„Müssen Art zu leben ändern“

„Fridays for Future“-Demos: Für das Klima und gegen Erdgas-Förderung

Zehntausende Menschen demonstrieren am Freitag im Norden wieder für mehr Klimaschutz. Die Jugendbewegung Fridays for Future rechnet an diesem „Global Day of Climate Action“ mit rund 30.000 Teilnehmern allein in Hamburg. In diesem Text fasst kreiszeitung.de die Demos zwischen Bremen und NRW zusammen.

  • Rund 500 Demos für bessere Klimapolitik in Deutschland am Freitag
  • In Bremen kamen 7000 Teilnehmer zusammen
  • Demonstranten blicken auf UN-Klimakonferenz in Madrid

Update, 17.30 Uhr: 200 Demonstranten gingen in Sulingen für den Klimaschutz auf die Straße. Nach der Kundgebung am Gymnasium - Redner waren Initiator Andreas Richter und Helge Limburg, parlamentarischer Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen - zogen sie durch die Innenstadt. Das 20-köpfige Planungsteam hatte die Demo bewusst auf den Nachmittag gelegt. 

200 Demonstranten gingen in Sulingen für den Klimaschutz auf die Straße. Foto: Kurth-Schumacher

Update von 16.35 Uhr: „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“, wird Kinderarzt Dr. Christoph Dembowski nicht müde zu betonen. Schon beim vergangenen globalen Klimastreik am 20. September hatte er diese Kernaussage herausgestellt. Am Freitag hat er im Foyer des Diakonieklinikums Rotenburg auf die Initiative „Health for Future“ aufmerksam gemacht. 

Dr. Christoph Dembowski hat auf „Health for Future“ aufmerksam gemacht.

Die Klimafrage werde die Menschen in den kommenden Jahren weiter beschäftigen, und das stärker als gedacht. Ihn als Kinderarzt beschäftigten dabei besonders die Auswirkungen auf die Gesundheit. „Die Anzahl der Allergien wird zunehmen“, gibt er ein Beispiel. Derzeit liege der Anteil bei 15 bis 20 Prozent, er werde sich aber auf mehr als 50 Prozent erhöhen. „Wenn alle aktiv für das Klima sind, bedeutet das eine Besserung für die Gesundheit“, so Dembowski, der am Vormittag schon beim Streik in Verden mitgemacht hat.

Update von 15.35 Uhr: „Eine andere Welt ist möglich“ – „Weniger ist mehr“ – „Verzicht ist Fortschritt“ – Mit Slogans wie diesen demonstrierte die Organisation Attac Diepholz-Nord Freitag in Syke für Klima- und Ressourcen-Schutz und gegen die Wachstums- und Konsumgesellschaft. 

In Syke gingen ungefähr 80 Menschen für das Klima auf die Straße.

Etwa 80 Teilnehmer – darunter einige Schüler – versammelten sich am Europagarten und zogen von dort durch die Innenstadt zum Rathaus, um dort nach einer öffentlichen Kundgebung eine Petition an die Stadtverwaltung zu überreichen. In der fordert Attac die Stadt dazu auf, den Klimanotstand für Syke auszurufen. 

Die regionale Attac-Gruppe hatte im Vorfeld erklärt, mit dieser Demonstration wolle sie die „Fridays for Future“-Bewegung sowie deren weltweiten Aktionstag unterstützen und deutlich machen, dass sie das Klimapaket der Bundesregierung für nicht ausreichend halte. (mwa)

„Fridays for Future“ in der Fußgängerzone Achim

Schätzungsweise gut 100 Personen bildeten am Freitagmittag in der Achimer Fußgängerzone eine Menschenkette, um eine entschiedenere Politik gegen den Klimawandel zu verlangen. Die von den Schülern Merlin Hankel und Finn Steffens gegründete Gruppe „Fridays for Future Achim“ hatte zu der Demonstration aufgerufen. 

Rund 100 Menschen - vor allem Erwachsene - kamen in Achim zur Klimademo.

Allerdings fanden sich zu der Kundgebung fast nur Erwachsene ein, Kinder und Jugendliche waren kaum zu sehen. „Wir dürfen nicht nachlassen mit Bemühungen für eine bessere Welt. Eine Energie- und Verkehrswende reichen dafür aber längst nicht aus“, sagte Aktivistin Sabrina Kernhoff. Die Aktivistin forderte: „Wir müssen unsere Art zu wirtschaften und zu leben, ändern.“ 

Laut Angaben der Polizei aus Verden und Osterholz waren in den beiden Landkreisen am Freitag insgesamt 1400 Menschen bei mehreren Demonstrationen gewesen. Alle Veranstaltungen seien ruhig verlaufen, heißt es auf Twitter. (mm)

Update von 14.20 Uhr: In Bremen nahmen laut Polizeiangaben am Freitag rund 7000 Menschen teil. Das erwartete Verkehrschaos sei ausgeblieben, heißt es. Der Aufzug startete gegen 10.30 Uhr auf der Bürgerweide und endete um 14 Uhr am selben Ort.

Rund 7000 Teilnehmer waren bei der Klimademo laut Angaben der Polizei in Bremen dabei.

Von 16 bis 19 Uhr ist am Freitag eine Kundgebung unter dem Motto „Wintermarkt am Global Day of Climate Action“ angemeldet. Für die Demo muss der Bereich zwischen Kunsthalle und Osterdeich an Straße Altenwall gesperrt werden.

Originalartikel vom 29. November 2019: In Verden sind die Teilnehmer der „Fridays for Future“-Demo vom Bahnhof zum Allerpark gezogen. Dort wurde für den Mittag eine Abschlusskundgebung geplant. Unterstützung kam auch aus Rotenburg - unter anderem war Kinderarzt Dr. Christoph Dembowski vor Ort und warnte vor den gesundheitlichen Folgen der Klimaveränderungen für den Menschen. Insgesamt nahmen über 1000 Menschen an der Verdener „Fridays for Future“-Demo teil. Sie ließen sich nicht vom schlechten Wetter abschrecken und zogen fast anderthalb Stunden lang durch die Straßen.

In Verden zogen rund 1000 Demonstranten durch die Stadt.

Im Fokus der Verdener Demo stand ganz klar die Erdgasförderung und in Zusammenhang damit die noch nicht lang zurückliegenden Erdbeben im Landkreis: Die Demonstranten hatten sich rote Kreuze von der Bürgerinitiative „Gegen GasBohren“ geliehen und riefen immer wieder ihre Forderung, aus der Erdgasförderung auszusteigen und neue Bohrungen zu verbieten.

Die Demo endete am Allerpark, wo Dörte Liebetruth von der SPD eine kleine Rede vortrug. Außerdem wurde ein offener Brief mit den Forderungen von Fridays for Future verlesen.

Rund 100 Teilnehmer bei Demo in Diepholz

In Diepholz trafen sich zur „Fridays for Future“-Demo zum vierten Mal Schülerinnen und Schüler am Schulzentrum. Von dort aus führte ihr Weg durch die Innenstadt an Rathaus und Kreishaus vorbei. Nach ersten Schätzungen der Polizei waren es etwa 100 Teilnehmer - darunter auch Erwachsene. Das waren deutlich weniger als bei der letzten Demo in Diepholz.

In Diepholz kamen laut Polizeiangaben rund 100 Menschen zur Demo.

Eine bessere Zukunft ist möglich, dafür müssen wir aber kämpfen“, rief Mitorganisatorin Frederike Oberheim Tausenden Demonstranten zum Auftakt der Demo auf der Bürgerweide zu. Auf dem Weg in die Innenstadt sei die Zahl der Demonstranten auf 5000 bis 6000 angewachsen, sagte eine Polizeisprecherin.

Klimademo in Bremen: 10.000 Teilnehmer erwartet

In Bremen waren am 20. September, dem bislang letzten globalen Klimastreik, rund 31.000 Menschen zusammengekommen. Die Polizei Bremen geht dieses Mal ab 10 Uhr von 10.000 Teilnehmern aus. Es werde „erhebliche Verkehrsbehinderungen“ geben, sagte eine Sprecherin.

„Fridays-for-Future“-Demo in der Bremer Innenstadt

In Nienburg und Verden waren im September rund 1000 „Fridays for Future“-Teilnehmer dabei, in Weyhe gingen circa 600 meist junge Menschen aus Straße. Damals wie heute wurden bundesweit mehr als 500 Demos angemeldet. Die einzelnen Demos starten im Verlauf des Tages zu unterschiedlichen Zeiten.

UN-Klimakonferenz Anfang Dezember in Madrid

Anlass für den Protest, der in mehreren Ländern auf der ganzen Welt stattfinden soll, ist die UN-Klimakonferenz Anfang Dezember in Madrid. „Der Klimaschutz der Staaten ist freiwillig und diese Freiwilligkeit hat bisher keine Wirkung gezeigt. Deshalb gehen wir auf die Straße“, sagte Jesko Henning, einer der Sprecher von Fridays for Future.

Kurz vor dem Beginn der Klimaproteste hat dessen Vertreterin Luisa Neubauer die Umweltpolitik der Bundesregierung erneut scharf kritisiert. Diese verweile „in ihrer Stagnation“, sagte sie der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom Freitag. Die Regierung habe im vergangenen Jahr viele Handlungsmöglichkeiten ungenutzt verstreichen lassen.

Hannover erwartet 7000 Klima-Demonstranten

Nach eigenen Angaben sind etwa in Osnabrück, Nordhorn, Oldenburg, Cuxhaven, Hannover, Wolfsburg, Braunschweig, Lüneburg, Celle und Göttingen geplant. Allein in Hannover (12.30 Uhr) rechnet die Polizei mit einer „hohen vierstelligen Zahl“ an „Fridays for Future“-Demonstranten, sagte ein Sprecher der Behörde. Die Bewegung selbst erwartet rund 7000 Teilnehmer.

Mit Material von dpa, epd und afp.

Rubriklistenbild: © Steffen Koller

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare