Mit Kuppel und Klinker-Ornamenten

Hamburger Islam-Friedhof: Stadt baut neue Grabstätten für zwei Millionen Euro

Glück im Unglück für islamische Friedhofsgänger und ihre verstorbenen Angehörigen: Weil der geplante Bau der Autobahn 26-Ost an der Wilhelmsburger Kornweide von 41 muslimischen Grabstätten blockiert wird, müssen die Toten nun zwar weichen, bekommen dafür aber eine neue, viel luxuriösere Ruhestätte.

  • Stadt Hamburg* baut Islam-Friedhof für zwei Millionen Euro.
  • Die 41 alten Grabstätten weichen der Baustelle der neuen A26-Ost.
  • Dafür werden 500 neue Gräber und ein Waschraum geschaffen.

Hamburg – Bisher lagen 41 verstorbene Muslime auf dem Friedhof Finkenriek in Hamburg-Wilhelmsburg. Nun soll dort bald die neue Autobahn 26-Ost an der Wilhelmsburger Kornweide entlangführen, per Tunnel die A1 mit der A7 verbinden. Die Gräber müssen weg und die Verstorbenen „umsiedeln“ – eine ungeheuerliche emotionale Belastung, wie Projektleiterin Daniela Jung im Norddeutschen Rundfunk (NDR*) bekundet: „Ich glaube, dass es im Zuge eines solchen Vorhabens – eine Autobahn zu bauen – schon ein Unterschied ist, ob ich ein normales Wohnhaus abreißen muss, um was umzubauen oder, ob ich in dem Zusammenhang Tote umbetten muss. Das ist für die Angehörigen eine ungeheuerlich große emotionale Belastung.“

Stadt:Hamburg
Fläche: 755,2 km²
Bevölkerung: 1,899 Millionen (30. Dez. 2019)
Vorwahl: 040
Bürgermeister: Peter Tschentscher

Islam-Friedhof in Hamburg: So viel kostet der Bau der neuen Grabstätten inklusive Waschhaus die Stadt

Doch der neue, größere Friedhof soll nun Abhilfe schaffen. Dafür nimmt die Stadt Hamburg stolze zwei Millionen Euro in die Hand. Statt 41 werden der Islam-Gemeinde dann 500 Grabstätten zur Verfügung stehen. Zur Orientierung: Allein in Wilhelmsburg leben rund 70.000 Muslime. Daniela Jung: „Zudem bekommen die islamischen Gemeinden, die Waschungen für Begräbnisse durchführen, ein Waschhaus.“ Dieses wurde ihnen bereits am Dienstag, 28. Juli 2020, übergeben.

Osman Kimil, Vorsitzender der islamischen Gemeinden in Wilhelmsburg, freut sich über den neuen Islam-Friedhof. (24hamburg.de-Montage)

Muslimischer Friedhof in Hamburg-Wilhelmsburg als „Entschädigung“ für islamische Gemeinde

Das Waschhaus kostet mit den 500 Grabplätzen zusammen zwei Millionen Euro und soll auch optisch was hermachen – Kuppel und Klinker-Ornamente inklusive. Das Ganze solle auch eine Art „Entschädigung“ für die Umbettung der Toten sein. Auf NDR.de ist zu lesen: „Der Islam erlaubt die Umbettung, doch es schmerzt die Angehörigen. Deshalb schaffen ihnen die Stadt und die Autobahnplaner der Deges eine Art Kompensation.“ 24hamburg.de berichtet auch über den Hamburger Deutschrapper Gzuz, der sich neulich überraschenderweise einen Grabstein anfertigen ließ*.

Moslem-Friedhof in Hamburg-Wilhelmsburg: Muslime sollen Verstorbene nicht mehr in Türkei, sondern in Deutschland begraben

Bisher gibt es in Hamburg nur ein muslimisches Begräbnishaus in Öjendorf. Mit dem neuen Standort in Wilhelmsburg hätte die Islam-Gemeinde dann noch eine zweite Anlaufstelle zum Beten, Beisetzen und Waschen. Osman Kimil von den Islam-Gemeinden in Wilhelmsburg gegenüber NDR: „Für mich persönlich war es ganz wichtig, dass die Verstorbenen hier in Hamburg bleiben und nicht in die Heimatländer zurückgebracht werden müssen.“ 24hamburg.de berichtet auch über eine 16-jährige Muslima, die in Hamburg-Langenhorn als Aushilfe abgelehnt wurde, weil sie Kopftuch trägt.

Hamburg: Bau der Autobahn 26-Ost von Naturschutzbund Hamburg (NABU) und Bund kritisiert

Der Hamburger Naturschutzbund (Nabu) kritisiert den Bau der neuen Autobahn 26-Ost, da die Jahrzehnte lange Planung nicht mehr den gegenwärtigen Anforderungen entspräche. Zudem würde die neue A26-Ost Lebensräume im Hamburger Süden bedrohen. Am 13. Mai 2020 demonstrierten Nabu und Bund Hamburg deswegen vor dem Rathaus und appellierten an SPD und Grüne: „Setzt die Planung der A26 Ost aus. Das Vorhaben ist irrsinnig – ökologisch riskant, klimaschädigend und zu teuer.“ Weiter kritisieren Nabu und Bund, dass der Bau dieser Autobahn einer der teuersten Deutschlands sei und durch den Verlauf durch Landschaftsschutzgebiete und wertvolle kohlenstoffspeichernde Niedermoorstandorte die Lebensräume im Hamburger Süden gefährde. In der vom Bau betroffenen Region befänden sich allein 53 Pflanzenarten, die auf der „Roten Liste“ stehen und mehr als 80 Brutvogelarten, von denen 12 gefährdet und vom Aussterben bedroht seien.

Hamburg: Bau von Autobahn 26-Ost spaltet SPD und Grüne

Die politischen Lager seien zudem gespalten. Während die Grünen eine Überprüfung der innerstädtischen Autobahn 26-Ost angesichts abnehmender Umschlagsmengen im Hamburger Hafen* fordern, halte die Hamburger SPD* am veralteten Vorhaben trotz erheblich veränderter Rahmenbedingungen bezüglich Bedarf und Veränderung der Mobilität als notwendige Antwort auf die Klimakrise fest, so der Nabu. Und weiter: „Es wäre ein kompletter Irrsinn, die A26 Ost jetzt zu realisieren. Es ist nicht nur ein teures, sondern vor allem klimaschädigendes und ökologisch riskantes Vorhaben mit gravierenden Auswirkungen für die Natur im Hamburger Süden. Gleichzeitig sollen nur wenige Kilometer weiter nördlich bei sinkendem Umschlag im Hafen weitere Milliarden verbaut werden. Diese Art von Verkehrspolitik gehört in die Mottenkiste.“

Islam-Friedhof in Hamburg: Neben Toten müssen auch Wohnhäuser und Gründstücke der A26-Ost weichen

Übrigens müssen nicht nur die 41 Gräber der neuen A26-Ost, die in der Wilhelmsburger Kornweide unterirdisch verlaufen wird, weichen, sondern auch Grundstücke und Wohnhäuser. Der Bau der neuen Autobahn 26-Ost ist in ganz Wilhelmsburg umstritten, weil dort dann riesige Brückenbauwerke entstehen werden. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Screenshot NDR

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