Fritz Karl

"Deutscher Humor ist wie rumänische Haute Couture"

+
"Ja, ich koche und esse sehr gerne", bekennt Fritz Karl. Die Rolle als Sternekoch in der ARD-Komödie "Das beste Stück vom Braten" war da ganz nach seinem Geschmack.

Was unterscheidet eigentlich den österreichischen Humor vom deutschen? Die Antwort gibt einer, der es wissen muss: der österreichische Schauspieler Fritz Karl, der sich mal wieder in einer deutschen TV-Komödie die Ehre gibt.

"Kochen ist Krieg" lautet das Motto des begnadeten Küchenchefs Michi Griesebach. In der romantischen Komödie "Das beste Stück vom Braten" (Freitag, 22. April, 20.15 Uhr, ARD) liefert er sich ein unerbittliches Duell mit seinem Erzfeind, einem Restaurantkritiker, dessen Freundin er einst vernaschte. Eine wunderbare Schwerenöterrolle für Fritz Karl (48), der mit seinem österreichischen Charme eine weitere deutsche TV-Komödie veredelt. Im Interview spricht der gebürtige Gmundener, der mit seiner Lebensgefährtin und Schauspielkollegin Elena Uhlig und drei gemeinsamen Kindern ländlich im Salzkammergut lebt, über Leidenschaft, Männerküsse und die Unterschiede zwischen deutschem und österreichischem Humor.

teleschau: Herr Karl, ist Kochen tatsächlich Krieg?

Fritz Karl: In der Spitzengastronomie auf alle Fälle, da geht es zu wie auf dem Schlachtfeld. Schließlich ist so eine Küche streng hierarchisch organisiert, da heißt es immer nur "Ja, Chef!", "Sofort, Chef!" - wie beim Militär. Meine Eltern hatten eine Gastronomie, da habe ich von klein auf hautnah mitbekommen, welchen Stress das bedeutet. Das rufe ich mir ins Gedächtnis, wann immer sich in mir der Wunsch regt, ein eigenes kleines Restaurant zu eröffnen. Kochen ist nun mal kein Nine-to-Five-Job. Da kann ich gleich bei der Schauspielerei bleiben.

teleschau: Können Sie gut kochen?

Karl: Ja, ich koche und esse sehr gerne. Besonders guten Anklang findet meist mein Tafelspitz. Ich selbst esse übrigens einfach alles und habe auch schon Käfer, Maden und getrocknete Würmer probiert. Das Einzige, was ich nicht essen durfte, waren angebrütete Eier, eine Spezialität in Kambodscha. Die Eier werden geköpft und dann sieht man darin diesen gallertartigen Vogelembryo. Als ich die probieren wollte, hat meine Lebensgefährtin (die Schauspielerin Elena Uhlig, d. Red.) zu mir gesagt: Wenn du die isst, küsse ich dich nie wieder!

teleschau: Kochen ist gerade ein unglaubliches Trendthema, wie die unzähligen Kochshows im TV beweisen. Schalten Sie da auch manchmal rein?

Karl: Ja, das ist momentan schon ziemlich massiv - aber auch kurzweilig. Mit Kochen im eigentlichen Sinn haben diese Shows aber nicht viel zu tun. Der Fernsehkoch Horst Lichter sagt ja beispielsweise von sich selbst, dass er nicht so gut kochen könne und sein Kollege Johann Lafer der bessere Koch sei. Aber Lichter ist eben ein Entertainer. Ich selbst gucke am liebsten "Spitzenköche im Ikarus" auf dem österreichischen Sender Servus TV. Das ist aber eher eine kulinarische Fachsendung als bloßes Entertainment.

teleschau: Im Film spielen Sie einen Draufgänger, der vorgibt, ein Frauenversteher zu sein, um seinem Widersacher eins auszuwischen. Macho oder Softie - welchem dieser beiden Extreme fühlen Sie sich persönlich näher?

Karl: Ich denke, ich habe von beidem etwas in mir. Wobei meine Figur den Frauenversteher ja nur vorgaukelt. Michi ist der Meinung: Reden - gut und schön. Aber irgendwann will eine Frau auch in den Arm genommen und geküsst werden. Ich denke, das ist ein ganz gutes Mittel. Man sollte die Dinge eben nicht zerreden. Manchmal sollte man einfach ... küssen!

teleschau: Zu Beginn des Films ist Michi ein ganz schönes Ekel. Was glauben Sie: Stehen Frauen wirklich auf solche, pardon, Drecksäcke?

Karl: Natürlich, das ist wie eine Droge! Michi ist zumindest am Anfang des Films nie ganz mit dem Herzen dabei, er lässt sich immer eine Hintertüre offen. Das macht ihn für die Frauen, die ihn haben wollen, umso interessanter. Und wenn sie nach ihm greifen, glitscht er einfach durch ihre Finger.

teleschau: Sie klingen fast etwas bewundernd!

Karl: In der Küche sind solche Persönlichkeiten eben gefragt - auch, wenn alle immer von Teamwork reden. Natürlich bin ich selbst nicht so egozentrisch wie meine Figur Michi, aber auch als Schauspieler braucht man ein gewisses Durchsetzungsvermögen. Das hatte ich schon recht früh, da ich bereits mit 13 Jahren wusste, was ich einmal werden wollte.

teleschau: Und jetzt folgen Ihnen Ihre Söhne nach. Haben Sie einen Rat für sie?

Karl: Mein Ältester, Valerian, ist inzwischen hinter die Kamera gewechselt, und mein Sohn Aaron besucht in Potsdam die Schauspielschule. Ich finde, wenn man von einem kreativen Beruf leben kann - egal ob als Schauspieler, Musiker oder Künstler - dann ist das viel wert. Es ist eben ein ganz anderes Leben, als es zum Beispiel Angestellte führen. Dazu muss man wissen: Es gibt immer weniger Theater, und es werden immer weniger Filme gemacht - die Krise hat auch hier zugeschlagen. Trotzdem werden jedes Jahr an den Schauspielschulen unzählige Jungdarsteller ausgebildet. Was für ein Wahnsinn - so viele Rollen gibt es in der gesamten Literaturgeschichte nicht!

teleschau: Sehr desillusionierend ...

Karl: Der Beruf heißt "Schauspieler", nicht "Prominenter". Man darf nicht glauben, man hätte es geschafft, nur weil man einmal über den roten Teppich gelaufen ist. Schauspielerei ist ein Langstreckensport, man braucht einen langen Atem und wird fürs Lernen bezahlt. Man kann in unzählige Berufe hineinschnuppern. Wenn ich zum Beispiel einen Zahnarzt spiele, dann schaue ich mir dessen Arbeit vor Ort mehrere Tage lang an, um zu sehen, wie er agiert. Diese Vielfältigkeit macht die Schauspielerei zu meinem absoluten Lieblingsberuf - neben der Weltherrschaft.

teleschau: Das Drehbuch zu "Das beste Stück vom Braten" sah auch einen Kuss mit einem männlichen Kollegen vor. Wie war das für Sie?

Karl: Joa, war okay. So oft kommt es ja nicht vor, dass ich für einen Film einen Mann küssen muss. Aber mein Kollege Stipe Erceg ist ein toller Schauspieler und Partner, also haben wir es einfach gemacht. Danach haben wir uns dann ein bisschen verschämt angegrinst.

teleschau: Michi sieht sich seinem Erzfeind, dem Restaurantkritiker Dumont, schutzlos ausgeliefert. Wie gehen Sie selbst mit Kritik um?

Karl: Ich lese zwar gerne Zeitung, aber die Fernsehkritiken überspringe ich meist. Sie richten sich nicht an mich als Schauspieler, ich bin ja nur ein kleiner Teil des Gesamtkunstwerks Film. Die Fernsehkritik ist einfach eine Serviceleistung für den Zuschauer. Für mich ist eher maßgeblich, was Kollegen und Filmschaffende von meiner Arbeit halten. Trotzdem denke ich, dass die Medienseiten in den Tageszeitungen einen größeren Stellenwert und mehr Platz im Blatt verdient hätten. Schließlich erreicht das Medium Fernsehen täglich Millionen Zuschauer - damit sollte man sich auf fundierte Art und Weise auseinandersetzen.

teleschau: Sie sind gebürtiger Österreicher. Arbeiten Sie lieber in Österreich oder in Deutschland?

Karl: Momentan arbeite ich fast ausschließlich in Deutschland, das Angebot ist hier einfach größer - vor allem, wenn man wie ich verschiedene Genres bedienen will. Österreich ist eben ein kleines, wenn auch sehr kreatives Land. Gerade im Bereich Komödie und Satire beweist man mehr Mut, wie Serien wie "Braunschlag" oder "Altes Geld" beweisen. Der deutsche Humor ist wie die rumänische Haute Couture. Wobei man mit diesem Vergleich wahrscheinlich der rumänischen Haute Couture Unrecht tut. (lacht)

teleschau: Inwiefern unterscheidet sich der österreichische Humor vom deutschen?

Karl: Er ist einfach lustiger. Wobei ich auch sehr amüsante Deutsche kennengelernt habe. Ich bin sogar mit einer zusammen! Meine Freundin ist unglaublich lustig und bringt mich immer wieder zum Lachen. Das verbindet uns sehr. Aber natürlich gibt es regionale Unterschiede beim Humorverständnis. Das merke ich zum Beispiel, wenn ich auf Lesereise bin. Ich war schon in Gegenden unterwegs, die ich hier nicht näher benennen will, die absolut humorfreie Zonen sind. Da habe ich mich dann gefragt: Was ist hier los? Ist gerade der Oberbürgermeister gestorben? Dagegen geht in Düsseldorf und Köln von Anfang bis Ende die Post ab. Auch der trockene Hamburger Humor liegt mir sehr. Und die Bayern sind ja eigentlich sowieso Österreicher.

teleschau: Haben Sie jemals überlegt, es Ihrem Landsmann Christoph Waltz gleich zu tun und nach Hollywood zu gehen?

Karl: Solche Dinge kann man nicht planen. Christoph, mit dem ich übrigens auch schon gedreht habe, ist einfach zum Casting von Quentin Tarantino gegangen. Dass seine Rolle in "Inglourious Basterds" ein so unglaublicher Erfolg werden würde, konnte ja keiner ahnen. Aber ich freue mich sehr für ihn! Ich selbst möchte allerdings nicht das halbe Jahr über in Los Angeles leben. Dazu bin ich viel zu gerne Mitteleuropäer, gehe gerne Skifahren und Fliegenfischen - und Essen.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare