Hinter dem Bademantel

American Playboy: The Hugh Hefner Story

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Auch wenn er dafür immer wieder heftig kritisiert wurde: Hugh Hefner kultivierte mit dem sexy Häschen ein neues Frauenbild, und er hatte damit unvorstellbaren Erfolg.

Playmates, Partys und eine Marke, die inzwischen für viel mehr steht als ein Heft mit nackten Schönheiten: Mit „American Playboy: The Hugh Hefner Story“ widmet Amazon dem Herren der Häschen eine Serie für die Ewigkeit, die im Jetzt allerdings nicht viel wert ist.

Hugh Hefner hat Geschichte geschrieben, das weiß jeder. Woran aber denkt man im Jahr 2017, wenn sein Name fällt? Natürlich an den „Playboy“, an viele Bunnys, an den roten Bademantel. Daneben war es aber vor allem ein Trash-TV-Format mit einem lüsternen, schrulligen Opa, welches das Bild des späten Hugh Hefner prägte. Zuletzt hat sich der inzwischen 91-Jährige fast völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die Zeit scheint gekommen, daran zu erinnern, dass da viel mehr war als ein Haufen nackter Pin-ups. Mit „American Playboy: The Hugh Hefner Story“ (abrufbar ab 5. Mai) startet bei Amazon eine Dokuserie, die mit Objektivität wenig am Hut hat, der schwindenden Ikone aber ein würdiges Denkmal setzt.

Schon die allererste Szene ist verdächtig: Nicht Hugh Hefner ist da zu sehen, sondern sein Sohn Cooper, der inzwischen das „Playboy“-Unternehmen mitführt und dem Zuschauer verspricht: So wie hier wurde die Geschichte seines weltberühmten Vaters noch nie erzählt. Ist klar. Was dann kommt, ist über weite Strecken ein stylisch verpackter Werbespot in Doku-Form. Der „Playboy“ und Hugh Hefner werden so dargestellt, wie man sich selbst gerne sieht und wie man auch in vielen Jahren noch erinnert werden möchte: cool und sexy, mit dem König unter den Lebemännern an der Front und vielen, vielen schönen Frauen. Hier wird eine Marke gepflegt.

Cooper Hefner behält mit seiner vollmundigen Ankündigung aber doch Recht, so wie hier wurde die Geschichte von Hugh Hefner tatsächlich noch nicht erzählt. Dem Regisseur Richard Lopez standen für seine Serie mehrere tausend Stunden Archivmaterial zur Verfügung, Hugh Hefner gab vieles aus seiner privaten Sammlung heraus. Da hat man dann durchaus genug Stoff, um eine zehnteilige Serie ausreichend zu befüllen, sie hübsch zu bebildern und Hefners Leben substanzvoll nachzuerzählen. Hinzukommen bei „American Playboy“ zahlreiche nachgespielte Szenen. Die sind zwar inhaltlich weitgehend überflüssig, bieten aber zumindest eine Gelegenheit, neben all den leicht verrauschten Archivszenen auch ein bisschen nackte Haut in High Definition auf die Bildschirme zu bringen.

Wirklich Neues erfährt man nicht über Hugh Hefner. Dafür, und darin liegt die primäre Daseinsberechtigung für dieses Format, werden in der Chronik auch diejenigen Aspekte seines Lebens hervorgehoben, die zuletzt hinter Trash-TV und dem roten Bademantel verschwunden waren. So wird in der bei allen Schauwerten auch sehr informativen Serie etwa geschildert, warum es den „Playboy“ ohne das „Esquire“-Magazin nie gegeben hätte. Oder was für einen Coup Hugh Hefner 1953 landete, als er einen großen weiblichen Hollywoodstar splitterfasernackt auf dem Cover der ersten Ausgabe seines Hefts abbildete.

Den heutigen Hugh Hefner bekommt der Zuschauer in „American Playboy“ übrigens kaum zu Gesicht. Um den großen Zampano selbst in der Serie zu Wort kommen zu lassen, greifen die Macher hauptsächlich auf Interviews aus den 90er-Jahren zurück. Was aber auch wieder zur Ausrichtung passt: So erlebt man Hefner noch voll auf der Höhe, als eloquenten, intelligenten Freigeist voller Ideen, der sein umstrittenes Lebenswerk überzeugend zu verteidigen weiß. So wird „American Story“ zu einem gebügelten und recht frei gestalteten Porträt, das im Jahr 2017 keinen sehr großen Wert hat. Für alle, die in zehn oder zwanzig Jahren wissen möchten, wofür Hefner und der „Playboy“ einst standen, könnte diese Serie aber die attraktivste Quelle sein.

tsch

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