Gender Pay Gap

Sexismus-Skandal in Bremer Coronavirus-Behörde: Mitarbeiterin zieht vor Gericht

Gleiche Arbeit, gleicher Lohn – könnte man denken. Das Bremer Gesundheitsamt bezahlt eine weibliche Aushilfe schlechter als ihren männlichen Kollegen. Der Sexismus-Skandal landet vor Gericht.

  • Eine weibliche Aushilfe des Bremer Gesundheitsamts wird schlechter bezahlt als ein männlicher Kollege.
  • Der Sexismus-Fall in Bremen landet vor dem Arbeitsgericht.
  • Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke) fordert lückenlose Aufklärung.

Bremen – Ein Sexismus-Fall im Bremer Gesundheitsamt erregt die politischen Gemüter in der Hansestadt. Offenbar sollen weibliche Corona-Aushilfen deutlich schlechter als männliche Kollegen bezahlt worden sein. Das Problem der ungleichen Bezahlung hat Struktur, Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in Europa, Deutschland und auch in Bremen immer noch vorhanden. Verschiedene Modelle berechnen den wirklichen Unterschied.

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Bremen: Gesundheitsamt bezahlt eine Frau schlechter als einen Mann – Sexismus-Skandal im Coronavirus-Büro

Eine ehemalige Mitarbeiterin des Bremer Gesundheitsamts berichtet von dem krassen Sexismus-Skandal. Sie hatte für eine Tätigkeit als Aushilfe während der Coronavirus-Pandemie 28 Euro pro Stunde erhalten. Das klingt an sich nicht schlecht, doch nun kommt der Kracher – ein männlicher Kollege erhält vier Euro mehr pro Stunde. Das sind 12,5 Prozent weniger Gehalt, offenbar für dieselbe Arbeit. Laut butenunbinnen.de hat das Gesundheitsamt die Differenz inzwischen bezahlt. Demnach gebe es also keine Diskussion um die Ungerechtigkeit in der Coronavirus-Behörde. Dass ungerecht bezahlt wurde, ist allerdings Fakt.

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke) fordert gerechte Gehälter für Frauen und Männer in Bremen.

Den Arbeitsvertrag der Aushilfe hat das Bremer Gesundheitsamt allerdings nicht verlängert. Es konnte keine beidseitig zufriedenstellende Einigung gefunden werden, deshalb klagt die Aushilfe nun vor dem Bremer Arbeitsgericht. Vonseiten des Gesundheitsamts gibt es kein Statement zu den Vorwürfen. Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke) möchte sich nicht über das laufende Verfahren äußern, kommentiert den Fall aber mit klaren Worten.

Es ist aber klipp und klar, dass ungleiche Bezahlung völlig indiskutabel und ein absolutes No-Go ist. Wir arbeiten derzeit an der genauen Aufklärung, wie es dazu kommen konnte.

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke)

Bremen: Ungerechte Gehälter für weibliche Beschäftigte – Gehaltsunterschiede in der Hansestadt

Laut butenunbinnen.de ist der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen in Bremen höher als im Bundesdurchschnitt. Dabei sind zwei Werte wichtig. Die „Gender Pay Gap“ und die bereinigte „Gender Pay Gap“ – beide bezeichnen den Gehaltsunterschied. Der erste Wert liegt in Bremen bei 22 Prozent. Er rechnet alle Gehälter in Bremen ein und wertet sie gleich. Der bereinigte Wert liegt in Bremen bei sechs Prozent und vergleicht nur das Gehalt gleicher Tätigkeiten.

Das bedeutet zusammengefasst: Frauen arbeiten in Bremen häufiger in schlechter bezahlten Berufen und Branchen, und Frauen verdienen in Bremen weniger als Männer, die derselben Arbeit nachgehen. Die „Gender Pay Gap“ liegt in Deutschland bei durchschnittlich 21 Prozent. Bremen liegt nur knapp über dem Schnitt.

Nach Skandal in Bremen: Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen – Gründe und Lösungsansätze

Gründe für den Gehaltsunterschied gibt es viele. Frauen bekleiden deutlich seltener Führungspositionen, selbst in Branchen, in denen sie stark vertreten sind. Damit steigt vor allem im Alter die „Gender Pay Gap.“ Zudem übernehmen Frauen immer noch häufiger die heimische Arbeit an Haus und Familie – dafür bezahlt sie niemand, und gleichzeitig verdienen sie weniger im Beruf, da sie weniger Stunden zur Verfügung stehen.

Tarifverträge sind eine Option, um die „Gender Pay Gap“ zu verringern. Sie verhindern, dass Männer und Frauen für dieselbe Arbeit unterschiedlich bezahlt werden. Zudem helfen Sie auch männlichen Angestellten. Eine Aufwertung der Gehälter im Sozial- und Dienstleistungswesen könnte das Problem auch mildern. Wichtig sind auch strukturelle Maßnahmen, die Frauen eine größere Teilnahme am Arbeitsleben ermöglichen. Thema: Kinder.

Bremens Senatorin für Frauen, Gesundheit und Verbraucherschutz, Claudia Bernhard, hat sich den Kampf für mehr Lohngerechtigkeit auf die Fahne geschrieben. Dafür möchte sie unter anderem das Entgelttransparenzgesetz verbessern und fordert ein „Entgeltgleichheitsgesetz“. Dafür setzen sich auch Gewerkschaften ein. Bernhard muss als Coronavirus-Kommandantin von Bremen auch klären, ob Freipaak und Werder-Zuschauer erlaubt sind.

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