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Culture-Clash-Komödie: „Ein Dorf sieht schwarz“ 

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Ihr neues Dorf sieht schwarz: Familie Zentoko, von links Sivi (Médina Diarra), Anne (Maïga), Seyolo (Marc Zinga) und Kamini (Bayron Lebli), sind in Marly-Gomont nicht willkommen.

„Ein Dorf sieht schwarz“ ist ein klamaukiger Blick in die 1970er-Jahre in Frankreich, wo Populismus, Rassismus und Intoleranz einem dunkelhäutigen Arzt den Berufsstart in der Provinz unnötig erschweren.

Endlich Arzt, endlich eine Zukunft: Seyolo Zantoko (Marc Zinga) wähnt sich 1975 am Ziel seiner Träume. In den Händen hält er das Medizin-Diplom der Universität Lille, und ein Jobangebot hat er auch schon. Zantoko soll als Landarzt in Marly-Gomont anfangen. Das Problem: In dem nordfranzösischen Kaff hat noch nie jemand einen Schwarzen gesehen. Die Widerstände, auf die Zantoko dabei trifft, löst Regisseur Julien Rambaldi zumeist in Klamauk auf. Man mag sich an der Holprigkeit seiner auf einer wahren Geschichte basierenden Komödie stören: Aber „Ein Dorf sieht schwarz“ (2016, nun erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand) trägt das Herz am rechten, also dem linken, Fleck. Und das ist in Zeiten abnehmender Toleranz manchmal wichtiger, als ein stringentes Drehbuch mit punktgenauen Gags.

Es ist ein ziemlich beiläufiger Rassismus, von dem Regisseur Julien Rambaldi in „Ein Dorf sieht schwarz“ erzählt. Es brennen keine Flüchtlingsheime, es rennt auch niemand mit einer Mistgabel durch die Gegend. Die Xenophobie ist ganz einfach Teil des Lebens der Einwohner von Marly-Gomont. Sie können (noch) nicht anders, weil sie Angst vor dem Neuen haben.

Dabei gibt sich Zantoko alle Mühe, sich zu integrieren. Er trinkt mit den Einheimischen in der Kneipe um die Wette, spielt Darts, und überhaupt würde er alles tun, um nicht aufzufallen. Ganz anders als seine Frau (Aïssa Maïga) und seine beiden Kinder (Médina Diarra und Bayron Lebli). Die wollen ihre Wurzeln nicht verleugnen und begegnen dem eisigen Wind der Missachtung mit ziemlicher Sturheit.

Es wirkt etwas hilflos, wie Julien Rambaldi den schwelenden Konflikten zunächst nur mit Klamauk zu begegnen weiß. Aber irgendwann findet der Regisseur die Galligkeit, die dem Film gut tut. Nämlich als ein Bürgermeisterkandidat mit falschen Gerüchten und haltlosen Lügen Missstimmung und Angst im Dorf schürt.

„Idioten gedeihen hier ganz prächtig“, fasst ein Bauer, der Zantoko als Einziger im Ort von Anfang an und vorbehaltlos willkommen geheißen hat, die Lage trefflich zusammen. So bekommt, was als harmlose Culture-Clash-Komödie begann, mit fortnehmender Dauer immer nachdenklichere Töne. Am Ende helfen das Wunder der Geburt, eine lautstarke Gospelnummer in der örtlichen Kirche und ein Fußballwunderkind, um Risse in der Gesellschaft zu kitten.

Im Fall von Seyolo Zantoko entsprach das der Realität: Er praktizierte bis zu seinem Tod 2009 in Marly-Gomont - als angesehener Arzt und geschätztes Mitglied der Gemeinde. Das kann man ja mal so stehen lassen.

teleschau

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