Eine Wahnsinnsgesellschaft

Jetzt auch fürs Wohnzimmer: Café Society

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Am kalifornischen Strand entwickelt sich zwischen Vonnie (Kristen Stewart) und Bobby (Jesse Eisenberg) eine Romanze.

Im „Café Society“ lässt Woody Allen die Sternchen des 30er-Hollywoods feiern, Menschen an der Liebe tragikomisch leiden und all das unspektakulär ausplätschern.

Er war immer ein unermüdlicher Filmarbeiter, und er ist es noch heute. Das bewies Woody Allen, inzwischen 81 Jahre alt, zuletzt sogar in doppelter Ausführung. Mit der Amazon-Serie „Crisis in Six Scenes“ schuf der TV-Verächter faktisch einen mehrstündigen Film. Von der Zusammenarbeit mit dem Streaminggiganten bereute Allen jedoch „jede Sekunde“, wie er freimütig zugab. Womöglich auch, weil sein obligatorisches Jahres-Werk dabei etwas zu kurz kam: In „Café Society“ (2016) lässt Allen zwar die 30-er in Hollywood solide tragikomisch aufleben. Gegen Ende des Dramas, das nach überschaubarem Leinwanderfolg fürs Heimkino erhältlich ist, geht dem Meister aber die Puste aus.

Seit einigen Jahren ähnelt das Allen'sche Werk einer unergründlichen Wundertüte. Nach den herausragenden Werken „Midnight in Paris“ (2011) und „Blue Jasmine“ (2013) lieferte die alternde Legende zuletzt mit „Magic in the Moonlight“ und „Irrational Man“ eher Durchschnittskost.

Das „Café Society“ lockt zumindest mit vielversprechenden Ingredienzen: ein Setting im hedonistischen Hollywood der 30er-Jahre; Stars und Sternchen, die sich im sonnigen Ambiente auf Partys vergnügen; ein junger New Yorker aus einer jüdischen Arbeiterfamilie, der mit der Hilfe seines Studioboss-Onkels sein Glück in der exzentrischen Filmbranche an der Westküste sucht: eine klassische Tragikomödie à la Allen.

Tragisch, wie der junge Bobby (Jesse Eisenberg) leidet und liebt; komisch, wie dessen Onkel Phil (Steve Carell) plötzlich als reiferer Liebeskonkurrent mitmischt; nachvollziehbar, wie sich das gemeinsame Love-Interest Vonnie (Kristen Stewart) emotional zwischen beiden hin- und hergerissen fühlt. Allein: Trotz der charmant aufspielenden Hauptdarsteller Stewart und Eisenberg sowie eines herrischen Carell als Archetypus des frühen Hollywood-Magnaten reiht sich „Café Society“ in die Serie der schnell wieder vergessenen Allen-Ausflüge ein.

Der verheißungsvollen Konstellation entlockt das Screwball-Genie nicht mehr als anfänglich nette Verstrickungen, die gegen Ende aber unspektakulär ausplätschern. „Café Society“ wirkt, als hätte sich der reuige (Ex-)Amazon-Mitarbeiter im zurückliegenden Jahr ein wenig übernommen, und das ausgerechnet mit einem - derzeit sehr beliebten - Stoff über die Anfänge des Wahnsinns Hollywoods.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

tsch

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