Montag, 8. Oktober, im Pier 2

Im Oktober kommt er nach Bremen: Internetstar Mike Singer im Portrait

+
Löst gerne mal hysterische Anfälle unter seinen Fans aus: Mike Singer

Ohnmachten, Tränenausbrüche und Kreischalarm – hysterische Anfälle unter Fans sind keine Seltenheit im Musikbusiness. Früher waren es die Beatles, dann folgten Boygroups wie Take That. Heute ist es Mike Singer. Der 18-jährige Offenburger sorgte erst im Januar für Chaos in Wuppertal – und dabei wollte er doch nur eine Autogrammstunde geben.

Seine Promotour wurde kurzerhand abgesagt – Bremen war ebenfalls betroffen

Eine Promotionaktion von Mike Singer wurde zum Massenauflauf, die Veranstaltung des Youtube-Stars abgebrochen: Rund 1.300 Fans hatten sich bei einem Elektronikhändler gedrängelt, es gab Verletzte. Vorrangig junge Mädchen mussten betreut werden. „Es tut mir sehr leid, dass die Autogrammstunde durch die Polizei abgebrochen wurde, aber eure Sicherheit geht immer vor“, ließ der Sänger über sein Plattenlabel Warner Music übermitteln. In Wuppertal sollte der Auftakt zu einer Werbetour zum neuen Album des jungen Künstlers stattfinden. Am 19. Januar, genau einen Tag vor seinem 18. Geburtstag, erschien das zweite Werk des Internetstars, der heute rund 1,4 Millionen Fans auf Instagram, 360.000 bei Facebook und 616.000 bei Youtube verzeichnen kann. 

Seine Promotour wurde kurzerhand abgesagt – Bremen war ebenfalls betroffen. Die „Mikinators“, wie sich die Fans von Singer nennen, müssen sich bis Herbst gedulden. Dann startet der Popsänger eine groß angelegte Konzertrundreise, die auch in die Hansestadt führt.

Funkstille gibt es bis dahin allerdings keine: Die meisten Fans folgen dem 18-Jährigen sowieso auf Schritt und Tritt – gewollt natürlich. Singer zählt zu den reichweitenstärksten Social-Media-Influencern Deutschlands. Durch seine Accounts in den sozialen Netzwerken hält der Sänger seine Anhängerschaft über seine Karriere und sein Leben auf dem Laufenden: Rund um die Uhr werden aktuelle Musikvideos, Fotos (auch private) und Videobotschaften von ihm gepostet – 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche. Der junge Mann liebt den Kontakt zu seinen „Mikinators“ – und diese erwidern dies mit zahlreichen Kommentaren und Klicks.

„Wir arbeiten an einem Song so lange, bis ich das Gefühl habe: Jetzt ist er perfekt“

Mike Singer scheint zu wissen, was er will. Bereits im Alter von 13 Jahren startete er seine Musikkarriere, mit 16 hatte er einen Major-Plattendeal bei Warner Music in der Tasche. Sein Debütalbum „Karma“ wurde vor einem Jahr veröffentlicht und enterte aus dem Stand Platz eins der Albumcharts. Die gleichnamige Single sowie die Songs „Bring mich zum Singen“, „Egal“ und „1Life“ machten ihn innerhalb von wenigen Monaten zu einem der erfolgreichsten Sänger und Songwriter seiner Generation. Insgesamt 16 Lieder fanden auf der Platte Platz – mit sphärischen Sounds, versehen mit Retro-Synths, starken Basslinien und modernen Beats transportiert er klassischen Pop ins Universum der elektronischen Tanzmusik, auch als EDM (Electronic Dance Music) bekannt. „Meine Stimme wollten wir unbedingt wie ein Instrument einsetzen und haben fast alle Effekte mit Vocals inszeniert“, berichtet Singer von der Arbeit mit seinem Produzenten Phil The Beat. „Gleichzeitig wollten wir eine Soundwelt schaffen, die in eine andere Welt entführt, sphärisch, leicht, auch mal düster und mystisch – immer verbunden durch einen roten Faden, die Beats der Songs, die aufeinander aufbauen.“ Die Melodien und Texte schrieb Singer sowohl allein als auch im Team. „Ich bin ziemlich detailverliebt und krass ehrgeizig, das heißt: Wir arbeiten an einem Song so lange, bis ich das Gefühl habe: Jetzt ist er perfekt.“

Singer zählt zu den reichweitenstärksten Social-Media-Influencern Deutschlands

Der Ehrgeiz packt ihn nicht nur beim Songwriting: Schule, Hausaufgaben, Songaufnahmen, Promotermine, Interviews und Konzerte – der „deutsche Justin Bieber“, wie er in den Medien gern genannt wird, hat sich in den Kopf gesetzt, trotz Musikkarriere sein Abitur zu machen. „Meine größte Stärke ist, dass ich extrem konzentriert und fokussiert bin, wenn ich ein Ziel vor Augen habe“, so Singer. Während das Abschlusszeugnis noch auf sich warten lässt, hat er eine musikalische Hürde bereits genommen: Das zweite Album ist erschienen. „Deja Vu“ steht seit zwei Monaten in den Plattenregalen. Der gleichnamige Titeltrack wurde Ende September veröffentlicht, der eine moderne Kombination aufweist: Popmusik trifft auf EDM, Afro-Trap, Hip-Hop, Rap und Drops. Ein Drop ist ein Stilmittel des EDM, um musikalische Spannung aufzubauen und stellt den Refrain in den Schatten – eine mittlerweile bewährte Technik, die zahlreiche Chartstürmer anwenden. „Wir wollten beim zweiten Album eins draufsetzen, mehr ausprobieren, musikalisch weiter gehen und genreübergreifend arbeiten“, erklärt Singer. „Ich wollte mehr experimentieren, Beats perfektionieren, meine Stimme an ihre Grenzen treiben und weiter – und natürlich als Texter und Komponist lernen. All das sollte in dieses Album einfließen.“ Im gleichen Atemzug bezeichnet sich der Offenburger sogar als „ein bisschen besessen“.

„Die Musik gibt mir so viel, das ist nicht mein Beruf, das ist meine Passion"

Inhaltlich gewährt der 18-Jährige einen Blick in sein Leben der vergangenen anderthalb Jahre. Wenn Träume real werden, dann kommt es schon einmal vor, dass sich diese Realität wie ein Déjà-vu anfühlt. Der Albumtitel würdige das große Glück, in den eigenen Träumen angekommen zu sein. „Früher, als ich davon geträumt habe, Musik machen zu können, die Musik zu meinem Beruf zu machen, entstanden unzählige Bilder in meinem Kopf. Ich stellte mir vor, wie es wohl sein könnte, was ich mir wünschte. Im letzten Jahr gab es so viele Situationen, in denen ich dachte: Moment mal, das kenn ich doch?!“ In seinen Liedern beschreibt er ein Leben als Musiker und Sänger, ständig unterwegs, mit Sehnsucht nach Freunden und Familie. Er singt über Beziehungen und die Energie der Kreativität. Es ist auch eine Abrechnung mit Neidern. Singer erzählt von Zeiten, als andere ihn noch belächelten, weil er Musik machen wollte. „Ich liebe mein jetziges Leben und alles, was ich täglich erleben darf. Aber es gibt auch Leute, die das nicht so cool finden.“ Davon handele zum Beispiel der Titeltrack „Deja Vu“. Singer lässt sich aber nicht beeinflussen: „Die Musik gibt mir so viel, das ist nicht mein Beruf, das ist meine Passion. Und das lasse ich mir von niemanden schlechtmachen.“

Die permanente Präsenz in den Medien und der Hype um seine Person haben natürlich auch ihre Schattenseiten. Damit der junge Mann geschützt durchs Leben gehen kann, wird er nun ständig von einem Bodyguard begleitet. Eine Freundin hat Singer aktuell nicht – dafür aber eine Jahreskarte für einen Freizeitpark, in dem er sich regelmäßig vergnügt. Er ist eben nicht nur ein musikalischer Überflieger. Seine Vorliebe für Adrenalinkicks durfte der Musiker vor Kurzem auch in der Schwerelosigkeit ausleben. Im Rahmen der „World Club Dome Zero Gravity“-Veranstaltung nahm er an einem Parabelflug teil. Am Flughafen Frankfurt startete ein Zero-G Airbus, der normalerweise den wissenschaftlichen Teams und der Europäischen Raumfahrtbehörde zum Training vorbehalten ist, als erster Club der Welt in der Schwerelosigkeit. Mit an Bord: Mike Singer. Und auch dabei ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen: „Das war unbeschreiblich. Ich hätte nie gedacht, dass ich sowas einmal erleben werde. Seitdem ich klein bin, wollte ich wissen, wie sich Astronauten im Weltall fühlen. Jetzt weiß ich es, und es fühlt sich mega an!“

von Linda Bussmann

Mike Singer tritt am Montag, 8. Oktober, im Pier 2 auf. Einlass ist um 18 Uhr. Tickets bekommt Ihr hier.

Auch interessant:

  • 6 Gründe, warum wir alle ganz unbedingt viel öfter auf Live-Konzerte gehen sollten
  • „Eigentlich müsste man mal…“ Schluss damit! Einfach machen!
  • Wir sagen Euch, was draußen geht! Der große Festival & Open Air Guide 2018
  • Wischen statt tanzen: Wie Tinder & Co. unsere Clubkultur kaputt machen
  • Das könnte Dich auch interessieren

    Kommentare

    Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.