Netflix-Serie „Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands“

Alles ist eins

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Die Gelfinge Rian (rechts) und Deet (Mitte) wollen auf dem Planeten Thra eine Revolution anzetteln. Ein kleiner Podling bewundert sie für ihren Mut.

Vor 37 Jahren setzten zwei mutige Gelflinge mithilfe des dunklen Kristalls der Terrorherrschaft der gierigen Skekse ein Ende. Ab 30. August erzählt die Netflix-Serie „Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands“ die Vorgeschichte des Puppentrick-Klassikers von Muppets-Erfinder Jim Henson.

Davon abgesehen, dass „Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands“ ein visueller Festakt ist, ein so brillant gefilmter wie opulent ausgestatteter Trip in eine Welt, in der die Fantasie noch keine Grenzen kennt, ist die Netflix-Serie auch ein Lehrstück. Und zwar darüber, wie alles zusammenhängt und miteinander verbunden ist, wie komplex und sensibel das Gleichgewicht des Lebens ist. Aber keine Angst: In den zehn Episoden kommen keine Moralapostel und Apologeten der Apokalypse um die Ecke, sondern putzige Gelflinge. Diese hatten ihren Planeten eigentlich schon 1982 in „Der dunkle Kristall“ vom Joch der Tyrannei befreit. Bei Netflix gibt es ab 30. August die Vorgeschichte des Puppentrick-Klassikers zu sehen, den Muppets-Erfinder Jim Henson und Frank Oz damals ins Kino brachten.

Auf Thra lebten einst alle Wesen und die Natur im Einklang miteinander. Der Kristall der Wahrheit spielte dabei eine bedeutende Rolle, seine Energie sorgt für den Herzschlag des Planeten: bis die Skekse ankamen. Die gierigen Gesellen, die aussehen wie eine Mischung aus Aasgeiern und Reptilien, haben sich den Kristall ergaunert und beuten ihn für den Traum vom ewigen Leben aus - vor langer Zeit schon wurde der Kristall dunkel, der Planet siecht dahin.

Nur weiß das niemand: Nach außen präsentieren sich die Skekse als Wohltäter und Beschützer. Sie sichern ihre Macht, indem sie alle anderen Lebewesen wahlweise gegeneinander ausspielen oder sich mit der Befriedigung einfacher Gelüste gefügig machen. Ein bisschen Gewalt und ein erschwerter Zugang zu Bildung tun das Übrige, damit sie in Ruhe den ganzen Saft aus dem Planeten lutschen können und alle anderen ihren Platz akzeptieren und nichts infrage stellen. Doch eines Tages machen sich drei Gelflinge, elfenartige Wesen, die Thra bevölkern, auf den Weg, um einen Aufstand gegen die Schreckensherrschaft der Skekse anzuzetteln.

Puppentrick in opulenter Kulisse

Verweise auf die heutige Welt kann nicht nur erkennen, wer mag. Sie sind so offensichtlich, dass man sie gar nicht übersehen kann. Ein Mangel ist das freilich nicht, genauso wenig wie die einfach gestrickte Heldenreise: Es ist eine einfache Geschichte, die von Gut und Böse handelt, von Wissen und Glauben, von Moral und Verkommenheit, von freiem Willen und blindem Gehorsam, von Aufbruch und Bequemlichkeit.

„Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands“ ist vor allem ein Fest für Nostalgiker. Puppentrick! Wann hat man das zuletzt gesehen in der von Computern gleichgeschalteten Animationswelt unserer Tage? Klar: Auch Regisseur Louis Leterrier (ja, der von den „Transporter“-Filmen) verzichtet nicht auf Computer. Allerdings ist „Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands“ eine sehr natürlich wirkende Evolution von Jim Hensons Kinofilm, der schon vor 37 Jahren mit seinem Detailreichtum beeindruckte.

Die produzierende The Jim Henson Company verschmilzt moderne CGI-Effekte mit der Tricktechnik vergessen geglaubter Tage zu einer harmonischen Verbindung zweier Welten, dass einem die Augen übergehen. Die Ohren gehen einem übrigens auch über: Sie werden von Lautstärke und akustischer Hysterie arg strapaziert.

Als Allegorie auf diese unsere Welt, hätte „Der dunkle Kristall: Die Ära des Widerstands“ nicht schärfer formuliert sein könnte. Die Kleinen und Schwachen werden hier einfach überfahren, wenn sie nicht aufpassen. Wer sich kritisch gegenüber der vorherrschenden Meinung äußert, wird ausgestoßen.

„Ich pflanze Geschichten in ihre Köpfe, aus denen eine Wahrheit wird“, sagt einmal ein Kammerdiener, der sich als PR-Beauftragter um die Machterhaltung der Skekse kümmert und mit ein paar gestreuten Gerüchten prompt Hass und Zwietracht sät. Die Gesellschaft ist gespalten, das Ziel erreicht Ja, die Gelflinge sind definitiv reif für eine Rebellion. Nicht nur sie.

teleschau

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