Proteste gegen Polizeigewalt

Corona-Chaos in Bremen: Erneut Ausschreitungen bei Spontandemos trotz Polizei-Präsenz

Nach dem Coronavirus-Chaos an der Sielwallkreuzung in Bremen zeigte die Polizei verstärkt Präsenz am Wochenende. Es kam jedoch erneut zu Ausschreitungen.

  • An den vergangenen Wochenenden kam es immer wieder zu illegalen Menschenansammlungen im Stadtgebiet Bremen
  • Daraufhin setzte Innensenator Ulrich Mäurer eine neue Bremer Allgemeinverfügung durch, die Außer-Haus-Verkaufsverbot von Alkohol vorschreibt
  • Um die Einhaltung zu kontrollieren, war die Polizei am Wochenende verstärkt unterwegs - es kam erneut zu Ausschreitungen

Bremen - Die Polizei Bremen hat in Zeiten der Coronavirus-Beschränkungen viel zu tun. Nachdem sie erst kürzlich illegale Coronavirus-Partys auflösen musste, kam es kurz darauf richtig dicke: An der Sielwallkreuzung kam es Mitte Juni zum Corona-Chaos. Mehrere hundert Menschen versammelten sich dort und pfiffen auf die Abstands- und Hygieneregeln.

Da wurde sich umarmt, Hände geschüttelt und geküsst - als ob das Coronavirus in Bremen gar nicht existieren würde. Aber nicht nur die Coronavirus-Verstöße halten die Bremer Polizeibeamten derzeit auf Trab. Tragischerweise kam es vor wenigen Tagen dann auch noch zu einer wilden Auseinandersetzung, bei dem eine Person an den Folgen eines Schusses starb, wie kreiszeitung.de* berichtet. Auch an diesem Wochenende musste die Polizei Bremen zu zahlreichen Einsätzen ausrücken, um für Ruhe zu sorgen.

Fläche:326,7 km²
Bevölkerung:547.976 (30. Apr. 2012)
Bürgermeister:Andreas Bovenschulte
Sehenswürdigkeiten:Bremer Rathaus, Bremer Roland, Schnoorviertel

Nach Corona-Chaos am Sielwall: Bremer Innensenator setzt Alkohol-Verkaufsverbot durch

Nach dem Corona-Einsatz an der Sielwallkreuzung im Ostertor in Bremen, bei dem die Polizei die dort versammelten Menschenmassen auflösen musste, tobte anschließend auch Innensenator Ulrich Mäurer. Er regte sich über das erschreckend geringe Problembewusstsein auf, denn das Coronavirus sei noch immer unter uns. Die Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Kontaktbeschränkungen müssten eingehalten werden. Anschließend drohte der SPD-Poltiker mit einer Sperrstunde.

Nachdem seine Warnungen von vielen Menschen, die sich an der Sielwallkreuzung versammelten, bewusst ignoriert wurden, platze ihm der Kragen. Die Konsequenz: Die neue Bremer Allgemeinverfügung schreibt jetzt ein an Freitagen und Samstagen ab 22 Uhr geltendes Außer-Haus-Verkaufsverbots von Alkohol vor.

Vor allem im Bereich der Sielwallkreuzung hatten sich an den vergangenen Wochenenden teils Hunderte am Abend auf den Straßen versammelt und gefeiert.

Um zu kontrollieren, ob das Verkaufsverbot wirklich umgesetzt wird, und ob sich auch jeder an die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln hält, war die Polizei Bremen am Wochenende verstärkt im Stadtgebiet unterwegs, teilte Jana Schmidt von der Polizeipressestelle Bremen in einem Bericht mit. Insgesamt sei das Wochenende deutlich ruhiger als das vorherige Wochenende gewesen. Die Beamten setzten bei ihrem Streifzug auf Dialog und die Einsicht der Bremer. Zudem waren Kommunikationsteams im Einsatz, die auf Corona-Verstöße aufmerksam machten. In der Regel hätte sich die Angesprochenen verhalten - also kein Vergleich zu dem vorherigen Chaos-Wochenende im Bremer Viertel.

Spontan-Demo in Bremen: Gruppe protestiert nach tödlichem Schuss auf Marokkaner

Komplett ruhig verlief das Wochenende aber dann doch nicht. In der Lindenhofstraße in Bremen kam es am Freitag zu Spontanversammlungen. Der Anlass des Treffens schien der Polizeieinsatz am vergangenen Donnerstag zu sein. Dieser sorgte für besonders viel Aufsehen, da es dabei zu einer Schussgabe durch die Polizei Bremen kam. Dabei schoss die Polizei auf einen 54-jährigen Marokkaner, nachdem er sie offenbar mit einem Messer angegriffen hatte. Kurze Zeit später starb der Mann im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Ein besonderer Schock, da der gewaltsame Tod von Georg Floyd noch gut in Erinnerung ist.

Darüber hinaus stießen die Bremer Polizeibeamten am Freitag gegen 23 Uhr noch auf eine 30-köpfige Gruppe, die im Bereich der Lindenhofstraße in Richtung Bromberger Straße polizeifeindliche Parolen skandierte. Zeitgleich wurde bekannt, dass es insgesamt fünf Sachbeschädigungen durch Graffiti an Hauswänden und einer Verkehrsbake in der näheren Umgebung gab. Auch dabei gingen die „Künstler“ hart mit den Beamten in die Kritik. Doch als diese dann vor Ort auftauchten, zogen die Sprayer den Schwanz ein und verließen fluchtartig mit ihren Fahrrädern den „Tatort“. Die Polizei schaffte es jedoch, drei Personen aus dieser Gruppe zu stellen und zu kontrollieren. Zum Glück für die Beamten hatte ein 29-jähriger Tatverdächtiger wohl vergessen, seine Hände zu waschen, denn diese wiesen noch Farbanhaftungen auf.

Polizei Bremen kontrolliert Coronavirus-Regeln - Demo gegen rassistische Polizeigewalt

Turbulent ging es auch am Samstagabend in Bremen weiter. Wieder kam es gegen 20 Uhr zu einer Spontanversammlung im Bereich der Lindenhofstraße. Diese stand - ähnlich wie die am Freitag - unter dem Motto: „Nach Mord durch Polizei - Rassistische Polizeigewalt, Stigmatisierung, Rauswurf STOPPEN“. Dafür hatten sich etwa 200 Personen versammelt. Der Veranstalter beendete die Kundgebung dann jedoch gegen 21.30 Uhr. Es kam glücklicherweise zu keinen weiteren Vorkommnissen.

Ganz aktuell sucht die Polizei nach Zeugen, denn am Sonntagmorgen sei es zu einer größeren Auseinandersetzung in der Bahnhofsvorstadt in Bremen gekommen, bei der ein 21-Jähriger eine Stichverletzung erlitten hatte.

Quelle: nordbuzz.de

*kreiszeitung.de und nordbuzz.de sind Teile des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Michael Bahlo/dpa

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