Emotionale Pressekonferenz

Corona: Intensivpfleger Ricardo Lange – Belastungsgrenze längst erreicht

In einer emotionalen Rede erzählt Ricardo Lange, wie schlimm die Arbeit als Intensivpfleger im Krankenhaus während der Corona-Pandemie wirklich ist. Schockierend!

Hamburg – Die Corona-Pandemie trifft viele Menschen hart. In der Hansestadt* haben sich seit Beginn der Ausbreitung mittlerweile über 70.000 Menschen mit Corona* infiziert. Über 1400 sind gestorben. Besonders hart ist die Pandemie für die vielen Pfleger und Pflegerinnen in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen. Das beweist eindrucksvoll auch die Rede von Ricardo Lange. Er sprach kürzlich auf der Bundespressekonferenz mit Jens Spahn über die schlimmen Zustände auf den Intensivstationen. Seine emotionalen Worte bewegen.

Virus:Coronavirus
Name:COVID-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019

Intensivpfleger Ricardo Lange spricht auf Pressekonferenz: „Das macht was mit einem“

„Wenn die Patienten dann leider verstorben sind, müssen wir sie wieder zum Infektionsschutz in schwarze Plastiksäcke packen. Wir legen sie dann hinein und ziehen den Reißverschluss zu. Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, das macht was mit einem. Es ja nicht nur einmal, nicht zweimal, sondern unzählige Male“, berichtet Ricardo Lange von seinen schlimmen Erfahrungen als Intensivpfleger in einem Berliner Krankenhaus. Über Ricardo Langes dramatische Erfahrungen* berichtet auch merkur.de.

Ricardo Lange erzählt auf der Bundespressekonferenz von seinen Corona-Erfahrungen als Intensivpfleger.

Die seelische Belastung sei für Ricardo Lange aus Berlin deutlich gestiegen. Insbesondere deshalb, weil sich der Zustand der Menschen bei Corona so schnell verschlechtere. Ein Patient, dem es am Abend noch gut gehe, könne am nächsten Morgen schon verstorben sein. „Diese Situation haben wir häufig“, sagt er. Auch, dass er teilweise Monatelang um die Leben seiner Patienten kämpfe, ehe der Arzt den Angehörigen mitteilen müsse, dass die Mutter die Nacht nicht überlebe, schmerzt ihn. „Leider liegen die COVID-Patienten nicht nur wenige Tage, sondern Wochen bis Monate bei uns auf der Intensivstation“, erklärt Lange.

Klar habe man als Intensivpfleger immer mit todkranken Menschen zu tun. Aber während Corona sterben die Menschen anders, sagt Ricardo Lange. Normalerweise sterben Kranke „im Beisein ihrer Familie. (...) Diese kann im Verschlechterungsprozess jeden Tag da sein. Ohne Handschuhe, Ohne Schutzkittel, Ohne Visier“, erzählt der Pfleger. All das sei in Corona-Zeiten anders. Wenn die Familien dann kommen um sich zum Beispiel von ihrer Mutter zu Verabschieden müssen diese natürlich auch einen Mundschutz tragen. „Und das ist dann das Letzte, was die Mutter sieht“, sagt der Intensivpfleger erschüttert.

Ricardo Lange über die Corona-Lage: „Die Intensivstationen sind voll“

„Viele meine Kolleginnen und Kollegen arbeiten seit einem Jahr über ihre Belastungsgrenze hinaus“, berichtet Ricardo Lange gleich zu Beginn seiner Rede auf der Pressekonferenz. Seit Corona sei auch die körperliche Belastung für Pfleger enorm gestiegen. Das liege zum einen an der Schutzausrüstung zum anderen an der Versorgung der Corona-Patienten. Menschen, die sagen, dass die Krankenhäuser noch lange nicht überlastet sind, würde er gerne einmal auf die Intensivstation einladen.

Weil das Personal nicht da ist.

Intensivpfleger Ricardo Lange

„Die Intensivstationen sind voll. Und da gibt es keinen Interpretationsspielraum“, sagte Lange ohne zu zögern. Weil es eben nicht nur Corona-Patienten gibt, sondern auch noch andere Menschen, die versorgt werden müssen. Beispielweise nach einem Schlaganfall oder Verkehrsunfall. Die Überlastung liege vor allem daran, dass das Personal fehlt. „Es gibt auch Intensivstationen, die können nicht einmal alle Betten befahren, weil das Personal nicht da ist“, erklärt der Intensivpfleger eindringlich.

Ricardo Lange kein Einzelfall: Intensivpfleger am Limit – auch in Hamburg

Die Situation von Intensivpfleger Ricardo Lange ist kein Einzelfall. Auch in Hamburg sind die Intensivbetten teilweise knapp. Deshalb zog die Hansestadt Ende März die Corona-Notbremse und verhängte sogar eine strenge Ausgangssperre*. Erst kürzlich hatte der Hamburger Mediziner Dr. Bachmann gesagt, Hamburg bewege sich „am Rande einer Triage*“ Auch er machte deutlich, dass nicht die Betten, sondern das Personal der „limitierende Faktor“ sei.

Deshalb ist es gut, dass die Neuinfektionen in der Hansestadt immer weniger werden. Und auch, dass immer mehr Menschen sich gegen das Coronavirus impfen lassen. Aktuell ist Impf-Gruppe 3 an der Reihe*. Mit Stand 30. April 2021 haben schon 623.036 Hamburger mindestens die erste Impfdosis bekommen. Wenn in diesem Tempo weiter geimpft* werden kann, können hoffentlich auch Intensivpfleger wie Ricardo Lange wieder etwas entspannter arbeiten. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kai Nietfeld/dpa & Ole Spata/dpa

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