Corona-Pandemie

Corona-Lage auf Bremer Intensivstationen wird drastisch – Personalmangel

Die Corona-Lage auf den Intensivstationen im Land Bremen wird dramatischer. Nicht die freien Betten sind das Problem, was anderes fehlt.

Bremen/Berlin – Die Lage auf den Intensivstationen im Land Bremen wird immer dramatischer. Zuletzt waren am Mittwoch, 7. April 2021, von 170 verfügbaren Intensivbetten nur elf im ganzen Land frei. 42 der Betten sind laut Gesundheitsressort mit Corona-Patienten belegt, 41 davon müssen beatmet werden. Vor 14 Tagen waren es mit 28 beatmeten Patienten noch deutlich weniger. Insgesamt werden im Land Bremen 159 Personen mit einer Corona-Infektion stationär behandelt.

Coronavirus in Zahlen im Land Bremen:Stand: 7. April 2021, 16 Uhr. Quelle: Senatspressestelle
Aktive Corona-Infektionen:1.493 (-26 innerhalb von 24 Stunden)
Coronafälle insgesamt:21.697 (+135)
Genesene Personen:19.789 (+158)
Gestorbene mit Corona-Infektionen:415 (+3)
7-Tage-Inzidenz:97,8 (Bremen) / 143,4 (Bremerhaven)

Bei 108 der stationär behandelten Personen handelt es sich um Bürgerinnen und Bürger aus dem Land Bremen. 27 Personen müssen auf Intensivstationen behandelt werden, 21 Personen werden beatmet. Bei mindestens 30 Personen wird der Gesundheitszustand als schlecht oder kritisch beschrieben werden.

Lage auf den Intensivstationen in Deutschland: Mehr als 50 Prozent der Patienten müssen beatmet werden

Und auch auf Bundesebene sieht es nicht besser aus, wenngleich die Anzahl der Patienten, die beatmet werden müssen, im Vergleich deutlich weniger sind. Über Ostern wurde erstmals wieder die Marke von 4000 intensivpflichtigen Corona-Patienten überschritten. Am Mittwoch waren es laut der Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) 4439 Patienten. Das sind 84 Patienten mehr als am Vortag und mehr als 500 mehr als vor einer Woche. 2478 der Erkrankten müssen beatmet werden, was einen Anteil von 56 Prozent ausmacht. Dieser Anteil ist in Bremen deutlich höher. Anfang Januar erreichte die Zahl der Corona-Intensivpatienten einen Höhepunkt mit mehr als 5500 Fällen in Deutschland. In Baden-Württemberg etwa, müssen schon Operationen abgesagt werden, berichtet bw24.de*. Dies ist im Land Bremen noch nicht der Fall.

Corona in Bremen: Innerhalb von sieben Tagen stehen 138 Intensivbetten mehr zur Verfügung

Die Lage auf den Intensivstationen im Land Bremen wird immer besorgniserregender. „Eng ist die Lage auf jeden Fall“, bestätigte der Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts, Lukas Fuhrmann, gegenüber „buten un binnen“. Zwar sinken derzeit die Inzidenzwerte sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven, die Intensivstationen der Kliniken im kleinsten Bundesland hingegen werden immer voller. Immer mehr Corona-Infizierte benötigen eine intensivmedizinische Betreuung, bestätigte der Pressesprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke).

Die Lage im Bremer Gesundheitsressort wird immer kritischer. Aktuell müssen auf den Intensivstationen 41 von 42 Patienten in Bremen beatmet werden. Das weiß auch Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard. (nordbuzz.de-Montage)

Dennoch, so dramatisch wie die Situation derzeit wirkt, sei sie nicht. Da es noch Reserven in den Kliniken im Land gebe, würde jeder, der eine Beatmung brauche, diese auch bekommen, unterstrich Fuhrmann. Diese Reserven können kurzfristig aktiviert werden. Insgesamt könne man im Land Bremen 138 weitere Betten zur Verfügung stellen – innerhalb von sieben Tagen.

Corona in Bremen: Genügend Platz und Geräte, aber zu wenig Personal

Also alles nicht so schlimm im Land Bremen? Von wegen! Es fehlt zwar nicht an Betten oder Beatmungsgeräten. Die große Frage ist, wer soll diese bedienen? Denn laut Rolf Dembinski, Leiter der Klinik für Intensivmedizin am Klinikum-Mitte in Bremen, ist das Problem weniger der Anstieg der Zahlen. Viel mehr macht er das Hauptproblem beim Personalschlüssel in den Kliniken aus. Beatmungsgeräte habe man genügend, auch Platz sei vorhanden.

Es seien allerdings vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – im speziellen natürlich die Pflegekräfte – die dabei den Mangel darstellen würden. Dembinski geht davon aus, dass die Zahl der intensivpflichtigen Patienten weiter steigen wird, was gleichzeitig eine zusätzliche Belastung für die Pflegekräfte darstelle. Zwar habe man im vergangenen Jahr eine gewisse Routine entwickeln können, aber bei dieser Dauerbelastung müsse man aufpassen, dass nicht plötzlich eine Überlastung eintrete.

Corona-Lockdown in Bremen: Verlängerung der Maßnahmen ist unausweichlich

Hinzu kommt, dass nicht nur Patienten mit einer Corona-Infektion auf den Intensivstationen liegen, sagt Lukas Fuhrmann. Auch andere Krankheiten treten während der Pandemie auf, und diese müssen entsprechend in den Krankenhäusern und Kliniken behandelt werden. Damit sind etwa Menschen mit Schlaganfällen oder Herzinfarkten gemeint, die zum Tagesgeschäft gehören.

Wie ist die Lage also in den Griff zu bekommen? Dembinski ist der Meinung, dass wir um eine Verlängerung des Corona-Lockdowns nicht herumkommen werden, mindestens bis Mai oder sogar bis Juni. Einen klaren Weg zur Lösung des Problems sieht er beim Thema Impfung. Diese müssten vorangetrieben werden. Ohne diese werde es nicht gehen. Ein Glück, dass Bremen dabei gerade den Turbogang eingelegt hat. Seit Dienstag, 6. April 2021, sind die Hausärzte beim Impfen mit eingestiegen. Darüber hinaus soll nach den Osterferien in den Schulferien vermehrt getestet werden, beschloss der Senat in dieser Woche. In Hamburg hingegen sollen die Arbeitgeber in die Pflicht genommen werden, und ihren Mitarbeitern verpflichtend Schnelltests anbieten, berichtet 24hamburg.de*. * nordbuzz.de, kreiszeitung.de, 24hamburg.de und bw24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ingo Wagner/dpa, Rolf Vennenbernd/dpa & Sina Schuldt/dpa

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