Baywatch, Limbo und Mauerfall

David Hasselhoff lässt Bremen eskalieren: „30 Years Looking for Freedom“ in der ÖVB-Arena

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Der Mythos lebt! Der ewige Rettungsschwimmer David Hasselhoff himself beehrte am Samstag die Bremer ÖVB-Arena auf seiner „30 Years Looking For Freedom“-Tour. Und die Fans kannten kein Halten. Blieben zunächst einige Sitze der nicht ausverkauften, bestuhlten Halle leer, blieben es nach kurzer Zeit alle – denn alle tanzten, schunkelten, schwoften oder machten Polonaise zu Hits wie der Baywatch-Hymne „I‘ll be there“, dem WG-Party-Klassiker „Do the Limbo Dance“ oder dem historischen Epos „Looking for Freedom“.

Entgegen der Spekulationen des Postillon, David Hasselhoff sei nach Korea geeilt, dort könne mit der Wiedervereinigung nun alles ganz schnell gehen, befand sich The Hoff am Samstag in der ÖVB-Arena in Bremen. Und mit ihm tausende Fans, die schon im Vorfeld mit Masken und Accessoires zu Ehren ihres Idols durch die City strömen. Die bestuhlte Halle war nicht ausverkauft, die oberen Ränge gar abgehängt und nach 45 Minuten wurde die Show zugunsten einer Pause unterbrochen. Klingt, als sei der Hoff‘sche Rock‘n‘Roll in die Jahre gekommen, klang vor Ort jedoch ganz anders.

Die Stimmung unter den Hasselhoff-Ultras ist von Beginn an am Siedepunkt, als ein Best-Of-Medley den Auftritt des Messias ankündigt. Was folgt ist ein professionell, aber authentisch vorgetragenes Programm. Begleitet von Hasselhoffs Tour-Band „United Four“ aus Oldenburg. Garniert mit Licht-Effekten, Konfetti, Ballons, Musik-Videos, Baywatch-Clips und feierlich Aufnahmen des Mauerfalls. Bisweilen so kitschig und trashig, dass es selbst für Fachfremde schon wieder cool ist. Ein beeindruckendes Phänomen sowieso, wie dieser 65-Jährige nach all den Jahren noch die Massen bewegt. Zeitzeugen wie Nachwuchs gleichermaßen, vom Teenie bis zum Rentner ist alles vertreten.

Fotos vom David Hasselhoff Konzert in der ÖVB-Arena in Bremen

Vokabeln die einem bei diesem Anblick durch den Kopf gehen reichen von Kult über Fanatismus bis hin zu Sekten-artiger Heldenverehrung und selbstironischen Jüngern. Bremen ist ein sehr begeisterungsfähiges Publikum. Nur bei einigen Balladen wird kurz im Sitzen verschnauft, bevor gleich der nächste Hit um die Ecke kommt und alle wieder von ihren Hockern reißt.

Sprechchöre schallen durch die Halle, Plakate und Baywatch-Bojen werden geschwenkt, selbst bemalte Shirts mit den Buchstaben H-O-F-F präsentiert, Rettungsschwimmer Jacken und rote Badeshorts sind keine Seltenheit. Dass Hasselhoffs Knight-Rider-Gefährt Zeiten K.I.T.T im Foyer steht – selbstverständlich. Immer wieder fragt der Meister auf Deutsch nach, ob beim Publikum „alles klar“ sei und erntet frenetischen Jubel. 

Schließlich lässt sich der Sänger und Schauspieler mit den Deutschen Wurzeln zu einem „Germany, I love you more than words can say“ hinreißen. Das Zahnpastalächeln sitzt noch und doch wirkt der immer wieder durch Eskapaden aufgefallene US-Superstar sympathisch, weil er sich auf der Bühne selbst nicht zu ernst zu nehmen scheint und stets mit einem Augenzwinkern daher kommt. Obendrein macht der 65-Jährige einen fitten Eindruck. 

Gegen Ende der Darbietung stimmt er dann schließlich die Songs an, auf die alle gewartet haben: „I‘ll be there“ – gesungen mit Sonnenbrille und Boje in der Hand – „Do the Limbo Dance“ – im hinteren Hallenbereich mit endlosen Polonaisen gefeiert – „Looking for Freedom“ – gespickt mit emotionalen Bildern des Mauerfalls, der The Hoff bis heute anhängt. Mit diesen Ohrwürmern wird das Publikum in die Nacht entlassen – ihre Hoff-nungen auf einen unvergesslichen Abend dürften nicht enttäuscht worden sein. 

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