Duschen, Pausenräume, Sammelunterkünfte

Coronavirus-Ausbruch bei Blohm und Voss: Arbeitsschutz ermittelt auf Hamburger Traditionswerft

Coronavirus-Alarm bei Blohm und Voss. Immer mehr Mitarbeiter werden positiv auf COVID-19 getestet. 78 Angestellte der Hamburger Traditionswerft haben sich bereits infiziert. Die Arbeit an den Docks wurde zunächst eingestellt. Jetzt dürfen Teile wieder öffnen.

  • Hamburger* Traditionsunternehmen Blohm und Voss testet Mitarbeiter auf das Coronavirus*.
  • Die Werft am Hamburger Hafen* steht mindestens bis zum Dienstag, 11. August 2020, still.
  • Arbeitsschutz ermittelt im Fall der 78 Coronavirus-Infizierten bei Blohm und Voss.

Update vom Montag, 17. August 2020, 08:30 Uhr: Hamburg – Es darf wieder gearbeitet werden. Nach dem Coronavirus-Ausbruch bei der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss kam es zu einer Einigung mit der Gesundheitsbehörde. In den Teilen des Betriebes, wo es bei beiden Testrunden nur negative Testergebnisse gab, darf die Arbeit wieder aufgenommen werden.

Update vom Montag, 10. August 2020, 10:30 Uhr: Hamburg – Die auf 78 angestiegenen Infektionen mit dem Coronavirus sorgen für Aufruhr bei Hamburgs Behörden: Das Gesundheitsamt hat die Wiederaufnahme der Arbeit bei Blohm und Voss weiterhin untersagt. Laut Gesundheitsbehörde haben 42 der 78 Infizierten ihren Wohnsitz in Hamburg. Darunter seien Urlaubsrückkehrer aus Kroatien und Indonesien. Am Freitag, 7. August 2020, rückten Arbeitsschutz-Experten an, kontrollierten auf der Werft die Einhaltung von Abständen in Pausenräumen, Duschen, Sanitäranlagen sowie die Lüftungen. Doch auch die Unterbringung der Beschäftigten von Subunternehmen werde kontrolliert. Laut „Bild“ müsse die Werft zudem bis Montag, 10. August 2020, einen umfangreichen Fragenkatalog zum Sicherheitskonzept ausfüllen.

Mittlerweile wurden 78 Infektionen bei der Hamburger Traditionswerft Blohm und Voss bekannt. (24hamburg.de-Montage)

Blohm und Voss: Coronavirus-Ausbruch bei Hamburger Traditionsbetrieb – bereits 78 Mitarbeiter positiv getestet

Update vom Samstag, 8. August 2020, 8:49 Uhr: Hamburg – Bei der Hamburger Traditionswerft Blohm und Voss hat sich die Zahl der Mitarbeiter, die mit dem Coronavirus-Sars-CoV-2 infiziert sind, noch einmal drastisch erhöht. Mittlerweile sind 78 Angestellte des Unternehmens positiv auf den Erreger getestet worden. Die neuen Fälle stellen das Hygienekonzept der Firma infrage. Denn es handelt sich um Mitarbeiter, die getrennt von den bisher bekannten Personen gearbeitet haben.

SchiffswerftBlohm+Voss
CEO: Ralph Petersen (1. Jan. 2018–)
Dachorganisation: Lürssen
Gründung: 5. April 1877
Zentrale: Hamburg
Mitarbeiterzahl: rund 600 (2019)

Blohm und Voss Coronavirus-Ausbruch: Zahl der Infizierten steigt auf 78 – Zweifel am Hygienekonzept

Seit Bekanntwerden der ersten Coronavirus-Fälle bei Blohm und Voss testet das Unternehmen seine gesamte Belegschaft. Am Freitag, 7. August 2020, musste die Hamburger Traditionswerft 19 neue Fälle melden. Laut einem Bericht des NDR hätten sich die Neuinfizierten in einem Bereich gearbeitet, der durch ein Hygienekonzept geschützt hätte sein sollen. Jetzt müsse die Behörde auch Pausenräume, Lüftung und Sanitäranlagen prüfen.

Bei Blohm und Voss steigt die Zahl der infizierten Mitarbeiter. 78 wurden mittlerweile positiv auf das Coronavirus getestet.

Sowohl die Sozialbehörde als auch die IG Metall bestätigen, dass die Infektionen fast ausschließlich bei Leiharbeitern aufgetreten seien. Die Stammbelegschaft sei kaum betroffen. Trotzdem steht die Werft aktuell still. Die Mitarbeiter müssen zu Hause bleiben, bis die Situation endgültig aufgeklärt und eine Lösung gefunden ist. Trotz Coronavirus wurden am Hamburger Hafen gerade übrigens wieder 1,5 Tonnen Kokain sichergestellt, wie 24hamburg.de berichtet.

Leiharbeiter bei Blohm und Voss besonders stark betroffen – Coronavirus verbreitet sich trotz Hygienekonzept

Am Freitag, 7. August 2020, musste die Hansestadt achtzig Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag melden. Damit steigt die Gesamtzahl auf 5.609, wobei 5.000 Patienten wieder geheilt sind. Acht Personen liegen aktuell auf der Intensivstation. Bisher sind in Hamburg 231 Menschen am Coronavirus-Sars-CoV-2 gestorben.

Blohm und Voss und Coronavirus: Sechzig Mitarbeiter infiziert – Werft steht aktuell still

Hamburg – Am Montag, 3. August 2020, startet die Werft eine Testreihe auf das neuartige Coronavirus-Sars-CoV-2 bei seinen Mitarbeitern. Am Dienstag, 4. August 2020, werden 49 Infektionen bekannt. Im Verlauf des Mittwochs, 5. August 2020, kommen noch zehn weitere Fälle dazu. Insgesamt haben sich 59 Mitarbeiter mit Covid-19 angesteckt. Nun ist die Testreihe abgeschlossen. Doch wie geht es weiter?

Coronavirus-Fälle in Hamburger Werft: Blohm und Voss-Mitarbeiter berichten von Arbeitsalltag

Im Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk* (NDR) erzählen Mitarbeiter, die gerade vom Test kommen, von ihrem Alltag – darunter auch Lothar Schmidt aus Rahlstedt: „Ich war gerade beim Coronatest. Erst sollte es nur eine Zone sein, mittlerweile werden nun alle getestet. Es ist ausgebrochen im gewerblichen Bereich. Ich komme aus dem kaufmännischen Bereich“, erzählt er NDR-Reporterin Anne Adams, die die Mitarbeiter am alten Elbtunnel in Steinwerder abfängt.

Leidet unter der Coronavirus-Pandemie: die Hamburger Traditionswerft Blohm und Voss

Und weiter: „Also ist bei uns eigentlich ganz normales Arbeiten. Wir haben natürlich die Abstände eingehalten. Büros wurden getrennt, Leute wurden umgesetzt, also ich habe nie irgendwie ein unsicheres Gefühl gehabt.“ Michael Hesse aus Wilhelmsburg arbeitet im Wareneingang des Lagers bei Blohm und Voss: „Wir sind freigestellt bis wir das Ergebnis haben. Bei negativem Ergebnis können wir wohl Freitag wiederkommen. Geschlossen wurde die ganze Werft. Da läuft jetzt gar nichts mehr. Wir haben auf Wunsch zwei gewisser Herren im Lager so einen Notbetrieb für den Wareneingang, aber das übernehmen dann Fremdarbeiter.“ 24hamburg.de berichtet auch über das Bußgeld, das Innensenator Andy Grote (SPD) für seine Corona-Party zahlen musste.

Coronavirus-Krise bei Hamburger Werft Blohm+Voss: Anwohner haben Angst vor Ansteckung

Und die freie Zeit scheint so manchen Mitarbeiter gar nicht zu stören. Im Gegenteil: „Mir geht es eigentlich gut damit, ich gehe jetzt nach Hause und werde meinen Garten wässern. Da habe ich jetzt Zeit für und dann schauen wir mal“, bekundet Michael Hesse gegenüber NDR. Doch die Anwohner rund um die Werft Blohm und Voss seien laut Norddeutschen Rundfunk (NDR) besorgt, weil sie beispielsweise mit den Mitarbeitern von Blohm und Voss zusammen durch den Tunnel fahren. Einige sollen sich sogar einen mobilen Coronatest-Wagen in dem Bereich wünschen. 24hamburg.de berichtet auch über die Corona-Party von Innensenator Andy Grote*, der jetzt ein saftiges Bußgeld zahlen musste.

Coronavirus bei Blohm und Voss: Werft noch bis mindestens 10. August 2020 lahmgelegt

Blohm + Voss in einer offiziellen Pressemitteilung: „Alle getesteten Mitarbeiter haben die Arbeit zunächst eingestellt. (…) Erst nach bestätigtem, negativem Test-Ergebnis wird für diese Personen nach individueller Rücksprache entschieden, wann und wie diese an den Arbeitsplatz zurückkehren können.“ Das Hygienekonzept mit getrennt arbeitenden Teams ist offenbar nicht aufgegangen. Der Standort stehe mindestens bis Anfang kommender Woche (10.-15. August 2020) still. Momentan sei nur eine Minimalbesetzung von maximal 30 Personen im Dienst. Teilweise sollen Mitarbeiter auch aus dem Home Office arbeiten.

Coronavirus-Welle bei Blohm und Voss: Infizierte sind fast alle Werkvertragsnehmer oder Zeitarbeiter

Besonders auffällig an der Corona-Welle: 48 der 59 Infizierten sind keine Festangestellten von Blohm und Voss, sondern Werkvertragsnehmer oder Zeitarbeiter! Emanuel Glass von der IG Metall hat da einen Verdacht: „Ich glaube einfach, dass der Infektionsherd nicht auf der Werft ist, sondern außerhalb, sonst wären mehr Festmitarbeiter betroffen und das gibt dann halt schon zu denken über die Arbeits- und Lebensbedingungen von den Werkvertragsnehmern, dass anscheinend dort eine ähnliche Situation ist, dass sie da wohl in Mehrfachunterkünften sind und dass das wahrscheinlich der Grund ist, warum sie sich infiziert haben“, sagt er dem NDR. Fatal: Weil die Arbeiter meist von Sub-Unternehmen mit wiederum anderen Sub-Unternehmen stammen, ist das standardisierte Hygienekonzept nur schwer zu überprüfen.

Sozialbehörden-Sprecher Martin Helfrich bekundet im NDR noch einen alternativen Infektionsursprung: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben wir keinen Anlass, davon auszugehen, dass Sammelunterkünfte ein Quell des Problems sein könnten. Jetzt wird erst mal zu klären sein: Haben die Personen sich aneinander angesteckt? Oder sind bei diesem Test womöglich auch Personen entdeckt worden, die sich gar nicht im Betrieb angesteckt haben, sondern zum Beispiel auf einer Urlaubsreise, von der sie zurückgekommen sind?“ * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Bodo Marks/dpa

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