Sie muss um ihr Leben fürchten

Muslima in Gefahr: Nazi will Hamburger YouTube-Star töten – Staatsanwalt schlägt Rassismus-Alarm

Hilal ist Influencerin und Fitnesscoach. Als „Strong Hijabi“ betreibt sie ihre eigenen Social-Media-Kanäle und lebt den Islam offen aus. Irgendwann stalkt sie ein User. Beleidigt sie unter jedem Post rassistisch, versendet Morddrohungen. Hilal kämpft gegen die Anonymität im Netz. Bis endlich die Staatsanwaltschaft ermitteln kann.

  • Mit ihren „Strong Hijabi“ Kanälen wirkt Hilal als Fitness-Influencerin in Hamburg.*
  • Ein Stalker beleidigt sie und droht mit Mord. Youtube lässt ihn gewähren.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt wegen Volksverhetzung.

Hamburg Hilal ist kein Opfer. Wer sich mit ihr unterhält weiß das nach drei Sätzen. Im Internet übergoss ein Stalker sie monatelang mit widerlichsten Beleidigungen, rassistischen Anfeindungen und Morddrohungen. Vor allem auf Youtube. Vor allem, weil sie den Islam offen auslebt. Sie ging sofort zur Hamburger Polizei*. Ihr Kommentar dazu: „Ich bin froh, dass ich die Zielscheibe bin. Es hätte andere treffen können, die damit nicht umgehen können“, zeigt sie sich im Gespräch mit 24hamburg.de* stark. Hilal kann damit umgehen.

UnternehmenYouTube
Gründung14. Februar 2005, San Mateo, Kalifornien, Vereinigte Staaten
CEOSusan Wojcicki (5. Feb. 2014-)
Umsatz15 Milliarden USD (2019)
DachorganisationGoogle LLC (2006-)
ZentraleSan Bruno, Kalifornien, Vereinigte Staaten

Hamburg: Morddrohung auf YouTube, weil sie Islam auslebt - Hass und Rassismus gegen „Strong Hijabi“

Obwohl sich der Stalker viel Mühe gibt. Alles fing im Februar 2020 an. Wenige Tage nach den Anschlägen in Hanau kommentiert ein YouTube-User eines ihrer Videos: „Schade, dass es dich nicht erwischt hat in Hanau!“ Hilal ist zunächst geschockt. Beleidigungen ist sie gewohnt, aber das ist für sie ein neues Level.

Hilal wirkt unter dem Namen „Strong Hijabi“ in den sozialen Medien als Fitness-Influencerin. Rassismus bekämpft mit Verve.

„Es gibt immer wieder Hate-Speech-Kommentare. Damit muss man rechnen, wenn man auf Social-Media unterwegs ist. Aber So einen Kommentar hatte ich vorher noch nicht. Ich musste erstmal überlegen, wie ich damit umgehe.“

Ein Stalker spürt jedes Video von und mit ihr auf

Unter dem Namen „Strong Hijabi“ wirkt Hilal als Fitness-Influencerin. Auf YouTube bekommt sie Morddrohungen. (Screenshot)

Anders als auf TikTok (14.300 Follower) ist ihr YouTube-Kanal eher klein (375 Follower). Hilal zieht den Nutzen aus einer sehr regen Interaktion mit ihren Usern und weniger aus der Reichweite. Sie beantwortet alle Anfragen. Der Umgangston auf Facebook ist freundschaftlich. Wer mitliest glaubt, bei einer Clique dabei zu sein.

Umso mehr sticht der Stalker hervor. Er kommentiert fortan jedes Video mit Hilal. Stöbert sogar Podcasts auf, in denen sie lediglich Gast ist. Wie einen Beitrag des YouTubers ���Made In Germany“. Je länger es geht, umso widerwärtiger werden die Beiträge. Bis eines Tages eine Morddrohung erscheint: „Die AfD wird sich um dich kümmern. Bitte wehre dich nicht dagegen! Es wird schnell geschehen... Inshalla"

Deutschland hat ein Rassismusproblem

Hilal: „Ich muss mir oft anhören, ich solle mich nicht so anstellen. So schlimm sei das gar nicht. Wir hätten in Deutschland kein Problem mit Rassismus* und Diskriminierung. Und das kann ich immer nur belächeln, weil das absoluter Bullshit ist.“ Viele würden davon eben nichts mitkriegen, weil sie in einer beschützten Blase leben würden. „Ich kriege das volle Programm ab. Nicht nur, dass ich nicht ‚deutsch‘ aussehe, ich bin Muslima und das sieht man mir auch an.“

Zu diesem Zeitpunkt war Hilal längst bei der Polizei: „Ich bin mit einem mulmigen Gefühl hin, weil mir klar war, das wir nicht unbedingt die Gruppe sind, für die sich die Polizisten interessieren.“ Doch es kam anders. Der Beamte sei interessiert gewesen, habe nachgefragt und alles sofort an das Landeskriminalamt Hamburg (LKA) weitergeleitet. Das sei Volksverhetzung*.

„Meinungsfreiheit ist für sie nichts wert“

Hilal bleibt ruhig. Von jedem Kommentar des Stalkers macht sie einen Screenshot und leitete ihn das LKA weiter. Die Akte wird dicker. Doch das nützt nicht. Denn YouTube und Mutterkonzern Google verweigern jede Zusammenarbeit.

Nicht aufgeben, nicht ohnmächtig reagieren. Wer gegen anonyme Stalker vorgehen will, muss Energie mitbringen.

Mit Hinweis auf den Datenschutz der User und die Meinungsfreiheit behielten die Unternehmen alle Informationen für sich. Hilal hält die Ausrede für vorgeschoben. Sie hat selbst im Auftrag eines Fremdunternehmens für YouTube gearbeitet. Ihr Job war es, Content zu überwachen. Wer sich nicht an die Nutzungsbedingungen hielt, der wurde bestraft.

„Mir war klar: Das stimmt so nicht. Meinungsfreiheit ist für sie nichts wert. Was gegen ihre Policy verstößt, fliegt raus. Das darf nicht einfach so stehen bleiben. Schon gar nicht unkommentiert.“

Nachdem Hilal ihre Fehlgeburt thematisiert, gibt sich der Stalker als Geist des verstorbenen Babys aus. (Screenshot)

Youtube und Google tun sich schwer mit dem Schutz der Opfer vor Hass-Kommentaren

Bereits im Dezember 2019 erkannte YouTube, dass die Plattform ein Problem mit Hass-Kommentaren hat und sah sich gezwungen, eine Mitteilung rauszubringen. Darin heißt es: „Wir haben dieses Jahr erkannt, dass wir im Bereich Belästigung mehr tun können, um unsere Creator und unsere Community zu schützen.“

Ihr Kampf hat sich ausgezahlt. Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft.

Bewerten Sie die Arbeit der Hamburger Polizei

Hilal hatte die Hoffnung schon aufgegeben, als die Hass-Kommentare plötzlich aufhörten. Hatte der einst so verbissene Stalker die Lust verloren? Nein. Zwar gibt das Landeskriminalamt Hamburg keine Informationen heraus und auch Hilal erfährt nur das absolute Minimum, doch scheinbar konnte der Täter ermittelt werden. Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt wegen Volksverhetzung.

Das 24hamburg.de-Interview in der Langfassung mit YouTube-Star Hilal ist hier zu lesen:  „Es wird schnell gehen“: Mit Mord bedroht, Hamburger Influencerin entsetzt.*

Interview/Quelle: 24hamburg.de-Hamburg

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(Danke von 24hamburg.de an das Hamburger Ding für die Bereitstellung der Interview-Location).

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