Beethovens Neunte - Symphonie für die Welt

Mit Beethoven um die ganze Welt: Auf den Spuren einer weltberühmten Komposition

Die Bratscherin Nicoli Martins aus Sao Paulo ist ein wahrer Beethoven-Fan. Sie verdankt ihre Profession der Gründung eines Musikinstituts in Belo Horizonte.
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Die Bratscherin Nicoli Martins aus Sao Paulo ist ein wahrer Beethoven-Fan. Sie verdankt ihre Profession der Gründung eines Musikinstituts in Belo Horizonte.

Ludwig van Beethovens neunte Symphonie ist eines der beliebtesten Werke der Musik überhaupt. Eine TV-Dokumentation von Christian Berger begibt sich rund um den Globus auf die Suche nach Gründen für diesen allumfassenden Erfolg - von Salzburg bis Kinshasa, von London bis Osaka und Shanghai.

So viel Beethoven war noch nie. Anlässlich des 250. Geburtstags am 17. Dezember 2020 liefern sich nicht zuletzt die Kulturprogramme ein wahres Wettrennen um die Würdigung des großen Komponisten. Mit dem Feature „Beethovens Neunte - Symphonie für die Welt“ (Sonntag, 02. Februar, 23.00 Uhr) wagt ARTE schon mal Ungewöhnliches. Autor Christian Berger ist mit anderen um die Welt gereist, um an verschiedensten Stellen des Planeten das Besondere an Beethovens populärstem Werk zu ergründen - der neunten Symphonie. Die Reise führt nicht nur nach Salzburg, wo Shooting-Star Teodor Currentzis die Neunte mit fast so gestrenger Miene wie Beethoven selber einstudiert und nahelegt: „Wenn jemand von einem anderen Planeten kommt und fragt: 'Was macht die menschliche Zivilisation aus?', dann sollte man am besten die neunte Symphonie spielen.“ Curentzis ist denn auch ein ausgezeichneter Beethoven-Exeget, der das Genie zu würdigen versteht, ohne sich in bloßen Superlativen zu ergehen.

Doch von Salzburg geht es im Eiltempo gleich weiter - nach Shanghai, Osaka, Barcelona und London, nach Kinshasa im Kongo und nach Sao Paulo. Die Begeisterung für Beethoven ist in allen diesen Städten groß und immer findet sich ein engagierter Komponist oder Dirigent, der seinen Schülern den Klassiker glutvoll nahebringt. In Osaka singen sie gar den Schlusschor, die „Ode an die Freude“ zu Zehntausenden im Stadion, und es klingt nicht einmal so schlecht. Der chinesische Komponist und Regisseur Tan Dun („Tiger and Dragon“) arbeitet just für die selbe Royal Philharmony Society, die 200 Jahre zuvor Beethoven mit der Komposition der neunten Symphonie beuftragte, an einem neuen Werk namens „Nine“ und kämpft dabei mindestens so sehr wie sein Vorbild damit, einen Einstieg zu finden.

In Barcelona lauschen Gehörlose dem Werk des gehörlosen Komponisten mit Begeisterung und erklären, wie das geht - nämlich mittels der vom Orchester erzeugten Vibrationen. Der Zuschauer kann das umso deutlicher nachempfinden, als er stellenweise wie ein Tauber hört - nämlich sehr, sehr wenig. In Kinshasa proben sie mit Begeisterung, nicht einmal ein Gewittersturm hält die Amateurmusiker vom Gelingen ab. In Sao Paulo, Brasilien, sind sie schon keine Amateure mehr - mitten in einer Favela wurde ein hochwertiges Musikinstitut gegründet.

„Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen“

Das Ganze gerät zu einer Collage aus vielen begeisterten Statements, gescheiten Analysen und Probenmitschnitten, die noch einmal den Schlusssatz der berühmten Beethoven-Symphonie feiern. Erklärungen für deren Popularität gibt es viele. Doch im Ganzen gilt wohl auch hier mit Goethe: „Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen.“

Vor der andauernden Popularität dieser Musik sollte man sich aber keineswegs scheuen, auch wenn sie inzwischen durch noch so viele Hände ging. Diese Botschaft wird überzeugend vorgetragen.

teleschau

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