Neue Serie: „Treadstone“

Ein Bourne ist nicht genug

Action rund um den Globus, weltweite Geheimdienstverschwörungen und dysfunktionale Killertypen: Nach fünf „Bourne“-Kinofilmen wird die „Treadstone“-Saga bei Amazon in Serienform weitererzählt.
+
Action rund um den Globus, weltweite Geheimdienstverschwörungen und dysfunktionale Killertypen: Nach fünf „Bourne“-Kinofilmen wird die „Treadstone“-Saga bei Amazon in Serienform weitererzählt.

Nach fünf Kinofilmen wird die „Bourne“-Saga bei Amazon in Serienform weitererzählt. Ohne Matt Damon, aber mit einem Blick in Vergangenheit und Zukunft des ominösen „Treadstone“-Programms, das Menschen zu Killermaschinen macht.

„Bruder Jakob“ hört man nach der US-Serie „Treadstone“ (ab 10. Januar bei Amazon Prime) definitiv mit anderen Ohren. Das Kinderlied ist ein Weckruf, mit ihm werden Schläferagenten aktiviert, die als willfährige Killermaschinen gnadenlos tödliche Missionen durchziehen. „Treadstone“? Da war doch was! In zehn Episoden will die Serie klären, warum es das illegale CIA-Spezialprogramm überhaupt gibt, mit dem einst die Leiden des jungen Jason Bourne begannen.

Als ehemaliger CIA-Agent suchte Matt Damon in den ersten drei „Bourne“-Filmen (2002-2007) verzweifelt nach seiner Vergangenheit. Neun Jahre später hat er sie im vierten Teil der Reihe gefunden: Das Programm, mit dem Jason Bourne einst zur Killermaschine geformt wurde, war enttarnt, die CIA musste es einstellen. Da könnte man eigentlich den Deckel drauf machen.

Es ist also durchaus erlaubt, sich zu fragen, was eine ganze Serie denn noch erzählen soll über das Bourne-Universum, zu dem auch das Spin-off „Die Bourne Verschwörung“ mit Jeremy Renner gehört? Nun: Zum einen muss das Versprechen eines Geheimdienstes, eine illegale Operation einzustellen, nichts heißen. Zum anderen will Showrunner Tim Kring („Heroes“) zu den Wurzeln des Übels vordringen und blickt erstmal zurück in eine Zeit, in der die Welt zwar nicht weniger grausam, aber auch noch nicht so hochkomplex war.

Im Kalten Krieg waren die Fronten klar, und wie man es von der CIA irgendwie erwarten muss, haben natürlich die anderen die Schuld an „Treadstone“, sodass einem unwillkürlich ein Stoßseufzer entfährt, wenn die Serie 1973 in einem Ost-Berliner Gefängnis beginnt. „Bitte nicht die Sowjets und die Ostdeutschen, bitte nicht KGB und Stasi.“

Ein halbes Dutzend Bournes

Ganz so einfach macht es sich „Treadstone“ dann aber zum Glück nicht. Nachdem die ersten Minuten eine langweilige Ursachenforschung befürchten lassen, erweitert die Serie den Horizont und schaut nicht nur nach vorn, sondern in die ganze Welt. Eine Killermaschine ohne Vergangenheit ist ihr nicht genug, sie lässt im Hier und Jetzt ein halbes Dutzend Bournes los.

Der ganz große Wurf mag „Treadstone“ nicht sein, dafür ist die Serie sowohl bei den Dialogen als auch in der Inszenierung zu einfach gestrickt. Aber immerhin ist sie eine erstaunlich stimmige Erweiterung des „Bourne“-Universums mit ansprechendem Unterhaltungswert. Es gibt ausreichend Action, eine Atomrakete in Terroristenhänden, diverse Befindlichkeiten innerhalb der Geheimdienste und die deutsche Schauspielerin Emilia Schüle (27, „Ku'damm 59“) als unbarmherzige KGB-Agentin.

Dazu kommt eine gute Portion familiäre Gefühligkeit. Das mag auf den ersten Blick befremdlich sein: Aber gerade der Blick ins Private ist reizvoll. Die Schläferagenten wissen nämlich nicht, dass sie Killer sind und leben ihre durchschnittlichen Leben - mit Job, Kindern, Familie. Dass sie plötzlich in der Lage sind, ein halbes Dutzend russischer Bohrinsel-Monteure zu verprügeln oder auf einer Killermission einen sehr beweglichen General kaltzustellen, überrascht die neuen Bournes am meisten. „Bruder Jakob“ hätten sie am liebsten nicht gehört.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare