„Einer der skurrilsten Clubs“

Mit Pauken und Trompeten: LaBrassBanda zerlegen Schlachthof in Bremen

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LaBrassBanda gaben auf der Bühne im Schlachthof alles.

Traditionelle, bayrische Blasmusik gemixt mit Rap, Reggae, Techno oder Pop – das alles ist LaBrassBanda und noch so viel mehr. Am Donnerstagabend gastierten die sieben Süddeutschen auf ihrer Herbsttour zum zehnjährigen Band-Jubiläum im Bremer Schlachthof und sorgten für – na klar – a Mordsgaudi.

Das Bremer LaBrassBanda-Publikum pilgerte hoch motiviert und vor allem zahlreich am Freimarkt-Bayernzelt vorbei in den restlos ausverkauften Schlachthof. Alle wollten sie eines sehen: 7 Männer, 7 Lederhosen, 14 Barfüße, 3 Trompeten, 1 Posaune, 1 Tuba, 1 Bass und 1 Schlagzeug. Zusammen ergibt das eine unfassbar mitreißende Energie, die unmittelbar Besitz der Ränge ergriff. Mal als Bayrischer Gypsy Brass, mal als Alpen Jazz Techno bezeichnet, haben LaBrassBanda bei aller Vielfalt vor allem eins: Gespür für eine gute, gemeinsame Zeit.

Sprachbarrieren spielten für die Party keine Rolle 

Direkt zu Beginn war Frontmann Stefan Dettl darum bemüht, die Verständnis-Frage zu klären. Ob die Bremer denn alles verstünden, was er in bayrischer Mundart von sich gäbe. Die selbstbewusste Antwort der Fans: Sicherlich! Während das für die Ansagen glaubwürdig klang, kann dies für die Songtexte durchaus angezweifelt werden. Egal, die Stadt an sich würde die Blasmusiker schon verstehen, so das Fazit – siehe Bierzelt auf dem Freimarkt. Geschenkt, vermeintliche Kulturunterschiede und Sprachbarrieren spielten für die Party in der Folge keine Rolle mehr.

„Der Schlachthof ist einer der skurrilsten Clubs in dem wir je gespielt haben“ 

Während Dettl die Weltoffenheit seinen Bundeslandsleuten teilweise absprach, lässt sich dies von der Band nun wirklich nicht behaupten. LaBrassBanda begab sich zuletzt auf Welttournee und reiste in 40 Tagen einmal um den Globus. Dabei spielten sie in 13 Ländern 25 Konzerte und brachten etliche Einflüsse und Anekdoten mit. Beispielsweise rund um den brasilianischen Samba. Und so wurde dem Publikum unmittelbar Tanzunterricht verabreicht. Trotz Platzmangel ernteten die Fans ein Kompliment: „Der Schlachthof ist einer der skurrilsten Clubs, in dem wir je gespielt haben. Wo ist die Tanzfläche? Hier gibt‘s ja nur Ränge. Aber Ihr macht das gut!“

„Danke Bremen, dass ihr uns von Anfang an unterstützt“

Etwa 1.300 Konzerte hat LaBrassBanda nach eigenen Angaben mittlerweile gespielt. In Bremen zu sein, empfänden sie dabei immer als eine Gaudi. Vor Jahren seien sie nach einem Auftritt mal in einer Bar mit Bett gelandet und hätten abwechselnd getrunken und geschlafen. Laut Manager sei das eine Woche so gegangen. „Danke Bremen, dass ihr uns von Anfang an unterstützt.“

„Wir brauchen keine Tomaten, wenn gerade keine wachsen“

Ironisch, mit Augenzwinkern, aber auch Haltung sprachen sich LaBrassBanda pro Live-Musik aus. Stichwort Eurovision-Vorentscheid, für den die Band 2013 angefragt wurde, aus Playback-Gründen zunächst jedoch absagte. Schließlich sei das einzige, was am Musik machen Spaß mache, das Musik machen, wie der Frontmann befand. Als sie dann doch mit „Nackert“ live im Fernsehen auftraten, schien dies bei einigen TV-Managern Eindruck zu hinterlassen, wie Dettl grinsend berichtete. Auch machten sich die Musiker gegen landwirtschaftliche Konzerne und für kleine Bauern stark, denen sie ein eigenes Lied widmeten. „Wir brauchen keine Tomaten, wenn gerade keine wachsen.“ Und: „Wenn wir nichts gutes zu essen bekommen, nützt das alles nichts.“

Ein Konzert, von dem man den ganzen Winter zehren kann

Ohne die Bühne zu verlassen, hängten die Sieben zum Schluss mehrere Zugaben an. Darunter eine „All Night Long“ Cover, zuvor hatte es bereits „Rhythm Is A Dancer“ und „Around The World“ Anleihen gegeben. Und so wurde der technisch, dramaturgisch und humoristisch hochwertige Gig am Ende das, was sich Support Sarah Jane anfangs gewünscht hatte: Ein Konzert, von dem man den ganzen Winter zehren kann.

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