Impf-Termine in Gefahr

Debakel um Astrazeneca: So krass trifft der Impf-Stopp Bremen

Wie in ganz Deutschland gilt auch für das Land Bremen der Stopp aller Astrazeneca-Impfungen. Der gesamte Impf-Plan in der Freien Hansestadt ist gefährdet.

Bremen – In Zeiten der nur langsam voranschreitenden Corona-Impfungen machte am 15. März 2021 besonders eine Schlagzeile die Runde: Der Corona-Impfstoff Astrazeneca wird vorübergehend ausgesetzt. Wie auch andere europäische Länder stoppte Deutschland unmittelbar alle weiteren Maßnahmen, die mit dem besagten Präparat des britisch-schwedischen Herstellers zusammenhängen.

Coronavirus-Impfungen im Land Bremen:Stand: 16. März 2021, 16 Uhr. Quelle: Senatspressestelle
Durchgeführte Impfungen insgesamt:87.809
Bereits durchgeführte Zweitimpfungen:26.096
Am 14.3. durchgeführte Impfungen:1.951
Zweitimpfungen:535

Auftretende Nebenwirkungen, die sich bei intensiver Analyse bemerkbar machen, sind der ausschlaggebende Grund, auf Astrazeneca zu verzichten. Der Impfstoff macht bereits seit Wochen wegen seiner Nebenwirkungen Schlagzeilen. Das Paul-Ehrlich-Institut als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel bringt aktuell Hirnvenen-Thrombosen, einen Mangel an Blutplättchen und Blutungen in einen unmittelbaren Kontext mit Astrazeneca-Impfungen.

Corona in Bremen: „Herber Rückschlag für den Fortgang der Impfungen“

Claudia Bernhard (Die Linke), die Gesundheitssenatorin der Freien Hansestadt Bremen, ordnet die aktuelle Situation eindeutig ein: „Für den Fortgang der Impfungen ist diese Nachricht ein herber Rückschlag.“ Wie Senatorin Bernhard betont, sei es wichtig, „einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Thrombosen“ weiter zu untersuchen.

Wie Äußerungen von Bremer Medizin-Experten zum Astrazeneca-Stopp zeigen, kann die Frage nach der Richtigkeit der Impfstoff-Aussetzung noch nicht abschließend beantwortet werden. Für Ulrike Haug, Leiterin des Instituts für Klinische Epidemiologie, ist das Impf-Aus unmittelbar mit einem enormen Verlust von wertvoller Zeit verknüpft. Aktuell treten die Nebenwirkungen nur im Verhältnis 1:1.000.000 auf – ein Risiko, welches man in Kauf nehmen müsse, wolle man die Pandemie schnellstmöglich für beendet erklären, meint Ulrike Haug.

Im Gegensatz dazu betont Apotheker Gerd Glaeske, dass bereits die bisherigen sieben Fälle, die in Deutschland Nebenwirkungen nach Astrazeneca-Impfungen dokumentieren, Anlass genug geben, den Impfstoff vorübergehend aus dem Verkehr zu ziehen. Mit einer weiteren Anwendung des Wirkstoffes ginge man also ein zu hohes gesundheitliches Risiko ein, sagte Glaeske, der außerdem auch als Leiter der Abteilung „Gesundheit, Pflege und Alterssicherung“ am Socium der Universität Bremen tätig ist.

Die Corona-Impfkampagne erleidet einen schweren Rückschlag - das AstraZeneca-Aus gefährdet Bremens Impf-Strategie.

Während im Land Bremen zahlreiche Pflegeheime gegen Covid-19 kämpfen, sind unerwartete Reaktionen auf den zurückgezogenen Impfstoff im Bremer Land bislang jedenfalls nicht aufgetreten. Sollten Astrazeneca-Patienten vier Tage nach der Corona-Impfung unter Nebenwirkungen wie starke und anhaltende Kopfschmerzen oder Hautblutungen leiden, rät das Paul-Ehrlich-Institut, sich umgehend in ärztliche Behandlung zu begeben.

Biontech statt Astrazeneca – Impfstoff-Aussetzung zwingt Bremen zum Umdenken

Dass Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard so klare Worte zur Einschätzung der aktuellen Situation wählt, kommt nicht von ungefähr. So bringt der Astrazeneca-Stopp, nachdem erst Anfang des Monats neue Lockdown-Lockerungen beschlossen wurden, alle geplanten Corona-Impfungen ins Wanken. Wie die Bremer Gesundheitsbehörde mitteilt, sieht der kurzfristige Umgang vor, bereits vereinbarte Termine mit dem erprobten Impfstoff Biontech durchzuführen.

So ist es geschehen am 15. und 16. März im Impfzentrum in der Messehalle 7. Doch ob die es auch in den kommenden Tagen möglich ist, dieses Unterfangen fortzusetzen, ist ungewiss. Schließlich sind die Reserven des Biontech-Impfstoffs begrenzt. Aus diesem Grund könnten neue Impftermine aktuell nicht vereinbart werden.

In Bremen kamen laut der Gesundheitsbehörde 19.000 Astrazeneca-Dosen zum Einsatz, in Bremerhaven 1800. Bei den Patienten, die mit diesem Wirkstoff geimpft wurden, handelt es sich hauptsächlich um medizinisches Personal, Lehrkräfte und Erzieher. Wie auch Bremen plant Bremerhaven eine Umstellung auf Biontech. Bis dies endgültig geklärt ist, werden allerdings alle Erst- und Zweitimpfungen zunächst komplett ausgesetzt. Auskunft über das kurzfristige und weitere Vorgehen würden Betroffene in den kommenden Tagen erhalten.

Astrazeneca: Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde soll Aufschluss bringen

Wie ein zukünftiger Umgang mit dem Astrazeneca-Impfstoff aussehen könnte, ist nicht bekannt – zumindest noch nicht. Eine mögliche Anwendung könnte er jedoch in den Praxen von Hausärzten finden, da Astrazeneca keine enorme Kühlung erfordert wie etwa Biontech oder Moderna. Mehr Gewissheit bringt nach dpa-Angaben wohl der kommende Donnerstag – eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde bringt dann hoffentlich Aufschluss.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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