Das Dorf des Schweigens - Mo. 22.02 - ZDF: 20.15 Uhr

Aufklärung unterm Wasserfall

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Lydia Perner (Ina Weisse) kehrt nach 30 Jahren zurück, um ihre Familie zur Rede zu stellen. Eva (Petra Schmidt-Schaller) hat sie vor ihrer bevorstehenden Hochzeit eingeladen.

Nach 30 Jahren kehrt eine verstoßene Tochter ins Tal zurück, um endlich das dort verordnete Schweigen zu brechen.

Gewaltig und unaufhörlich rast der Wasserfall von Bad Gastein in die Tiefe und signalisiert schon mal Bedrohliches. Obgleich die Luftaufnahmen vom Gasteiner Tal dann doch eher wirken wie die Tourismus-Werbung für das Salzburger Land, werden Befürchtungen alsbald bestätigt. Lydia, Mitte 40, kehrt aus Amerika in die alte Gebirgsheimat zurück. "Ich bin Lydia Pirner von drüben!" sagt sie, die Hotelierstochter, zur Hoteliersnachbarin, die sie nach 30 Jahren nicht mehr erkennt. Lydia, gespielt von Ina Weisse, ist zurückgekehrt. Man darf es so sagen, um abzurechnen mit ihrer Familie - und mit einem, der sie einst, mit 14, brutal vergewaltigt hat.

Wieder einmal hat Hans Steinbichler, Regisseur für große Familiendramen ("Hierankl", "Winterreise") den Heimatfilm mit dem psychologischen Krimi gekreuzt. Schon der Titel, "Das Dorf des Schweigens", sagt es ja: Hier gilt es, ein ewiges Schweigen zu durchbrechen, eine Glasglocke unter der die Geheimnisse brüten, zu heben. Wenn es sein muss, unter dem Rauschen des Wasserfalls. Das alles könnte spannender sein als hier geschehen. Ina Weisse geht als einst von der Familie vertriebene "gefallene" Tochter die schwere Aufgabe an, endlich der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen. Sehr direkt stößt sie bei einer ersten Einladung der Familie anlässlich der bevorstehenden Hochzeit ihrer jüngeren Schwester den Familienrest gleich vor den Kopf.

Man hat sie einst - als sie behauptete, von Christian, dem späteren Dorflehrer (Simon Schwarz) vergewaltigt worden zu sein - des Wahnsinns bezichtigt und nach Hamburg in eine psychiatrische Klinik abgeschoben, später ins Internat. Eva, die viel jüngere Schwester (Petra Schmidt-Schaller) hatte später immer wieder vergeblich nach ihr gefragt.

Für kurze Zeit stellt der Film die Frage, ob Lydia damals wirklich vergewaltigt wurde, oder ob nicht doch der Familienclan - und mit ihm wohl der gesamte Ort - mit Lydias Krankheitsbefund richtig lag. Zuweilen wird gar die Aufmerksamkeit auf die Befürchtung der jüngeren Schwester, auch selbst die Krankheit geerbt zu haben, gelenkt.

Was der Film aber nun zeigt und dabei seine Darstellerinnen bis an die Schmerzgrenzen treibt, ist dies: dass die seelischen Folgen der Vergewaltigung niemals vergehen und dass sie die Betroffenen bis an die Grenze des Wahnsinns bringen können. Der durchaus nachvollziehbaren Motivation Lydias stehen allerdings sehr viele verdeutlichende Wiederholungen, Patchwork-Konstruktionen und Zufallsrecherchen im Weg: Als "Halbschwester" wird Lydia, etwas ungewöhnlich, immer wieder bezeichnet, als "Stieftante" wird sie gar Evas kleiner Tochter vorgestellt. Das alles klärt sich später auf, wenn das ganze Familiengeheimnis gelüftet wird. Steinbichler ist seit "Hierankl" ein Spezialist für inzestuöse Familiengeschichten.

Nur diesmal (Drehbuch: Martin Ambrosch, "Das finstere Tal") atmen die Figuren nicht. Ihnen wird weniger durch die Schwere ihres Leidens oder ihrer verdrängten Schuld als durch vielfache Erklärungen ("Sie war 30 Jahre weg, ich hab' sie wirklich vergessen!") der Atem genommen. Daran ändert auch die fortwährend Tragik suggerierende Bassgeigenbegleitung des pathetischen Scores nicht viel.

"Theater vor großer Berglandschaft" wie bei "Hierankl" wollte Steinbichler auch hier nach eigener Auskunft machen, gar "eine Art Hierankl reloaded". Doch daraus ist nur zu Teilen etwas geworden. Zu konstruiert wirkt diese neuerliche Familienzusammenführung, die vertuschte Wahrheiten ans Licht bringen will. So fehlt dem Film vor allem jene Leichtigkeit, mit der noch "Hierankl" das familien-Unglück transportierte. Nur der betagte Helmut Lohner stellt sie mit scheinbar improvisiertem Spiel in seiner letzten Rolle noch einmal her, er macht aus dem Abschied ein Ereignis.

Name der Sendung Das Dorf des Schweigens
Sendedatum 22.02.2016
Sender ZDF
Sendezeit 20:15:00
Genre Drama
Filmbewertung akzeptabel
Genre Drama
Filmname Das Dorf des Schweigens
Originaltitel
Regisseur Hans Steinbichler
Schauspieler Ina Weisse
Schauspieler Petra Schmidt-Schaller
Schauspieler Simon Schwarz
Entstehungszeitraum 2016
Land D

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