Freitag, 4. Mai, und Mittwoch, 9. Mai, in der Lila Eule

Interview zur Vladi-Wostok-Release-Party: „Man braucht kein Nikotin, Heroin oder Kokain – es reichen Endorphine“

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Vladislav „Vlad“ Mamedov (r.) und Timo Schrader von Vladi Wostok im Doppel-Interview.

2017 starteten Vladi Wostok noch einmal neu durch. Im Mai erscheint das dritte Album von Vladislav „Vlad“ Mamedov, Timo Schrader, Moritz Zopf und Alex Möckel unter dem Titel „Aufgeregt“. Erstmals stammen alle 13 Stücke aus eigener Feder. Vladi Wostok feiern ihre CD-Release-Party an zwei Tagen: am Freitag, 4. Mai, und Mittwoch, 9. Mai, jeweils ab 20 Uhr in der Lila Eule in Bremen. Hier das Interview zum Doppel-Gig.

nordbuzz: Bald schon erscheint Euer neues Album – seid Ihr schon „aufgeregt“?

Vladislav „Vlad“ Mamedov: Wir sind schon seit dem ganzen Jahr 2017 aufgeregt. Und unter dieser Aufregung ist auch die CD entstanden.

nordbuzz: Was ist im vergangenen Jahr passiert?

Vlad: Man sagt, es gibt so viele Bands, die unter Drogen arbeiten, aber bei uns waren es große Gefühle – vor allem bei mir. Ich bin ein bisschen verliebt (lacht). Und das hat alles, auch die Musik, auf eine andere Ebene gebracht.

nordbuzz: Entstand dadurch der Wunsch, ein Album zu produzieren, das komplett aus eigenen Songs besteht?

Vlad: Es hat sich selbst geschrieben. Es gab ausreichend Songs – und wir dachten: Dann machen wir eben eine CD. Es ist eine neue Phase, ein neuer Abschnitt.
Timo Schrader: Das war jetzt Vlads persönliche Sicht. Es gibt verschiedene Sichtweisen auf die Platte. Ende 2016 haben wir uns sehr viel gestritten. Eine Band ist wie eine Beziehung. Da sagt man: Entweder wir heiraten jetzt oder wir lassen es sein. Die Option, dass man es einfach sein lässt, steht natürlich immer im Raum. Aber jetzt gerade heiraten wir.
Vlad: Ich finde, wenn alles zu gut läuft, ist es mega langweilig. Es muss einfach mal Turbulenzen und Auseinandersetzungen geben, damit man zu neuen Ergebnissen kommt.

nordbuzz: Das Album „Aufgeregt“ ist jetzt das Ergebnis?

Timo: Damals haben wir gesagt: Wir lassen es bleiben oder machen jetzt komplett neue Songs, erfinden uns neu und proben jede Woche. Wir geben wieder Konzerte, entwickeln ein neues Design und, und, und ...
Vlad: Alles, was vorher war, macht richtig Lust auf russische Musik. Wir haben sehr viel gecovert – auf unsere Art. Irgendwann möchtest du aber deine Musik zeigen. ­Dafür muss man schon etwas Eigenes haben. Das hier ist für mich die erste CD – auf der nur eigene Gefühle und eigene Messages, viele versteckte Botschaften vorhanden sind. Und die Texte haben einen Sinn. Jeder Song hat eine ganz unterschiedliche Stimmung.

nordbuzz: Hat sich Euer Stil damit auch verändert?

Vlad: Ja, vor allem, was die Sprache angeht. Früher war es eher eine Fantasiesprache oder englische Songs mit russischem Akzent. Es waren Showelemente dabei – wie die Russen tanzen, wenn sie feiern. Wir sind bei der russischen Sprache geblieben, ein paar Songs sind auch auf Deutsch. Auf Englisch singen wir momentan nicht.
Timo: Ich würde schon sagen, dass der alte Stil noch da ist. Die Polka-Elemente sind weiter vorhanden. Wir haben jahrelang gespielt und viele Konzerte gegeben – der Stil bleibt so drin.

nordbuzz: Nennt Ihr Euren Stil weiterhin „Ruski Surf“?

Timo: Nennst du es noch so, Vlad? Wir sind nicht aufeinander abgestimmt – manche nennen es „Ruski Surf“, manche nicht.
Vlad: Ich würde mich nicht mit einem konkreten Stil eingrenzen. „Ruski Surf“ klingt ziemlich allgemein. Und unser Stil ist auch so, finde ich.

nordbuzz: Wovon handeln Eure Lieder?

Vlad: Es ist total unterschiedlich. In den Songs geht es um Partys und wie man sich dort benimmt – teilweise negativ, teilweise positiv. Oder was man benötigt, um glücklich zu sein. Man braucht kein Nikotin, Heroin oder Kokain – es reichen Endorphine. Sowas in der Art.
Timo: Wir wissen alle nicht so genau, was Vlad sich bei seinen Messages denkt – wir vertrauen ihm seit Jahren (lacht).

nordbuzz: Ihr spielt russische Lieder und wissen nicht, was er singt?

Timo: Wir verstehen ein bisschen was. Wir hoffen, dass es unpolitisch ist (lacht).
Vlad: Es sind sehr viele Wortspiele, die nicht unbedingt plakativ sind. Sie regen eher zum Überlegen an.

nordbuzz: Wie entstehen bei Euch die Songs?

Timo: Viele Lieder sind so entstanden, dass Vlad mit seinem Kinderkeyboard bei mir im Wohnzimmer saß und seine Ideen vorgespielt hat. Dann sind wir auf die Band zugegangen.
Vlad: Letztendlich geht es um den ersten Impuls, in den Proben entwickelt sich dann alles weiter.

nordbuzz: Ist es Dir wichtig, die Musik und Kultur Russlands in den Songs widerzuspiegeln?

Vlad: Teilweise ja, teilweise nein. Ich habe oft bemerkt, dass automatisch Klischees wie Wodka und Balalaika aufkommen, wenn man russische Musik macht. Es gibt viele Bands, die russische Lieder spielen und sich auch so anziehen. Das haben wir vorher auch gemacht. Für mich hat Russland aber ebenso ein anderes Potenzial und andere Seiten, die man zeigen sollte: einen ganz anderen Groove und Flow, was die Musik angeht. Das haben wir jetzt auf unserer neuen CD ein wenig modernisiert – ohne Klischees, aber trotzdem russisch.

nordbuzz: Ihr habt Euer Album über Crowdfunding finanziert. Das hat anscheinend super funktioniert – zumindest habt Ihr das Geld zusammenbekommen.

Timo: Das ist spitzenmäßig! Die Summe war das Minimale, was man so braucht, um eine CD zu produzieren. Ein Studiotag ist ganz schön teuer. Mit weniger Aufwand kann man es nicht bewerkstelligen.
Vlad: Ich zum Beispiel habe an das Crowdfunding gar nicht geglaubt. Okay, da gibt es halt diese Plattform – aber wer sollte das Album finanzieren? Wer hat so viel ­Vertrauen in uns? Als immer mehr zusammenkam, dachte ich: Wow, das ist ja voll krass!
Timo: Ja, das hatten wir nicht erwartet!

nordbuzz: Dann habt Ihr scheinbar treuere Fans, als Ihr dachtet ...

Timo: Solventere Fans (lacht).
Vlad: (begeistert) 80 Personen haben mitgemacht! Wir haben versprochen, dass die Namen im Booklet erwähnt werden.

nordbuzz: Die Veröffentlichung feiert Ihr sogar an zwei Tagen in der Lila Eule.

Timo: Ja. Letztes Mal war es so voll, dass wir lieber doppelt feiern wollen.

nordbuzz: Habt Ihr Euch für die Abende ein besonderes Programm ausgedacht?

Timo: Es gibt eine kleine Verlosung.
Vlad: Wir haben einen eigenen Wein – in Kooperation mit dem Weinhändler Ralph Saxe. Die Songs sind nicht nur mit Gefühl entstanden, sondern auch mit Wein (lacht). Wir dachten: Wenn wir unseren eigenen Wein haben und die Leute können diesen als Dankeschön beim Crowdfunding kaufen, dann kommen sie in die gleiche Situation wie wir und können die Atmosphäre von uns nachempfinden. Dieses Gefühl möchten wir gern mit den Leuten teilen.

Das Gespräch führte Linda Bussmann.

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