Stern, Parkallee und Humboldtstraße

Fahrrad-Unfälle: Hier kracht es besonders häufig – „Problem sind drängelnde Autofahrer“

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Da auf der Parkallee in zweiter Reihe geparkt werden darf, kommt es hier schnell zu brenzligen Situationen für Radfahrer. 

Wer sich auf seinen Drahtesel schwingt, um auf zwei Rädern durch Bremen zu radeln, sollte stets ein Auge auf die PKWs haben: „Drängelnde Autofahrer sind das größte Problem in der Fahrrad-Stadt Bremen“, sagt ADFC-Pressesprecher Albrecht Genzel. Zu dichtes Auffahren, unnötige Überholmanöver und schlichtes Übersehen von Radfahrern führe zu den meisten Unfällen im Stadt-Verkehr.

Doch wo ist es in Bremen am gefährlichsten? „Es gibt viele Gefahren-Schwerpunkte in Bremen“, sagt Genzel „diese sind über das Stadtgebiet hinweg zerstreut“. Wir haben mit dem Experten vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club über gefährliche Straßen und Kreuzungen in Bremen gesprochen. 

Hohe Dunkelziffer vor dem Steintor 

Ein Gefahrenpunkt sei der Abschnitt zwischen dem Lüneburger Platz und Ziegenmarkt. „Hier gibt es eine große Dunkelziffer an Unfällen“, so Genzel. Wenn es auf der Straße Vor dem Steintor zwischen Rad- und Autofahrer brenzlig wird, rappeln sich viele Radler schnell wieder auf, schimpfen lauthals in Richtung Stoßstange und machen sich dann wieder auf und davon. Eine Meldung bei der Polizei ist da eher selten. Auch wenn es nicht so glimpflich ausgeht, werden die verletzten Personen meist erst schnell ins Krankenhaus gebracht und der Unfall, wenn er überhaupt gemeldet wird, erst im Nachhinein bei der Polizei vermerkt.

Die Unfall-Ursache auf der Straße Vor dem Steintor: die Schienen. Radfahrer müssen an dieser Stelle über die Gleise fahren und befinden sich allein dadurch in einer potenziell gefährlichen Situation. „Wir vermuten, dass drängelnde Autofahrer und schlechte Witterungsverhältnisse am Steintor die häufigsten Unfall-Ursachen sind“, erklärt Genzel. Bei regnerischem Wetter seien die Schienen sehr rutschig, wodurch Fahrradfahrer oft den Halt verlieren würden. Übrigens: Die BSAG-Mitarbeiter sind angehalten an dieser Stelle keine Radfahrer zu überholen.

Parkallee: Zu wenig Sicherheitsabstand durch parkende Autos

Einen sehr schweren Unfall gab es in der Vergangenheit an der Parkallee zwischen Stern und Friedenstunnel. Die Fahrradstraße wurde bereits mehrfach vom ADFC analysiert, da sich hier viele unangenehme Situationen für Radfahrer ergeben. „Hier dürfen die Autos in zweiter Reihe parken“, sagt Genzel, „dadurch haben die Radfahrer sehr wenig Platz auf der Straße. Ob die Plätze in Zukunft abgeschafft werden, stehe noch in den Sternen. Für die Sicherheit auf der Parkallee wäre es in jedem Fall hilfreich.

Obacht bei Fahrten in der Gegenrichtung

Ein gutes Beispiel dafür, dass eine Fahrrad-Straße gut funktionieren kann, ist die Humboldtstraße. Doch das war nicht immer so. „Hier ist früher ein sehr böser Unfall passiert“, erzählt Genzel, „früher durfte man noch auf der „falschen“ Seite fahren.“ Als ein Wagen vor der Michaelskirche links in die Heinrichstraße abbiegen wollte, übersah der Autofahrer einen Radler, der in Gegenrichtung unterwegs war. Die Mitarbeiterin der naheliegenden Silberschmiede eilte sofort für Erste-Hilfe-Maßnahmen herbei. Der Autofahrer hatte wohl beim obligatorischen Schulterblick den von rechts kommenden Radfahrer einfach übersehen. „Als Radfahrer müssen wir immer damit rechnen, dass uns Autofahrer nicht sehen, wenn wir in der Gegenrichtung unterwegs sind“, mahnt Genzel. Vielen wäre dies nicht klar, wenn sie auf einem Radweg unterwegs sind, der in beide Richtungen befahren werden darf.

Der „Klassiker“ in Sachen Gefahr: Der Stern 

Der gefährlichste Ort für Radfahrer ist und bleibt wohl der Stern. Dass es in dem Kreisel unglaublich schnell zu brenzligen Situationen kommt, zeigt auch der nordbuzz-Selbstversuch von Redakteur Lars Kattner. Hollerallee, Parkallee, Wachmannstraße und Hermann-Böse-Straße treffen sich an diesem Gefahrenpunkt für Radfahrer. Doch die Anzahl der Unfälle dürfe nicht überbewertet werden. „Natürlich ist die absolute Anzahl der Unfälle am Stern sehr hoch. Doch man darf nicht vergessen, dass hier auch ein sehr hoher Durchsatz herrscht“, erklärt Genzel, „daher ist der Unfall-Quotient eher niedrig.“ Ist der Stern etwa gar nicht so gefährlich wie wir alle denken?

Laut der Bremer Polizei würden die Unfall-Stellen am Stern „wandern“, so Genzel. Mal knallt es an der Wachmannstraße, mal an der Hollerallee. Eine nähere Eingrenzung der Unfall-Ursachen sei daher schwierig. „Gruslig war, dass eine Psychologin bei einer Analyse am Stern feststellte, dass viele Radfahrer einfach von Autofahrern übersehen werden.“, erzählt Genzel, „Die Autofahrer haben die Räder einfach nicht wahrgenommen und sind einfach losgefahren“.

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