"Die Psychologie des weiblichen Bösen"

Kriminal-Psychologin Lydia Benecke kommt nach Bremen: Gewinnt Karten für den Vortrag „PsychopathINNEN“

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Lydia Benecke ist Deutschlands bekannteste Kriminal-Psychologin. Am 25. Januar 2019 hält sie im KUBA Vegesack einen Vortrag über weibliche Psychopathen.

Lydia Benecke (35) ist Deutschlands bekannteste Kriminal-Psychologin. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Persönlichkeits- und Traumastörungen, Sadismus und Pädophilie, Subkulturen und Sekten. nordbuzz verlost 2x2 Karten für ihren Vortrag über "PsychopathINNEN".

Passend zu ihrem neuen Buch „Psychopathinnen – Die Psychologie des weiblichen Bösen“ hält sie am 25. Januar 2019 einen Vortrag im KUBA Vegesack. Zur Einstimmung sprach sie mit nordbuzz unter anderem darüber, was einen Psychopathen ausmacht und wie sich weibliche von männlichen Psychopathen unterscheiden.

Das Interview führte Sandra Graeve

nordbuzz: Frau Benecke, wie kamen Sie zu ihrer Berufswahl? 

Lydia Benecke: Tatsächlich hat mich das Thema schon früh fasziniert. Ich war schon immer ein Nerd und habe Dinge kategorisiert seit ich denken kann. Ich muss etwa elf Jahre alt gewesen sein, weil zu dieser Zeit in den Privat-Medien sehr viel Berichterstattung zu verschiedenen großen Straftaten stattfand. 

Während andere Jugendliche Beiträge ihrer Lieblings-Bands wie Take That oder den Backstreet Boys gesammelt haben, hatte ich eine Mappe mit Straftaten. Ich fand es faszinierend, dass sich immer alles wiederholt: Fälle aus den USA, Großbritannien oder Deutschland - Irgendwie sind die Geschichten immer gleich. 

nordbuzz: Wie sind Sie als Jugendliche an die ganzen Berichte gekommen? 

Benecke: Größtenteils stammen die Artikel aus den Bild-Zeitungen meines Großvaters. Er konnte nicht so gut Deutsch, weil er aus Polen kam und die Bildzeitung, war leicht verständlich für ihn. Die habe ich mir dann immer geschnappt und Artikel ausgeschnitten. Teilweise habe ich mein ganzes Taschengeld zum Kiosk getragen, um mir dort den Spiegel oder Stern zu kaufen, wenn dort grade ein großer Fall behandelt wurde. Außerdem habe ich die ganzen Dokus und Filme über Straftaten aus dem Abend-und Nachtprogramm auf VHS aufgenommen und anschließend kategorisiert. Das war mein Hobby. 

"Unter meinen Mitschülern galt ich als absoluter Ober-Streber"

nordbuzz: Wie standen Ihre Eltern zu diesem außergewöhnlichen Hobby? Benecke: Meine Mutter hat tatsächlich mal eine Erziehungsberatung in Anspruch genommen, weil sie sich nicht sicher war, ob es normal ist, was ich da mache. Die Experten haben dann auch mit mir geredet und ihr mitgeteilt, dass es in Ordnung ist, weil ich keine Ängste daraus entwickelte und an das Thema eher wissenschaftlich als emotional dran ging.

nordbuzz: Und wie sah es diesbezüglich in der Schule aus? 

Benecke: Auch meine Lehrer sahen in meiner Leidenschaft kein Problem. Da sie scheinbar eher vom Geist der 68er-Bewegung beseelt waren, haben sie uns Kinder immer ermutigt unser Ding zu machen. Also habe ich Facharbeiten und Aufsätze über Straftaten geschrieben. Unter meinen Mitschülern galt ich als absoluter Ober-Streber und wurde in den Jahrbüchern immer als diejenige beschrieben, die ewig ihre Nase in den Büchern hatte. 

"Psychopathie ist keine Diagnose im klinischen Sinne"

nordbuzz: Was macht einen Psychopathen aus? Wann spricht man von einem Psychopathen?

Benecke: Die Menschen lieben den Begriff „Psychopath“, der extrem von den Medien geprägt wurde, weil es mediale Aufmerksamkeit erregt. Psychopathie ist jedoch keine Diagnose im klinischen Sinne. Es handelt sich um eine Mischung aus verschiedenen Persönlichkeitsstörungen. Eine Persönlichkeitsstörung hingegen kann diagnostiziert werden. Wenn eine Person zum Beispiel sehr narzisstisch und antisozial ist und darüber hinaus Züge aus weiteren Persönlichkeitsveränderungen aufweist, kann dies zu einem erhöhten Psychopathie-Wert führen. 

nordbuzz: Woran macht man psychopathisches Verhalten fest? 

Benecke: Sehr vereinfacht zusammengefasst kann man sagen, dass diesen Menschen gewisse Hemm-Mechanismen fehlen. Ich meine damit Gefühle, die dazu führen, dass wir sozial miteinander interagieren können: Angst, Schuldgefühl, Mitgefühl. Hinzu kommen starke Bedürfnisse, wie zum Beispiel dass man etwas unbedingt und möglichst sofort haben möchte - auch auf Kosten anderer und auch, wenn es eigentlich verboten ist. Kommt also bei einer Person eine Kombination aus Hemmungslosigkeit mit starken Bedürfnissen, gepaart mit einer gewissen Affinität zu Risikoverhalten im Sinne von „Kicks“ und einer narzisstischen Komponente im Sinne von Selbstaufwertung zusammen, ist sehr wahrscheinlich, dass diese Person sich nicht so „nett“, beziehungsweise unsozial verhält. 

Lydia Beneckes neues Buch „Psychopathinnen – Die Psychologie des weiblichen Bösen“

nordbuzz: Sind Persönlichkeitsstörungen denn immer auf ein Trauma in der Vergangenheit zurückzuführen oder sind sie bereits in der Persönlichkeit angelegt? 

Benecke: Niemand wird mit einer ausgeprägten Persönlichkeitsstörung geboren. Aber es gibt genetische Begünstigungen. Ein Beispiel ist die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung. Hier gibt es Hinweise, dass diese Menschen stärkere emotionale Empfindungen haben als der Durchschnitt. Diese stärkeren Empfindungen ergeben jedoch alleine keine Persönlichkeitsstörung. Es müssen immer auch bestimmte negative Lerneffekte dazu kommen, bis aus so einer genetischen Grundlage eine Persönlichkeitsstörung wird. Diese Umwelteinflüsse sind immer emotionale und/oder körperliche und/oder sexuelle Misshandlungen. 

nordbuzz: Stimmt es dass Psychopathen häufig besonders intelligent sind? 

Benecke: Nein, in Wahrheit ist das Konzept der Psychopathie nicht unbedingt an hohe Intelligenz gekoppelt. Das ist ein Klischee, das wir aus Büchern und Filmen kennen. Das liegt aber nur daran, dass hochintelligente, psychopathische Täter wesentlich spannender Figuren abgeben als einfach gestrickte Durchschnitts-Personen. Zudem waren einige Serien-Täter aus den USA, die extrem viel mediale Aufmerksamkeit erregten, wie zum Beispiel Ted Bundy, eher im oberen Spektrum der Intelligenzausprägung. So entstand das Klischee des hochintelligenten Psychopathen.

"Diese Personen erfinden in schweren Fällen sogar ganze Krebserkrankungen um Aufmerksamkeit zu generieren"

nordbuzz: Scheinbar gibt es wesentlich mehr männliche als weibliche Psychopathen. Ist das richtig? 

Benecke: Dies wurde lange in der Wissenschaft angenommen, heute ist man sich da nicht mehr so sicher. Da weibliche Psychopathen eher zu Manipulation, emotionaler Gewalt und Betrug neigen, werden ihre unsozialen Taten - die auch weitaus nicht immer strafrechtlich relevant sind - einfach nicht so leicht entdeckt. Sie sind nicht so offensichtlich. 

nordbuzz: Um auf Ihr aktuelles Buch zu sprechen zu kommen: Wie unterscheiden sich weibliche von männlichen Psychopathen? 

Benecke: Bei weiblichen Psychopathen ist die emotional-instabile sowie die histrionische Störung wesentlich verbreiteter als bei männlichen. Bei der histrionische Störung steht im Zentrum, dass die Personen viel Aufmerksamkeit haben wollen und entweder über sexy Aussehen und flirten oder aber über Drama versuchen an ihr Ziel zu kommen. Diese Personen erfinden in schweren Fällen sogar ganze Krebserkrankungen um Aufmerksamkeit zu generieren. Natürlich macht auch hier wieder eine Störung nicht gleich einen Psychopathen aus. Allerdings ist bei Frauen die emotional instabile und die histrionische Störung wesentlich häufiger im „Paket“ enthalten und bei männlichen Psychopathen hingegen eher die narzisstische Persönlichkeitsstörung sowie die antisoziale Komponente. Natürlich gibt es auch Beispiel von Frauen, die sich klassisch männlich psychopathisch verhielten und umgekehrt. 

nordbuzz: Weibliche Psychopathen neigen also eher zu emotionaler Gewalt als zu körperlicher... 

Benecke: Im Grunde schon. Diese Annahme trifft aber natürlich nicht auf alle männlichen und alle weiblichen Psychopathen zu. Dennoch gibt es Forschungsergebnisse bezogen auf Psychopathie aber auch auf Geschlechtsunterschiede allgemein, die darauf hindeuten, dass Frauen häufiger zu emotionaler Gewalt neigen als zu körperlicher. Es ist nachgewiesen, dass weibliche Psychopathen häufiger Betrugsdelikte begehen und Manipulation und Lügen einsetzen, um an ihr Ziel zu kommen und die männlichen Psychopathen eher körperliche Gewalt anwenden wie bei Raub- Sexual- oder Körperverletzungsdelikten.

Ihr möchtet noch mehr spannende Einblicke in die "Psychologie des weiblichen Bösen" erhalten? Kein Problem: Am 25. Januar 2019 habt Ihr die Gelegenheit Lydia Benecke im Rahmen ihres Vortrags "PsychopathINNEN" im KUBA Vegesack live zu erleben.

nordbuzz Tipp: Die Karten machen sich auch gut als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum. Tickets gibt's hier.

Jetzt gewinnen: 2x2 Tickets für den Vortrag "PsychopathINNEN"

Um an der Verlosung teilzunehmen, schickt bis zum 18. Januar, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff "PsychopathINNEN" sowie Eurem Namen und Kontakt an gewinnspiele@nordbuzz.de. Es gelten unsere Gewinnspiel-Teilnahmebedingungen. Viel Glück!

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