Englische Filmsensation „Brexit: Chronik eines Abschieds“

Dieser Mann kann einem alles verkaufen: Benedict Cumberbatch ist Mr. Brexit

Benedict Cumberbatch in der Maske des englischen Polit-Spin Doctors Dominic Cummings im Film „Brexit: Chronik eines Abschieds“. Den gefeierten englischen Polit-Thriller gibt es nun auch auf Deutsch beim Streaming-Kanal Sony Channel.
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Benedict Cumberbatch in der Maske des englischen Polit-Spin Doctors Dominic Cummings im Film „Brexit: Chronik eines Abschieds“. Den gefeierten englischen Polit-Thriller gibt es nun auch auf Deutsch beim Streaming-Kanal Sony Channel.

So tiefgründig und brillant wurde der Brexit noch nie analysiert. Das gefeierte englische TV-Drama „Brexit: The Uncivil War“ gibt es nun auch auf Deutsch bei einem hiesigen Streamingdienst zu sehen.

Am 31. Januar soll der Brexit, also der Austritt Großbritanniens aus der EU, offiziell wahr werden. 2016 hatten sich die Briten in einem knappen Referendum für diesen Schritt entschieden. In den Augen der meisten Experten bringt er kaum Vorteile, dafür aber viele Nachteile für den Inselstaat mit sich. 2015, als die Wahlkampf-Kampagnen der Lager „Leave“ und „Remain“ in Großbritannien ihren Meinungsmacher-Kampf begannen, glaubte niemand so recht an einen Erfolg der EU-Gegner. Zu verrückt schien die Idee, dass die Briten, seit 1973 EU-Bürger, diesen Schritt tatsächlich gehen würden. Ein von der Kritik gefeiertes und für einen Emmy nominiertes Fernsehspiel inszeniert die Kampagne der beiden Politlager als spannendes, ja brillantes Fernsehspiel, das nun erstmals in einer auf Deutsch synchronisierten Fassung zu sehen ist.

„Sherlock“-Darsteller und Superstar Benedict Cumberbatch, selbst übrigens glühender EU-Befürworter, spielt in der Channel 4-Produktion die Hauptrolle. Als Spin Doctor der „Leave“-Bewegung schafft Dominic Cummings (Cumberbatch) das Unmögliche: Die Brexit-Befürworter setzen sich beim Volksvotum am 23. Juni 2016 mit 52 Prozent Ja-Stimmen durch.

Eine komplexe Analyse des Wahlkampfes der „Leave“-Bewegung, der wie selten zuvor in Europa mit Social Media-Algorithmen und Big Data-Erkenntnisssen arbeitete, bietet der satirische Polit-Thriller „Brexit: The Uncivil War“, der bereits vor einem Jahr im englischen TV und in den USA bei HBO lief. Nun ist das anspruchsvolle, aber auch sehr unterhaltsame Stück erstmals im Fernsehen auf Deutsch zu sehen - als Streamingangebot des Sony Channel. Dieses kann man in Deutschland unter anderem über Vodafone, Unitymedia, Magenta TV oder Prime Video Channels empfangen. In Österreich kann das bösartige Fernsehstück über HD Austria und A1 Telekom sowie in der Schweiz über Teleclub und UPC empfangen werden. Leiglich auf DVD war der Film bisher hierzulande erhältlich. Der deutsche Titel lautet: „Brexit: Chronik eines Abschiedes“ und ist pikanterweise ab Freitag, 31. Januar, also dem Brexit-Datum, verfügbar.

Laufen so in Zukunft „demokratische“ Entscheidungsprozesse?

„Facebook weiß, wann Paare sich trennen, bevor sie es selbst wissen“, sagt ein Big Data- und Social Media Experte dem Politstrategen Dominic Cummings sinngemäß im Film. In Visier des manisch-genialen Wahlkampfstrategen Cummings, heute übrigens „Sonderberater“ von Premierminister Boris Johnson, ist das Stimmberechtigen-Drittel der Unentschiedenen und Nichtwähler. Vor allem jene, die sich nicht besonders für Politik interessieren, will Cummings mit dem einer Eingebung entsprungenen Erfolgs-Slogan „Take Back Control“ auf die „Leave“-Seite ziehen. Wie er das macht, in verrückten Verhandlungsrunden mit dem ziemlich chaotischen Haufen der Pro-Brexit-Aktivisten im UK - Benedict Cumberbatch spielt es so brillant und abgründig, wie es neben Cumberbatch eben nur wenige können.

Wer ein informationslastiges, dröges Polit-Dokudrama erwartet, dürfte von der britischen TV-Produktion ob ihrer Schnelligkeit und ihres Wagemuts fast schon überfordert sein. Sehr böse, scharfzüngig und für schnelle Denker schrieb der 37-jährige Theaterautor James Graham das Drehbuch zu diesem auch in den deutschen Feuilletons gefeierten TV-Highlight. Mit Anklängen an Monty Python, aber auch die Dramen Shakespeares setzte es Toby Haynes, übrigens auch Regisseur von „Sherlock: The Reichenbach Fall“, einer der besten Episoden der Edelserie, in Szene.

Abrufbar ist „Brexit: Chronik eines Abschieds“ wahlweise in deutscher Synchronisation oder englischem Originalton. Letzterer ist zwar im Sinne der gewitzten Sprache von Cunnings und Co. authentisch und empfehlenswert. Das anspruchsvolle Analysestück zur Frage, wie moderne Medien und Kampagnen gegenwärtig und zukünftig wohl immer stärker demokratische Entscheidungsprozesse beeinflussen, ist jedoch nichts für Menschen, die nur mal eben so zur Entspannung reinschauen wollen. Wer diesen 90 Minuten aufmerksam zuhört und -schaut, versteht den Brexit vielleicht so tiefgründig, wie wenige Deutsche zuvor. Es gibt aber noch einen alternativen Konsumvorschlag: Er besteht darin, sich einfach vom brillanten Spiel Benedict Cumberbatch wegtragen zu lassen. Dieser Mann kann einem nämlich einfach alles verkaufen - sogar den Wahnsinn des Brexits.

teleschau

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