Auf samtigen Pfoten

Bestseller-Verfilmung „Bob, der Streuner“ 

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„Bob, der Streuner“ erzählt von der Begegnung zwischen einem rothaarigen Kater (Bob) und einem Straßenmusiker von London (Luke Treadaway).

Nach dem Erfolg der Buchreihe „Bob, der Streuner“ kommen der rote Kater und sein Herrchen von der Straße nun ins Heimkino. Was im Verdacht massenkompatibler Unterhaltung ohne Tiefgang steht, zeigt sich am Ende als unerwartet feinfühliges, besonderes Werk.

Ein drogenabhängiger Straßenmusiker, ein Kater, der diesen zu seinem auserwählten Herrchen macht und dann noch die Liebe des Lebens? Ist das nicht ein bisschen viel Gefühl und Drama für einen Film? Mit „Bob, der Streuner“ (2016) verfilmt Regisseur Roger Spottiswoode die Bestseller-Geschichte von James Bowen (Luke Treadaway) und seinem samtpfotigen Wegbegleiter Bob. Das ist auf unerwartete Weise ein Werk feinsinniger Ästhetik, schauspielerischen Könnens und vor allem verzaubernd schöner Singer-Songwriter-Musik. Mit 350.000 gelösten Kinotickets in Deutschland ein solider Erfolg, erscheint der Film nun auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

Sogleich zieht der Film „Bob, der Streuner“ in den Sog des rauen Großstadtlebens. Regnerische, kühle Aufnahmen führen direkt in den urbanen Trubel, wo geshoppt, gespritzt und gesungen wird, und die getriebene Seele des einsamen Individuums versucht zu bestehen, nicht unterzugehen. Luke Treadaway („Fortitude“) überzeugt auf eindringliche Weise in der Rolle als Einzelner inmitten von Tausenden; als feinfühliger Straßenmusiker, der versucht, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und mit seinen Liedern Zwischenmenschlichkeit auf den Straßen der Anonymität zu schaffen.

Damit James seine Drogensucht endlich überwinden kann, braucht er einen sicheren Platz fernab der Straße, weshalb ihm seine Betreuerin Val (Joanne Froggatt, „Downton Abbey“) eine kleine Sozialwohnung verschafft. Schon in der ersten Nacht stellt sich James sein neuer, rothaariger Wegbegleiter mit Geklapper und Geklirr vor: Der Kater von der Straße schlüpft durch das offene Fenster, schubst die Cornflakes vom Tisch und genießt diese sogleich als nächtlichen Imbiss. Nach anfänglichen Versuchen, den haarigen Störenfried aus der Wohnung zu jagen, gewöhnt sich der junge Straßenmusiker an die Vorstellung, sein Leben von nun an mit einem Kater zu teilen, und dieser hat sowieso unlängst entschieden: Er ist gekommen, um zu bleiben.

Wiewohl „Bob, der Streuner“ vermuten lassen könnte, es handle sich um ein ebenso herzerwärmendes wie einfach gestricktes Film-Erlebnis mit Liebe, Tier und Drama, überrascht der Film am Ende durch die Leistung des ganzen Teams: Regisseur Roger Spottiswoode beweist Ideenvielfalt und Kreativität in Sachen Filmsprache, Luke Treadaway überzeugt durch sein Schauspiel - und dann ist da natürlich noch der wunderbar charmante Bob!

tsch

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