Studie vor dem Start

Kommt bald ein wirksames Corona-Medikament? Ein Bremer Mediziner hegt Hoffnung

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Bei ihm liegt die Federführung für den deutschen Teil der weltweiten Studie für ein Medikament gegen die Lungenkrankheit Covid-19: Prof. Bernd Mühlbauer, Leiter des Instituts für Pharmakologie der Gesundheit Nord in Bremen.

Wird es in nur wenigen Wochen ein wirksames Medikament gegen die Lungenkrankheit Covid-19 geben? Ein Mediziner aus Bremen macht Hoffnung.

  • Hoffnung auf wirksames Medikament gegen Covid-19
  • Mediziner aus Bremen führen in Deutschland Medikamentenstudie durch
  • WHO will 10.000 Corona-Patienten weltweit testen lassen

Bremen - Wird es in nur wenigen Wochen ein wirksames Medikament gegen die Lungenkrankheit Covid-19 geben? Prof. Bernd Mühlbauer, Leiter des Instituts für Pharmakologie der Klinik-Gesellschaft Gesundheit Nord (Geno), hofft, dass dies so ist.

Der 62-Jährige hat die Federführung für den deutschen Teil einer weltweiten Studie für ein Medikament gegen Corona. Getestet werden vier Arzneimittel. Mühlbauer hofft schon in wenigen Wochen auf Ergebnisse.

Corona-Epidemie: Vier Medikamente sollen ausprobiert werden

Der 62-Jährige, der das Institut seit fast 20 Jahren leitet, erwartet sozusagen stündlich die Genehmigung für die Studie. Er hat den deutschen Prüfplan verfasst und das Projekt bei der Bundesoberbehörde und den Ethikkommissionen angemeldet. Mühlbauer geht von der „schnellsten Genehmigung“ aller Zeiten aus. Sonst dauert das Verfahren wesentlich länger. Doch Corona-Zeiten sind besondere Zeiten.

Der deutsche Beitrag unter Verantwortung der Geno ist Teil einer weltweiten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Insgesamt sollen vier Medikamente an Covid-19-Patienten ausprobiert werden. Es handelt sich nach Geno-Angaben um Mittel, die eigentlich gegen Ebola, Malaria und HIV entwickelt wurden. Remdesivir ist eines dieser Arzneimittel, das zwar bei Ebola nicht erfolgreich und da nicht zugelassen war. Es soll, so sagen etliche Mediziner, gut verträglich sein. Ebenso wie andere Medikamente wird Remdesivir bereits gegen Corona eingesetzt, aber nach Geno-Angaben bisher unsystematisch, wie Sprecherin Karen Matiszick gegenüber unserer Mediengruppe sagte. Die weltweite WHO-Studie soll nun fundierte Erkenntnisse bringe.

Corona-Krise: Viele Ärzte aus Bremen arbeiten an WHO-Studie mit

Weiter geht es um ein Malaria-Medikament, das heute bei Rheuma eingesetzt wird, sowie ein HIV-Medikament. Letzteres soll zudem in Kombination mit einer Arznei gegen Multiple Sklerose erprobt werden. Welcher Patient was bekommt, entscheidet den Angaben zufolge ein Zufallssystem bei der WHO in Genf.

Neben Mühlbauer arbeiten in Bremen zahlreiche weitere Ärzte aus dem Klinik-Verbund an der Studie mit, sagte Matiszick. Ziel sei es, möglichst schnell systematisch herauszufinden, welches Medikament tatsächlich gegen die Lungenkrankheit helfen könnte. Priorität hat laut Geno das Überleben der Patienten. Interessant sei zudem, ob eines der Mittel oder eine Kombination den Krankheitsverlauf und/oder die intensivmedizinische Behandlung, die Verweildauer im Krankenhaus verkürze.

Corona-Epidemie: Covid-19-Patienten stimmen Medikamentenstudie zu

Und wer gehört zu den Probanden? Nur Covid-19-Patienten, die schwer erkrankt sind und ihr Einverständnis gegeben haben, bekommen die Testmedikamente, betonte die Geno. Wer beatmet werde und nicht einwilligen könne, sei nicht Teil der Studie.

Instituts-Leiter Mühlbauer geht davon aus, dass zunächst an rund 800 Patienten in deutschen Kliniken getestet wird. Weltweit sollen etwa 10.000 Menschen im Rahmen der Untersuchung behandelt werden. Insgesamt nehmen zehn Länder – darunter Spanien, Iran und Südafrika – an der Erhebung teil. In Deutschland sind beispielsweise auch andere große Kliniken wie in München, Hannover und Saarbrücken beteiligt. Mühlbauer schätzt, dass etwa 50 Kliniken in Deutschland bei der Studie mitmachen werden.

Die Hoffnung ist, noch während der Corona-Krise ein Medikament zu finden, das Erkrankten hilft. Mühlbauer geht davon aus, dass schnell Ergebnisse vorliegen, man in ein, zwei Monaten klarer sieht. Dafür wertet die WHO tagesaktuell die eingehenden Daten aus. Hintergrund: Nicht vorteilhafte oder sogar ungünstige Behandlungen können dann laut Matiszick sofort beendet werden. Konkret: Bemerken die Experten, dass durch ein Medikament keine Besserung eintritt oder Nebenwirkungen zu spüren sind, fliegt es aus der Studie. Erfolgsversprechende Ansätze hingegen werden gezielt weiterverfolgt.

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