Ab 04. Juli

Mit Blacky Fuchsberger und Peter Ustinov auf Mörderjagd beim 3sat-Krimisommer

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„Es geschah am hellichten Tag“ (09.07., 18.40 Uhr): Kommissar Matthäi (Heinz Rühmann) engagiert die ledige Fabrikarbeiterin Heller (Maria Rosa Salgado) als Hauswirtin. Die arglose Mutter ahnt nicht, dass der Kommissar a. D. ihre kleine Tochter als Lockvogel benutzt.

Etwa 5.000 Krimis werden jährlich bei ARD, ZDF und ihren Satelliten gesendet. Trotzdem beglückt uns 3sat noch mit einem „Krimi-Sommer“ (vom 04. Juli bis 13. August) aus den Regalen.

Sommerpause bei den Großkrimis von ARD und ZDF. Mal kein neuer „Tatort“, kein „Polizeiruf 110“, kein Samstagskrimi, und auch am Donnerstag im Ersten sind nur maue Wiederholungen im Programm. Doch auch jetzt, im Sommer, müssen Krimis sein. Der Deutschen Krimilust ist ungebrochen. Es ist tatsächlich kaum zu fassen: Über 5.000 Krimis jährlich, Einzelstücke und Serien haben fleißige Lieschen bei ARD und ZDF samt Nebenprogrammen gezählt. Es ist halt doch zu schön, aus dem sicheren Winkel heraus Gewaltverbrechen zu beobachten und ihrer Aufklärung zu harren. Dass da der Kulturkanal 3sat auch noch zum 30 Stücke umfassenden „Krimisommer“ bittet (ab 04. Juli, bis Mitte August), mag man auf den ersten Blick überflüssig finden. Doch die Mischung macht's - und die Originalität des erlesenen Programms: Die 60er-Jahre-Antiquität einer Edgar-Wallace-Reihe mischt sich mit wahrer Krimi-Klassik, dazu werden Serienstoffe aus Schweden, Deutschland und Österreich gereicht.

Wer sich über Alfred Vohrers Wallace-Filme in Schwarzweiß, welche London nach Hamburg, Berlin oder München transferieren, immer noch mokiert, ist ein Schuft. Man muss es ja nicht gleich mit dem Leinwand-Bösewicht Klaus Kinsky halten, der Vohrers Assistentin Eva Ebner als Widmung in ihr Script schrieb: „Für Eva, die mich vergessen ließ, in was für Scheißfilmen ich mitgemacht habe.“

Der Film „Der Zinker“ wurde dennoch zum Klassiker, vor allem dank Vohrers Ironie. Ein Hehler tritt in Londons Unterwelt seit Jahren mit der selben Masche auf: Wer seine Hehlerpreise ablehnt, wird an die Polizei verpfiffen. (3sat, am 05.07., 22.25 Uhr). Bereits tags zuvor darf der so genannte „Hai“ in einer Londoner Hafenspelunke sein Unwesen treiben. Im „Gasthaus an der Themse“ jagt der Schurke im Taucheranzug seinen Opfern Harpunen durch den Körper (04.07., 22.25 Uhr). Auch Joachim Fuchsberger gerät da als Inspektor Wade in äußerste Gefahr.

Gleich drei Inspektoren, Joachim Fuchsberger, Heinz Drache und Siegfried Lowitz werden in „Der Hexer“ (06.07., 22.25 Uhr) auf Arthur Milton, den „Mann mit den tausend Gesichtern“ angesetzt. Eile ist geboten, denn immerhin gilt es dem nach Australien gefohnenen „Hexer“ zuvor zu kommen, der nun den Tod seiner Schwester rächen will. - Auch der zweite Film um den Masken-Gangster „Hexer“, „Neues vom Hexer“ (07.07., 22.35 Uhr) lebt von der alles beherrschenden Frage nach dem Täter. Produktion und Darsteller mussten immer wieder größte Geheimhaltung schwören, und die Presse setzte alles daran, das Geheimnis zu lüften.

Weit entfernt ist man hier von den kriminalistischen Sozialstudien oder gar tiefenpsychologischen Fallanalysen heutiger Provenienz. Krimi sollte Angst machen spannend sein. - Ganz aufs Whodunit-Modell setzt auch der Agatha-Christie-Klassiker „Das Böse unter der Sonne“ (1982) mit Peter Ustinov als belgischem Meisterdetektiv Hercule Poirot. Im Jugendstilhotel auf Capri wird eine ehemalige Broadway-Diva ermordet, jeder der Gäste ist verdächtig, doch jeder hat auch ein Alibi. Doch Poirot stellt eine entscheidende Falle. Bestbesetzung mit Jane Birkin, James Mason und Diana Rigg. Der Sommerfilm schlechthin, und nur der Tatsache, dass er bereits viele vergangene Sommerreihen schmückte, kann die Strafversetzung bis weit nach Mitternacht zu verdanken sein. (09.07., 03.25 Uhr).

Dass der Film mitten in der Nacht gesendet wird, verdankt sich einem für Sonntag, 09.07., rund um die Uhr anberaumten Krimitag: „Der Mord im Orient-Express“ (gleichfalls nach Agatha Christie, um 01.25 Uhr) und „Es geschah am hellichten Tag“ (nach Dürrenmatt, um 18.40 Uhr) sind weitere Klassiker des Whodunit-Genres. Poirot klärt im Eiltempo einen Mord im steckengebliebenen Zug an der jugoslawischen Grenze auf, und Heinz Rühmann überführt einen Kindermörder, den Gert Fröbe so unvergleichlich diabolisch spielt. Im Fritz-Lang-Klassiker „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“ von 1931 darf man um 20.15 Uhr Peter Lorre noch einmal als gejagten, unschuldig schuldig gewordenen Täter erleben. Es wird deutlich, wie schmal der Grat hin zum selbstgewissen Faschismus ist (09.07., 20.15 Uhr).

Gut und gerne hätte sich 3sat mit diesen und weiteren Kinoklassikern begnügen können. Matti Geschonneks Polizeithriller „Tod einer Polizistin“ (2013) am 04.07., um 20.15 Uhr, wirkt da fast wie eine Zeitenwende zur Eröffnung des Krimisommers. Die harten Männer danken ab, eine junge Polizistin (Rosalie Thomass) setzt sich jetzt für Recht und Ordnung ein. Götz George dagegen ist hier noch einmal ein Tatmensch, ein Brausekopf im Dienst der Gerechtigkeit.

Auch im Krimisommer darf Serielles nicht fehlen: Gleich in sechs Fällen ermittelt die schwedische Kommissarin Irene Huss (Angela Kovacs) für die Kripo Göteborg. „Der tätowierte Torso“ heißt der erste Film (11. 07., um 22.25 Uhr). Bei ihrer Arbeit wird Irene Huss mit grausamen Verbrechen aller Art konfrontiert. Doch es gelingt ihr, die Balance zwischen Privatleben und Arbeit zu halten. Zudem liegen ihr die Kollegen sehr am Herzen - manchmal setzt sie sogar ihr Leben für sie ein. - Düstere Stockholmer Action bieten dagegen die „Easy Money“-Folgen „Mach sie fertig“ (05.07., 23.50 Uhr) und „Lass sie bluten“ (06.07., 23.45 Uhr) nach den „Snabba Cash“-Romanen von Jens Lapidus. JW (Joel Kinnamann), der Student, der in „Easy Money - Spür die Angst“ ans große Geld wollte und deshalb zum Kokainschmuggler wurde, sitzt nun im Gefängnis und schmiedet Pläne für ein ehrliches Leben danach. Doch daraus wird nichts - das Leben ist kein Kinderspiel. Die meisten der 30 Thriller und Actionkrimis, die sie bei 3sat so fleißig zusammengewürfelt haben, machen es mehr als deutlich.

tsch

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