Corona-Nacht auf dem Kiez

Hamburg: Schanzen-Suff trotz Alk-Verbot – so trickst Partymeute Polizei aus

Paukenschlag für Hamburgs Partyvolk: Die erste Nacht, in der das Alkoholverbot auf dem Kiez und in der Sternschanze in Kraft trat, verlief laut Polizei „erfolgreich“. Partygänger hingegen sprechen von einem Verbot mit „null Wirkung“.

  • Hamburg*: Senat* verhängt Alkoholverbot in Szenevierteln, darunter auf der Reeperbahn.*
  • Cornernde Massen und Ausbreitung des Coronavirus* sollen damit vermieden werden.
  • So verlief die erste Nacht mit Alkoholverbot auf Hamburgs Partymeilen.

Hamburg - Die Eskapaden der vergangenen Wochenenden blieben nicht folgenlos: Nachdem sich immer wieder tausende von Menschen zum Trinken auf offener Straße in Hamburgs Party-Hotspots versammelt hatten, machte der Hamburger Senat kurzen Prozess und reagierte mit einem Alkoholverbot*, das am Freitag, dem 31. Juli erstmals in Kraft trat.

Stadt in DeutschlandHamburg
Fläche755,2 km²
Wetter27 °C, Wind aus S mit 14 km/h, 46 % Luftfeuchtigkeit
Bevölkerung1,899 Millionen (30. Dez. 2019)
Vorwahl040
BürgermeisterPeter Tschentscher

Hamburg: Alkoholverbot in Schanze und auf Reeperbahn als Coronavirus-Maßnahme - Polizei zieht Bilanz

Auch für Samstag, den 1. August, sowie den Sonntag gelten die Einschränkungen: Von jeweils 20 Uhr bis 6 Uhr des Folgetags dürfen Kioske, Supermärkte und Tankstellen keinen Alkohol verkaufen. Ebenso verboten ist der sogenannte Gassenverkauf: Bars und Lokale auf St. Pauli (Reeperbahn), in der Schanze und in festgelegten Bereichen in Ottensen dürfen keinen Alkohol für den Außer-Haus-Verzehr ausschenken, das vermeldet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Doch wie verlief die erste Nacht mit Alkoholverkaufsverbot in Hamburg? Der Polizei Hamburg* zufolge sollen die Maßnahmen der Bezirke erste Wirkung gezeigt haben: „Bis jetzt würde ich sagen, war das Verkaufsverbot erfolgreich“, sagte ein Sprecher der Polizei. Verglichen mit den ausufernden Menschenmassen der vorherigen Woche hätten sich weniger Menschen auf den Straßen versammelt.

Alkoholverbot auf der Reeperbahn: Auch der Holsten Kiosk am Nobistor hält sich an die Coronavirus-Auflagen der Stadt.

Alkoholverbot in Hamburg: Kiosk-Verkäufer wenig begeistert von Coronavirus-Maßnahmen

Bereits in den ersten Stunden nach Beginn des Alkoholverbots in Hamburg zeigte sich etwa im Party-Hotspot am Schulterblatt im Schanzenviertel, dass weniger Menschen auf den Straßen feierten als am Wochenende davor. Die Alkoholregale in den Geschäften waren häufig mit Absperrband oder mit Getränkekisten blockiert.

In einem Supermarkt am sonst gut besuchten Schulterblatt blieben die Kassen gegen 21 Uhr nahezu leer. Nach Angaben eines Kassierers sei an Wochenenden um diese Zeit deutlich mehr los. Bei vielen Kioskverkäufern stößt das Verkaufsverbot von Alkohol auf Unmut: „Wenn das so weiter geht, dass wir hier nichts einnehmen, dann muss mein Chef den Laden dicht machen und dann verliere ich meinen Job“, sagte ein Angestellter gegenüber der dpa.

Auch auf der Reeperbahn erzählt ein Verkäufer vom Holsten-Kiosk gegenüber 24hamburg.de* fassungslos: „Das hat es hier noch nie gegeben. Doch: Als der FC Sankt Pauli in die erst Bundesliga aufgestiegen ist. Da war das Bier aus“

Kein Alkohol-Verkauf auf der Reeperbahn: „Das hat es hier noch nie gegeben. Doch: Als der FC Sankt Pauli in die erst Bundesliga aufgestiegen ist. Da war das Bier aus“, sagt der Verkäufer des Holsten-Kiosks an der Hamburger Reeperbahn zu 24hamburg.de

Alkoholverkaufsverbot in Hamburg: Partygänger in der Schanze wollen „nur ein bisschen Spaß“ - so tricksen sie Polizei aus

Die Polizei Hamburg war mit einem verstärktem Aufgebot und mehreren Einsatzwagen in den Szenevierteln unterwegs. Trotzdem versammelten sich vor dem linksautonomen Zentrum Rote Flora immer wieder mehrere Grüppchen, die den Coronavirus-Mindestabstand von 1,5 Metern missachteten. Viele brachten Bierdosen und Becher selbst mit und umgingen somit das Alkoholverkaufsverbot.

„Wir wollen uns ja nicht besaufen, sondern nur ein bisschen Spaß“, erzählte eine Schanzengängerin (30), die sich ebenfalls mit ihren Freunden vor der Roten Flora aufhielt, gegenüber bento.de. Die Alkoholverbot-Maßnahmen des Hamburger Senats seien ihrer Ansicht nach nur „Aktionismus“, die Politik wolle den Anwohnern zeigen, dass sie handele - „mehr nicht“. Die Polizei habe trotz Präsenz noch keinen der Anwesenden weggeschickt. Das Verbot zeige „null Wirkung“, die meisten hätten sich ihre alkoholischen Getränke bereits vor 20 Uhr gekauft.

Sollte es trotz Alkoholverbot weiterhin dazu kommen, dass Menschen in großen Mengen in der Schanze und auf dem Kiez cornern, so drohte die Stadt Hamburg auf der Landespressekonferenz bereits mit weiteren Konsequenzen: Demnach könnten beispielsweise ein generelles öffentliches Trinkverbot oder ein Kiez-Aufenthaltsverbot folgen. Ob der Senat weitere Maßnahmen zur Eindämmung von cornernden Massen einleiten wird, hängt wohl also auch davon ab, wie das Alkoholverbot in Hamburg am Samstag (1. August) Wirkung zeigt. dpa/lml *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/Angelika Warmuth/dpa/picture alliance

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