietlow und Daniel Hartwich und selbst Dr. Bob ist extra aus Australien eingeflogen worden.

Doch was RTL den TV-Zuschauern da vorsetzt, hat herzlich wenig mit dem Dschungelcamp-Original zu tun. nordbuzz.de hat in die ersten Folgen reingeschaut und fällt ein hartes Urteil.

Fernsehsendung:Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!
Länge:60 bis 175 Minuten
Ausstrahlung:2004, 2008-2009, seit 2011 jährlich
Produktionsunternehmen:ITV Studios Germany
Besetzung:Sonja Zietlow, Daniel Hartwich, Bob McCarron
Autoren:Jens Oliver Haas, Micky Beisenherz, Jörg Uebber

Dschungelshow 2021 (RTL): Kandidaten leben in Tiny House in einem TV-Studio bei Köln

So manchem Fan wird ein Stein vom Herzen gefallen sein, als RTL-Chef Jörg Graf im Oktober 2020 eine Absage des Dschungelcamps dementierte. Es werde auch im Jahr 2021 eine Dschungelshow stattfinden. In den nächsten Wochen wurde immer deutlicher, dass eine altbewährte TV-Show „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ im Dschungel von Australien nur schwer möglich sein wird. Aufgrund der grassierenden Corona-Pandemie und den starken Beschränkungen mussten die Produzenten umplanen. Kurz war ein Spukschloss in Wales im Gespräch, doch dann verkündete der TV-Sender ein Novum. In einem TV-Studio in der Nähe von Köln wird ab 15. Januar „Ich bin ein Star - Die große Dschungelshow“ stattfinden.

Zwischen Konzentration und Verzweiflung erledigen Frank Fussbroich (von links), Zoe Saip und Mike Heiter die Dschungelprüfung.

RTL kündigte neben dem Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich auch die Dschungelcamp-Legende Dr. Bob an. Außerdem sind mehrere Ex-Camper dabei, darunter selbstverständlich auch Ex-Fußballer Thorsten Legat oder Willi Herren und Dschungelkönigin Désirée Nick. Daneben versprach Dr. Bob viele Überraschungen, worauf sich die TV-Zuschauer freuen könnten. Statt Dschungelcamp in „Down Under“ präsentierten die Macher eine Behausung, die zwar keine Schlangen und Eidechsen bietet, aber auch weit von Luxus entfernt ist, und zwar leben die Kandidaten in einem Tiny House auf engstem Raum zusammen.

Dschungelshow 2021 (RTL): Gewinn des goldenen Tickets lockt - doch es ist mega peinlich

So weit, so gut! Jetzt verpflichtete RTL noch zwölf Kandidaten aus der Kategorie C-Promis und lobte für den Sieger eine nette Siegprämie und den Gewinn eines goldenen Tickets aus, das zur Teilnahme am Dschungelcamp 2022 berechtigt. Weil das Tiny House gerade mal 18 Quadratmeter Platz bietet, werden Kleingruppen gebildet. Zunächst zogen Ex-GNTM-Model Zoe Saip, Influencer Mike Heiter und Reality-Routinier Frank Fussbroich in die Behausung. Man könnte ja insgesamt sagen, der TV-Sender holt das Beste aus dem Trash-Format raus, was unter Corona-Bedingungen so möglich ist.

Was sich jedoch an den ersten zwei Abenden auf den Bildschirmen der Nation abspielte, ist einfach nur mega peinlich. Na klar, Trash-TV lebt nicht von hochtrabenden Dialogen und ausgeklügelten Konzepten, aber trotzdem hat sich RTL mit der Dschungelshow in Köln bislang keinen großen Gefallen getan. Es gibt sicherlich viele Aspekte dieser IBES-Ausgabe, die in keiner Weise mit dem Original mithalten können, doch drei empfinde ich als besonders schrecklich.

Dschungelshow 2021 (RTL): Dschungelprüfungen und Kandidatenliste ergeben schwaches Bild

Erstens, die Dschungelprüfungen sollen zwar den Aufgaben im australischen Camp nachempfunden sein. Und selbstverständlich macht Legende Dr. Bob beim Erklären möglicher Gefahren wieder eine gute Figur. Doch kommen die ersten beiden Prüfungen in Sachen Ängste überwinden und Geschicklichkeit längst nicht an solche Aufgaben wie durch Tunnel zu tauchen oder sich in einen Glassarg zu legen und mit Tieren überhäuft zu werden ran. Auch fehlt so etwas wie eine Schatzsuche, die den Tag der Dschungelcamper zusätzlich bereichert und für beste Unterhaltung der RTL-Zuschauer sorgt.

Zweitens, die Kandidatenliste sorgte schon im Vorfeld für reichlich Empörung. In den sozialen Medien schossen die Fans scharf gegen RTL. Viele Dschungelcamp-Anhänger würden keinen einzigen Promi kennen. Die Frage, wo die Stars bleiben, kam immer wieder auf. In Ordnung, die Produzenten müssen nehmen, was sie kriegen können, aber wenn Zoe Saip als ehemaliges GNTM-Model schon heraussticht, dann ist das schwach.

Und bei eben dieser Zoe Saip stellt sich die Frage, ob der TV-Sender sie überhaupt hätte verpflichten dürfen. Sie beichtete am zweiten Abend dem TV-Publikum, dass sie in Behandlung wegen psychischer Probleme sei. Sie setze sich selbst enorm unter Druck bei den Prüfungen. Bislang hat sie, um die Worte von Frank Fussbroich zu nutzen, zweimal „verk**kt“, was die Heulattacken erklären dürfte. Ein negativer Corona-Test reicht vielleicht nicht immer, liebe Produzenten, um die Gesundheit eines Kandidaten zu beurteilen. Der Cast gibt bislang ein schwaches Bild ab, aber wir lassen uns gerne noch eines Besseren belehren.

Dschungelshow 2021: RTL vergrault hartgesottene Dschungel-Anhänger

Drittens, die Talkrunden im IBES-Studio setzen der Trash-Unterhaltung die Krone auf. Da saßen am Samstagabend Dschungelkönigin Désirée Nick, Willi Herren und Dolly Buster zusammen, um mit Sonja Zietlow und Daniel Hartwich über die gute, alte Zeit im Dschungel Australiens zu reden. Offenbar mit voller Absicht verpflichtete RTL drei Ex-Kandidaten, die sich gegenseitig nicht leiden können. Bekanntermaßen lebt Trash-TV vom Stress unter den Kandidaten. Aber ganz ehrlich, das war keine Unterhaltung, sondern einfach nur Fremdschämen. Die Kandidaten hatten sich recht wenig zu sagen, da halfen die Sprüche der beiden Moderatoren auch nicht mehr.

Mein Fazit nach zwei Abenden: Mit dieser Not-Dschungelshow sorgt RTL für echt peinliche Moment und vergrault sich die viele hartgesottene „Ich bin ein Star“-Anhänger. Der TV-Sender verkündet zwar erste Erfolgsmeldungen mit mehr als fünf Millionen Zuschauern beim Staffelauftakt und 4,4 Millionen Menschen, die in der Spitze am Samstag vorbeigeschaut haben, aber das muss ja nicht so bleiben. Ob die Macher in diesem Jahr noch die Kurve kriegen, ist mehr als fraglich. Vielleicht wäre ein Ausfall dieses Jahr die bessere Alternative gewesen.

Rubriklistenbild: © TVNOW/Stefan Gregorowius

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