Zum Klimawandel

Doku mit Leonardo DiCaprio: „Before the Flood“

+
Leonardo DiCaprio im Gespräch mit dem ehemaligen US-Präsidenten barack Obama: Wieso fällt es der Politik so schwer, angemessene Maßnahmen für einen langfristigen Klimaschutz zu ergreifen?

Was tun gegen die drohende große Flut? Leonardo DiCaprio reist im Dokumentarfilm „Before the Flood“ um die Welt, um zu zeigen, wie weit der Klimawandel bereits vorangeschritten ist und wie man den Öko-Kollaps vielleicht verhindern kann.

Leonardo DiCaprio gehört seit Jahren zu den besten Schauspielern Amerikas. Er hat einen Ruf als Playboy mit einer Vorliebe für blonde Models. Aber daneben, abseits des Glitzerzirkus' Hollywood, gibt es seit einigen Jahren auch einen anderen Leonardo DiCaprio: den UN-Friedensbotschafter, den eifrigen Umweltschützer und besorgten Weltbürger. Sichtbar wurde das Engagement des Oscargewinners („The Revenant“) in jüngerer Vergangenheit vor allem durch die Dokumentationen, die er produziert, etwa die Tierschutzfilme „Virunga“ (2014) und „The Ivory Game“ (2016). Mit dem Film „Before the Flood“ (2016), der nach Veröffentlichung in Pay-TV- und Streaming-Nischen jetzt auch auf DVD erscheint, präsentiert DiCaprio seinen bisher persönlichstes Projekt überhaupt und widmet sich dem wohl dringlichsten Thema unserer Zeit.

Der 42-Jährige, der in dieser Dokumentation auch selbst vor der Kamera steht, gibt sich ganz offen: Sein ökologischer Fußabdruck sei sicher größer als der der meisten anderen Menschen. Und DiCaprio gibt zu, dass er doch sehr wenig über den Klimawandel wisse. In „Before the Flood“, einer für den National Geographic Channel gedrehten und entsprechend aufwendigen Rund-um-die-Welt-Bestandsaufnahme, zieht er los, um sich gemeinsam mit dem Zuschauer schlau zu machen.

DiCaprios Ruhm war bei dem Projekt gewiss von Vorteil, er öffnete viele Türen. So trifft der Filmstar etwa auf so prominente Gesprächspartner wie Barack Obama und Ban Ki-moon, um mit ihnen die Erderwärmung zu diskutieren. Viel, eigentlich zu viel Aufwand wird betrieben, um nach einer halben Stunde zu der Erkenntnis zu kommen: Den Klimawandel gibt es wirklich, und er ist echt schlimm.

Tatsächlich spannend wird es erst, als DiCaprio die schon heute deutlich spürbaren Konsequenzen der Klimaerwärmung aufzeigt. Die Eindrücke von der gefühlt schon halb dahingeschmolzenen Arktis oder den kleinen, wortwörtlich untergehenden Pazifikinseln treffen den Zuschauer. Auch, weil die Szenerien durch große, überwältigende Bilder illustriert und von einem gefühlvollen Soundtrack aus der Feder von Trent Reznor und Atticus Ross (Nine Inch Nails) unterlegt werden. Man sieht und hört, dass die Macher von „Before the Flood“ über andere Mittel verfügten als „herkömmliche“ Dokumentarfilmer.

Der größte Wert des Films liegt aber nicht in der Präsenz DiCaprios oder der imposanten Inszenierung, sondern in der Klarheit seiner Sprache. Auf den erhobenen Zeigefinger wird verzichtet, weil DiCaprio und sein Team wissen: Auch sie selbst müssen oder müssten ihren Lebensstil umstellen. Vor allem aber wird zum Ende hin ganz konkret erarbeitet und hervorgehoben, was der Einzelne tun kann beziehungsweise tun muss, um der großen Flut entgegenzuwirken. Wer meint, ein Umdenken könne man der nächsten oder übernächsten Generation überlassen, sollte diesen Film dringend sehen.

tsch

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare