„ZeroZeroZero“

Dreckiges Geschäft, schmutziges Geld, reines Kokain

Stefano (Giuseppe De Domenico) will seinen Großvater, den „&#39Ndrangheta“-Paten Don Minu La Piana (Adriano Chiaramida).
+
Stefano (Giuseppe De Domenico) will seinen Großvater, den „'Ndrangheta“-Paten Don Minu La Piana (Adriano Chiaramida).

Das internationale Koks-Business ist nichts für schwache Nerven, die neue Thriller-Serie auf Sky ebenfalls nicht. „ZeroZeroZero“ zeigt den Machthunger und die Gier verschiedener Interessensgruppen von Mexiko über Kalabrien bis in die USA.

Drei Nullen sind das erstrebenswerte Qualitätsmerkmal im Kokain-Handel. Die Qualität des weißen Pulvers wird anhand folgender Bewertung gemessen: Während eine oder zwei Nullen niedere und mittlere Güteklasse auszeichnen, bedeuten drei Nullen die höchste Reinheitsstufe - und die bringt den besten Preis. Die neue Sky-Thriller-Serie „ZeroZeroZero“, ab Donnerstag, 26. März, 20.15 Uhr, in Doppelfolgen auf Sky Atlantic HD sowie auf Abruf bei Sky Ticket, Sky Go und Sky Q, ist nach dieser Reinheitsskala benannt. So sauber die gehandelte Droge in ihrer Beschaffenheit sein mag, so unsauber sind die kriminellen Methoden auf der weltweiten Reise vom Produzenten zum Konsumenten. Denn bis es die Nasenscheidewand erreicht, geht das Kokain durch unzählige Hände. Und an allen klebt Blut.

„Gesetze sind für Feiglinge, Regeln sind für Männer.“ Nichts verdeutlicht das Wertesystem der Drogen-Gangster besser als dieses Zitat des Mafia-Paten aus Folge eins. Dabei variieren diese Regeln auf dem Weg vom Produzenten zum Groß-Händler zum Dealer, oder treffender: von Milieu zu Milieu. Während bei der kalabrischen Mafia „'Ndrangheta“ alte Familientraditionen wie das Verfüttern an Schweine hoch im Kurs stehen, versucht eine US-amerikanische Upper-Class-Familie den Schein einer normalen Handelsfamilie aufrechtzuerhalten und sich selbst einzureden, der reine Vertrieb des Kokains per Schiff sei moralisch weniger bedenklich.

Die Sprache des Kokains ist international

Weltweit will jeder sein Stück vom Kuchen. Das Kokain wird rund um den Globus verschifft als handelte es sich um Südfrüchte. Dementsprechend international verlief auch die Produktion des sehenswerten Crime-Drama-Mixes: Die Dreharbeiten führten Cast und Team auf drei Kontinente: Nordamerika, Europa und Afrika. Die Dialoge werden in sechs verschiedenen Sprachen geführt, was die Authentizität der Thriller-Serie enorm verstärkt. So wird auf Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Arabisch und der westafrikanischen Sprache Wolof gefeilscht, bedroht und gelogen. Logischerweise geht das mit dem ungewohnt häufigen Einsatz von Untertiteln einher, welche sich aber keineswegs auf das Sehvergnügen auswirken.

Denn die ersten Folgen der auf Roberto Savianos gleichnamigem Roman basierenden Serie sind durchaus fesselnd. Die Handlung lässt sich auf den Weg des Kokains von Monterrey in Mexiko bis ins italienische Gioia Tauro herunterbrechen. Dabei folgt „ZeroZeroZero“ drei Familien, die groß im Business mitmischen: Da wären die Verkäufer, die Narcos-Brüder Enrique (Victor Huggo Martin) und Jacinto Leyra (Flavio Medina), die in ihren Machenschaften von korrupten mexikanischen Soldaten (unter anderem Harold Torres) unterstützt werden. Käufer ist der ergraute Mafia-Boss Don Minu La Piana (Adriano Chiaramida), der seinem Enkel Stefano (Giuseppe De Domenico) ein Dorn im Auge ist. Zwischenhändler ist die Familie Lynwood aus New Orleans, Inhaber eines großen Handelsschiff-Unternehmens. Hier soll der junge Chris (Dane DeHaan) zunehmend mehr Verantwortung übernehmen. Aus den gut aufgelegten Schauspielern sticht Adriano Chiaramida mit seiner Aura der Grauen Eminenz besonders heraus.

Nichts für Zartbesaitete

Der spannende Mix aus Crime und Drama verlangt dem Zuschauer einiges ab und ist Zartbesaiteten wohl eher nicht zu empfehlen. Bereits in der ersten Episode verblutet ein Kind nach einer Schießerei in den Straßen Monterreys. Später baumeln die Leichen vermeintlich korrupter Soldaten von der Autobahnbrücke. In diesem Geschäft bleibt niemand sauber. Soldaten, für die Folter ein probates Mittel zur Informationsbeschaffung ist, halten die Hand für die mexikanischen Narcos ebenso auf wie Polizisten.

Geld ist schließlich genug da. Der Handel mit Kokain ist ein Monster-Business, ein Milliardengeschäft. Und eiskalte Geschäftsmänner und -Frauen sehen nur den Umsatz und nicht wie er zustandekommt. „Wir sind der Motor der globalen Wirtschaft“, sagt Familienoberhaupt Lynwood (Gabriel Byrne) todernst zu seiner Tochter (Andrea Riseborough). Was im ersten Moment ziemlich vermessen klingt, ist einer der Kernpunkte, die Roberto Saviano in seinem populären Roman beschreibt. Im Narcos-Kapitalismus ist ein Menschenleben nichts wert, 5.000 Kilo Kokain aber eine ganze Menge.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare