Polizeigewalt vs. Gewalt gegen Polizei

Krawalle in Stuttgart und Bremen: So abgeklärt und cool würde Hamburgs Polizei reagieren

In Stuttgart eskaliert eine Drogenkontrolle. Hunderte Partygänger randalieren in der Innenstadt. In Bremen kommt es ähnlichen Vorfällen. So stehen die Chancen, dass es auch in Hamburg zur Corona-Randale kommt.

  • In Stuttgart führt eine Polizeikontrolle in der Partyszene zu massiven Ausschreitungen und Plünderungen.
  • Auch die Polizei Hamburg* muss in bekannten Partyvierteln durchgreifen.
  • Anders als in Bremen und Stuttgart bleibt es in Hamburg* allerdings ruhig.

Hamburg – Sonst produzieren die George-Floyd-Proteste in den USA solche Szenen. Diesmal kommen sie aus Stuttgart. Steine und Flaschen fliegen, vierzig Schaufenster gehen zu Bruch, neun Läden werden geplündert, zwanzig Polizisten verletzt. Ein 17-Jähriger soll wegen eines Drogenvergehens festgenommen werden. Doch die Anwesenden solidarisieren sich mit dem jungen Mann. Dann eskalierte die Situation. In Hamburg gab es am Wochenende einen ähnlichen Einsatz. Doch alles blieb ruhig. Ob das so bleibt und was die Hamburger Polizei anders macht.

Stadt in DeutschlandHamburg
Fläche755,2 Quadratkilometer
Bevölkerung1,899 Millionen Menschen (30. Dez. 2019)
BürgermeisterPeter Tschentscher
Vorwahl040

Hamburg: Verstöße gegen Coronavirus-Maßnahmen führt zu Polizeieinsatz - Ausschreitungen wie in Stuttgart möglich?

Auslöser für die Proteste in Stuttgart sei laut Angaben der Polizei eine Drogenkontrolle gewesen. Die Beamten wollten einen Jugendlichen festnehmen. Doch die umstehende Menge habe sich mit dem Mann solidarisiert und Flaschen und Steine geworfen. Noch in der Nacht vermeldet ein Polizeisprecher: „Die Situation ist völlig außer Kontrolle.“ Die Beamten vor Ort sind scheinbar überfordert. Etwa hundert Einsatzkräfte aus dem Umland müssen kommen. In Summe sind 300 Polizisten im Einsatz um die randalierende Meute unter Kontrolle zu bringen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Seit drei Monaten gelten in Deutschland Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen. Jetzt wird es Sommer und die Menschen strömen wieder auf die Straßen. Zum Feiern, zum Bier trinken. Dabei verstoßen viele gegen die Auflagen im Kampf gegen das Coronavirus-Sars-CoV-2. Dann schreitet die Polizei ein. Dabei kam es auch in Bremen zu gewalttätigen Protesten*. Dort mussten einige Coronavirus-Beschränkungen* deshalb wieder verschärft werden.

Coronavirus Hamburg: Ausschreitungen in Stuttgart - Polizei Hamburg sieht hohe Akzeptanz trotz Kritik aus Bevölkerung

Auch in Hamburg pfeifen viele Menschen auf die Kontaktbeschränkungen. Gerade auf der beliebten Partymeile rund um die Sternschanze. Am vergangenen Freitag, 19. Juni, versammelten sich dort hunderte Menschen, genossen das gute Wetter und den lauen Abend. Beim „cornern“. Also Beisammensein auf den Straßen außerhalb von Bars und Kneipen.

Doch dann musste die Polizei eingreifen. Zunächst mussten sie den Betreibern der Kioske den Alkoholverkauf untersagen. Viele der Pop-up-Party-Gänger hatten sich dort mit Alkoholika eingedeckt. Als dieses Vorgehen nichts half, mussten die Beamten den Betrieb gänzlich untersagen. Kneipen mussten schließen und Straßenhändler den Platz verlassen.

Ausschreitungen in Stuttgart: Polizei Hamburg im Einsatz gegen Coronavirus-Verstöße - drohen Proteste und Ausschreitungen?

Nach den Ausschreitungen muss die Königstraße in Stuttgart wieder auf Vordermann gebracht werden.

Anders als in Stuttgart kam es in Hamburg allerdings nicht zu Ausschreitungen. Dabei handelt es sich bei den Betroffenen Personen um das gleiche Klientel - die „Party- und Eventszene“, wie sie die Stadt Stuttgart nach den Vorkommnissen nennt. Thomas Strobl (CDU), der Innenminister Baden-Württembergs, erklärte in den ARD-Tagesthemen, dass es nur wenige Anzeichen für eine politische Motivation hinter den Taten gäbe.

In Hamburg mussten die Beamten zuletzt negative Erfahrungen mit den Protesten der Black Lives Matter Bewegung machen*. Die liefen nicht so friedlich ab, wie sich das sicherlich alle Beteiligten gewünscht haben. Aus den Vorfällen scheint die Polizei allerdings gelernt zu haben.

Trotz rauer Debatte und kritischer Bevölkerung: Polizei Hamburg sieht keine Gefahr - Akzeptanz groß

Die Beamten würden bei der Durchsetzung der Vorschriften im Rahmen der Coronavirus-Pandemie „grundsätzlich mit Augenmaß vorgehen“, wie Evi Theodoridou, Pressesprecherin der Polizei Hamburg gegenüber 24hamburg.de* mitteilt. „Die Beamten führen daher grundsätzlich zur Einhaltung der Auflagen sensibilisierende Gespräche.“ Bei Verstößen müssten allerdings „konsequent Ordnungswidrigkeiten-Verfahren eingeleitet“ werden.

Trotz der Vorfälle in Stuttgart, die von der Polizei Hamburg natürlich nicht bewertet werden können, sehen die Beamten der Hansestadt keine gesteigerte Bedrohung. Obwohl der Ton in der öffentlichen Debatte zuletzt rauer wurde, wie auch die Anzeige gegen Journalistin Hengameh Yaghoobifarah* zeigt. Evi Theodoridou betont: „Obwohl festzustellen ist, dass die Maßnahmen zur Einhaltung der Rechtsverordnung in der Bevölkerung zum Teil auch kritisch betrachtet werden, wird der Polizeipräsenz immer noch freundlich begegnet. Die Akzeptanz und Kooperationsbereitschaft sind nach wie vor groß.“ // Quelle: 24hamburg.de/Hamburg

* 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/Simon Adomat/dpa/picture alliance

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