„Udo Lindenberg und ich sind zwei Vögel, die sich verstehen“

Jan Bülow im Interview

Jan Bülow am Set von „Lindenberg! Mach dein Ding“: In dem Biopic spielt der Nachwuchsstar den großen Udo Lindenberg.
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Jan Bülow am Set von „Lindenberg! Mach dein Ding“: In dem Biopic spielt der Nachwuchsstar den großen Udo Lindenberg.

Im Biopic „Lindenberg! Mach dein Ding“ spielt Jan Bülow den großen deutschen Rockstar nicht nur, er sang auch seine Songs selbst ein. Wie er Udo Lindenberg damit zum Tanzen brachte, erzählt Bülow im Interview.

Udo Lindenberg ist einer von Deutschlands bekanntesten und erfolgreichsten Rockmusikern. In dem Biopic „Lindenberg! Mach dein Ding“ (Kinostart: 16. Januar) wirft Regisseurin Hermine Huntgeburth einen Blick auf die Zeit vor seinem großen Erfolg. Der Film erzählt von Lindenbergs Kindheit im westfälischen Gronau über seine abgebrochene Ausbildung zum Kellner, seine Zeit als Drummer in der libyschen Wüste und die ersten Gehversuche in der Musikszene Hamburgs bis hin zum Durchbruch mit dem Song „Hoch im Norden“. Gespielt wird Lindenberg von Nachwuchs-Talent Jan Bülow („Dogs of Berlin“). Im Interview verrät der 23-Jährige, wie er seine erste große Kinorolle anging und was ihn mit Udo Lindenberg verbindet.

nordbuzz: Herr Bülow, „Lindenberg! Mach dein Ding“ ist Ihre erste große Kinorolle. Hat die Tatsache, dass Sie jemanden spielen, den es wirklich gibt und der obendrein noch lebt, Sie nervös gemacht?

Jan Bülow: Total! Ich habe oft gedacht: „Was, wenn ich alles falsch mache ...?“ Das ist ja das Skurrile beim Film: Wenn er einmal abgedreht ist, steht er für immer so da. Andererseits gab mir genau das die Möglichkeit, irgendwann loszulassen. Während der Dreharbeiten habe ich mir schon Druck gemacht, aber als wir im Januar 2019 fertig waren, habe ich mir gesagt: „Jetzt kannst du sowieso nichts mehr ändern.“ Und der Film scheint ja auch ganz gut geglückt zu sein, wie die ersten Resonanzen zeigen.

nordbuzz: Sie haben sich mit einem Video explizit für den Film beworben. Was hat Sie an der Rolle gereizt?

Bülow: Ich bin ein unfassbarer Musik-Junkie. Das hat angefangen mit Bruce Springsteen, der mir von meinem Vater gezeigt wurde, und zieht sich durch alle möglichen Genres und Zeiten. Musikfilme waren für mich immer eine große Sache. „Velvet Goldmine“ mit Christian Bale und Ewan McGregor zum Beispiel, „Walk The Line“, „Blues Brothers“ und dieser irische Film, „The Commitments“. Mein Vater hat mich auch viel auf Konzerte mitgenommen, zu den ganzen Altmeistern. Für mich ist Live-Musik das purste Schauspiel, das es gibt, und als ich hörte, dass ein Film über Udo Lindenberg gemacht wird, war ich sofort Feuer und Flamme.

nordbuzz: Mit dem Queen-Film „Bohemian Rhapsody“ und „Rocketman“ über Elton John gab es zuletzt so einige Musikfilme ...

Bülow: Unserem Film wurde deshalb schon unterstellt, wir würden auf irgendeinen Zug aufspringen - was totaler Schwachsinn ist, weil Produzent Michael Lehmann ihn schon seit sieben Jahren geplant hat.

nordbuzz: Worauf gilt es denn zu achten, wenn man einen guten Musikfilm machen möchte?

Bülow: Das kann ich gar nicht so genau sagen. „Bohemian Rhapsody“ und „Rocketman“ zum Beispiel haben ja komplett unterschiedliche Ansätze. Aber was in unserem Film glaube ich ganz gut funktioniert und was ich an dem Drehbuch immer mochte, ist die Tatsache, dass die Musik eher begleitend dargestellt wird und es vor allem um das Leben geht. Man kann ja davon ausgehen, dass viele Leute, die ins Kino gehen, mit der Musik von Udo Lindenberg bewandert sind und sie vor allem die Geschichte interessiert.

nordbuzz: Wie exakt muss der Schauspieler das Original kopieren, und wie viel darf er frei interpretieren?

Bülow: Am Anfang habe ich mir genau anguckt, wie Udo damals war. Ich habe versucht, ihn nachzuahmen - aber mir wurde schnell klar, dass das bei einer Figur wie Udo nicht geht. Wenn man anfängt, ihn zu 100 Prozent zu kopieren, werden die Leute immer sagen, dass sie sich lieber das Original angucken. Der Reiz liegt darin, eine neue Geschichte zu erzählen, die Person neu zu erfinden. Das gilt auch für den Gesang. Ich habe gelesen, dass Elton John zu Taron Egerton (der den Musiker in „Rocketman“ spielt, d. Red.) gesagt haben soll: „Sing einfach so, wie du denkst, dass du es machen musst, und mach es nicht so, wie ich.“ Das ist genau richtig, sonst bleibt man immer eine billige Kopie. Du musst lieber die frische, neue Version sein.

„Eierlikör gibt es immer!“

nordbuzz: Hatten Sie zu Lindenberg und seinem Werk vor den Dreharbeiten einen Bezug?

Bülow: Geringfügig. In Berlin ist seine Musik zum Teil sogar Schulstoff: „Mädchen aus Berlin“ hat bei uns auf dem Gymnasium mal eine Lehrerin angemacht, wegen der Teilungsgeschichte. Mein Vater hatte auch ein paar Platten von ihm. Ich war aber nie auf einem Konzert und habe mich nicht tiefer gehend damit beschäftigt. Rückblickend muss ich zugeben, dass ich da was verpasst habe. Das sage ich nicht bloß so. Ich verstehe absolut, warum Udo so erfolgreich ist.

nordbuzz: Wie war Ihr erstes Treffen mit ihm?

Bülow: Schön! Wir haben uns natürlich im Hotel Atlantic getroffen.

nordbuzz: Gab es Eierlikör?

Bülow: Eierlikör gibt es immer! Ich war wahnsinnig aufgeregt und hatte Herzrasen, aber Udo sorgt dafür, dass man sich sofort wohlfühlt. Er ist das Gegenteil von einem mürrischen Menschen, und ich habe von ihm eigentlich immer nur Rückenwind bekommen. Lustigerweise war ich neulich noch mal bei ihm, und dieses Mal habe ich sehr entspannt dort rumgesessen. Mittlerweile würde ich sagen, wir sind Kumpels. Wir mögen einander, und wenn ich ihn sehe, fühle ich mich eigentlich nur noch wohl. Vor allem, weil der Film jetzt fertig ist und er zufrieden damit zu sein scheint.

nordbuzz: In dem Film geht es um die Zeit vor seiner großen Karriere. Was hat Sie in Hinblick auf Lindenbergs Werdegang am meisten überrascht?

Bülow: Mir waren viele Sachen nicht so klar. Man denkt immer, er hätte einfach mal einen Song geschrieben und dann hätte jemand gesagt: „Wow, guter Song, hier ist dein Plattenvertrag“ - aber tatsächlich war er schon lange vorher in der Musikszene aktiv, hat als Drummer gearbeitet und in Jazzbands gespielt. Er ist nicht von heute auf morgen aus dem Nichts gekommen und Superstar geworden. Was mich an ihm begeistert hat, ist der Wille, immer weiterzumachen. Davon handelt ja auch der Film. Es geht darum, nicht aufzuhören, wenn einem jemand sagt, dass man so nicht weiterkommen, sondern trotzdem sein Ding zu machen.

„Das ist toll, wenn die Mucke angeht und die Menge kreischt“

nordbuzz: Gibt es etwas, das Sie mit ihm teilen?

Bülow: Ich finde es immer schwierig, mich mit ihm zu vergleichen. Bei mir ist es auch keine Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte, denn ich komme eigentlich aus ganz wohligen Verhältnissen. Zu sagen, dass meine Kindheit schwierig war und ich mich erst mal gegen das Establishment durchkämpfen musste, wäre Quatsch. Aber es gibt schon einige Identifikationspunkte in seiner Geschichte. Vielleicht hätte ich ähnlich gehandelt, gedacht oder gefühlt. Wie Udo tickt oder gewisse Entscheidungen trifft, kann ich oft nachvollziehen. Auch, manchmal stur zu sein. Im Theater muss man natürlich auf Regisseurinnen und Regisseure hören, aber immer zu machen, was die Leute sagen, ist auch nicht gut.

nordbuzz: Wann fing Ihre Leidenschaft für die Schauspielerei an?

Bülow: Ich habe mir das irgendwann in den Kopf gesetzt, da muss ich in der zehnten Klasse gewesen sein. Ich habe die Schule gehasst, weil das so eine Zwangsgesellschaft ist, wo sich alle ärgern und total fies sind. Ich wollte da raus. Allerdings wusste ich damals nicht, dass man Schauspiel auch studieren kann. Ich dachte immer, das sei so ein Ding, wo man auf der Straße angesprochen wird. Mit dem Jugendtheater kam dann die Erkenntnis, dass man davon tatsächlich leben kann, und ab da war das mein absoluter Volltraum - den ich jetzt wirklich lebe, das muss ich zugeben. Ich werde manchmal gefragt, ob ich einen Plan B hatte. Hatte ich nicht. Höchstens vielleicht der romantische Traum, Rockstar zu sein.

nordbuzz: Tatsächlich haben Sie für den Film alle Songs selbst eingesungen. Sind Sie bei den Konzertszenen auf den Geschmack gekommen?

Bülow: Ja, sehr! Es gab einen lustigen Moment: Für die eine Konzertszene hatten wir Komparsen, die die ersten drei oder vier Reihen der Halle dargestellt haben. Die haben das mit so viel Elan durchgezogen, als sei es das Größte, was sie jemals live gesehen haben. Max Schimmelpfennig, der unseren Schlagzeuger spielt, kam einmal in einer Drehpause zu uns und meinte: „Das ist schon irgendwie ein geiles Gefühl, Jungs.“ Auch wenn es nur drei oder vier Reihen waren - das ist einfach toll, wenn die Mucke angeht und die Menge kreischt. Also, selbst mal mit Musik erfolgreich zu sein, wäre auf jeden Fall ein Traum.

nordbuzz: Talent scheinen Sie zu haben - es heißt, Udo Lindenberg sei bei den Aufnahmen eines Tages ins Studio gekommen und habe, als er Sie hörte, kurzerhand angefangen zu tanzen.

Bülow: Und ich habe mitgetanzt (lacht). Seine Moves hatte ich ja schon ein bisschen drauf. Die Tracks waren noch nicht fertig abgemischt, aber klangen schon ganz gut. Udo hörte sie sich an und meinte nur: „Ich dachte ja bisher eigentlich, ich sein konkurrenzfrei.“ Das war ein schönes Kompliment. Aber ich könnte mir vorstellen, dass er nicht wirklich dran gezweifelt hat, ob er die Songs mögen würde. Denn als wir uns das erste Mal getroffen haben und uns in die Augen geschaut haben, war klar, dass wir - wie er sagen würde - zwei Vögel sind, die sich verstehen.

teleschau

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