Lockdown-Lümmelei

Hamburger UKE veröffentlicht Studie: Corona macht Kinder internetsüchtig

In der Coronavirus-Krise entwickeln Kinder und Jugendliche eine Internetsucht. Handys und Spielekonsole im Fokus. UKE Hamburg klärt mit Studie auf.

Hamburg – Daddeln, bis der Arzt kommt: Deutsche Kinder sind internetsüchtig. Schuld sind die Corona*-Krise und die damit verbundenen Lockdowns. Zur Ablenkung greifen Kinder und Jugendlicher verstärkt auf Online-Spiele zurück. Wo sich früher auf dem Bolzplatz verausgabt wurde, herrscht heute der Controller vor. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)* klärt auf.

Krankenhaus in Hamburg:Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
COVID-19-Informationen:uke.de
Adresse:Martinistraße 52, 20251 Hamburg
Öffnungszeiten:Rund um die Uhr geöffnet
Notaufnahme:Rund um die Uhr geöffnet
Telefon:040 74100
Betten:1738 (davon 210 im Universitären Herzzentrum Hamburg und 68 in der Martini-Klinik)
Dekanin:Blanche Schwappach-Pignataro
Tochtergesellschaften:Martini-Klinik am UKE, Altonaer Kinderkrankenhaus, MediGate GmbH
Gründung:1889
Normen:Qualitätsmanagementnorm, ISO 14000
Anzahl der Betten:1.460

Hamburger UKE mit erschreckender Studie: Internetnutzung von Kindern steigt durch Corona enorm an

Rainer Thomasius ist der Ärztliche Leiter am Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Hamburger* Universitätsklinikum. Der Kinder- und Jugendpsychologe stützt sich in seinen Ausführungen auf die Zwischenergebnisse einer Studie seines Instituts sowie der DAK-Gesundheit. Untersucht wird die bundesweite Mediennutzung bei insgesamt 1200 Familien.

Eine Studie vom UKE ergibt, dass Kinder und Jugendliche in der Corona-Krise eine hohe Internetnutzung aufweisen. (24hamburg.de-Montag)

Die ausgewählten Monate sind der September 2019, der April 2020 (Beginn der ersten Lockdowns) sowie der November 2020 (Beginn des zweiten Lockdowns). Konkret wird das Nutzerverhalten von Kindern und Jugendlichen zwischen elf und 18 Jahren, getrennt nach Spielen und Social Media, analysiert.

Erster Corona-Lockdown: Kinder und Jugendliche zocken täglich zwei Stunden Videospiele

Erste Ergebnisse legen erschreckendes offen. Zwischen Ende März und Anfang Mai 2020, also in der Phase des ersten Lockdowns, sei die Internetnutzung bei digitalen Spielen enorm angestiegen. Während sich der Wert im September 2019 noch auf durchschnittlich 83 Minuten belief, betrug der Wert im April 2020 täglich 132 Minuten. Dies bedeutet einen Anstieg um 59 Prozent.

Eine Zahl, die mit dem Anstieg bei der Nutzung der sozialen Medien vergleichbar ist. Hiermit verbrachten Kinder und Jugendliche im April 2020 täglich 189 Minuten – 63 Prozent mehr als im September vor Beginn der Coronavirus-Krise. Nicht mehr ganz so dramatisch lesen sich die Zahlen für den zweiten Lockdown.

Zweiter Corona-Lockdown: Kids gewöhnen sich an Extremsituation – weniger Social Media und Videospiele

Demnach spielten Kinder und Jugendliche im November 2020 an einem Werktag im Schnitt 115 Minuten digitale Spiele. Somit sei ein Rückgang von 15 Prozent gegenüber dem ersten Lockdown zu verzeichnen. Die sozialen Medien wurden täglich noch 147 Minuten genutzt. Ein Wert, der einen Rückgang um 29 Prozent im Vergleich zur Erhebung im April 2020 bedeutet.

Diesen Effekt erklären sich Rainer Thomasius und sein Team durch eine Gewöhnung an die besondere Situation. Da der zweite Lockdown nicht mehr so überraschend wie der erste gekommen sei, gab es Möglichkeiten zur Vorbereitung, um sich die Zeit sinnvoll einzuteilen. Mit beispielsweise mehr Bewegung kann auch eine Corona-Wampe vermieden werden.

Videospiele und Social Media zum Stressabbau – „Sorgen vergessen“ in der digitalen Welt?

„Kinder und Jugendliche fanden einen zunehmend konstruktiven Umgang mit der Pandemie und den eingeschränkten Möglichkeiten, die sie mit sich bringt“, wird der Ärztliche Leiter am UKE vom „Hamburger Abendblatt“ zitiert. Jedoch müsse auch berücksichtigt werden, dass der „harte Lockdown“ erst nach der Erhebung der Daten durchgeführt wurde.

Dementsprechend sei es unwahrscheinlich, dass eine vergleichsweise besonnene Internetnutzung durch Kinder und Jugendliche im zweiten Lockdown angehalten hat. Jugendliche würden Computerspiele und soziale Netzwerke vor allem dafür nutzen, um Stress abzubauen, „Sorgen zu vergessen“ und ihre Wut zu kompensieren.

Derzeit wird eine weitere Befragung ausgewertet, die im April 2021 erhoben wurde. Doch ist der Medienkonsum im Rahmen der Coronavirus-Krise auch allgemein angestiegen* – unabhängig von der Altersgruppe. * 24hamburg.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ralph Peters/imago images & Waldmüller/imago images

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